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Interview

Welche Zukunft hat die SVLFG?

Walter-Heidl-SVLFG
am Sonntag, 14.11.2021 - 05:30 (1 Kommentar)

Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl hat am 19. Oktober 2021 turnusgemäß den Vorsitz im Vorstand der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) übernommen. Im Interview gibt Heidl unter anderem Einblick, welche Gestaltungsspielräume er bei den Sozialversicherungsbeiträgen sieht und welche Rolle Präventionsangebote spielen.

Was sind die Herausforderungen für die SVLFG?

agrarheute: Wo sehen Sie die Herausforderungen für die SVLFG in den nächsten Jahren?

Walter HeidlNach der ‘politischen Zwangsfusion‘ der regionalen Träger zu einem Bundesträger SVLFG haben wir bereits in den letzten Jahren viele Hausaufgaben gemacht: Von der Einführung eines bundeseinheitlichen risikoorientierten Beitragsmaßstabes bei der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, der Einrichtung einer einheitlichen EDV, der Straffung der Strukturen mit Personalabbau, bis zu innovativen Präventionsangeboten in der Kranken- und Unfallversicherung wurde vieles geschafft. Allerdings ist der fortschreitende Rückgang der aktiven Landwirte eine große Herausforderung für die SVLFG. Wir müssen tagtäglich beweisen, dass unser Angebot passgenau zugeschnitten und gleichzeitig kosteneffizient ist. Entsprechende Dienstleistungsangebote in Partnerschaft mit anderen außerlandwirtschaftlichen Sozialversicherungen könnten eventuell unseren Aufgabenbereich erweitern.

Hat die SVLFG Spielräume bei der Beitragsgestaltung?

agrarheute: Welche Gestaltungsspielräume hat die SVLFG, um die Landwirtsfamilien bei den Sozialversicherungsbeiträgen zu entlasten?

Walter Heidl: Bei den Beiträgen in den verschiedenen Bereichen hat die SVLFG einen sehr engen Rahmen, den der Gesetzgeber vorgibt. Dieser reicht vom Kreis der versicherten Personen bzw. Unternehmen bis zur Grundlage der jeweiligen Beitragsbemessung. So wurde zum Beispiel für die Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) vor einigen Jahren gesetzlich verankert, dass die Beitragsgestaltung risikoorientiert zu erfolgen hat. Dies führt zwar einerseits zu einer hohen Beitragsgerechtigkeit, erfordert aber andererseits einen hohen Verwaltungsaufwand von der Zuordnung der Kosten zu den einzelnen Produktionsverfahren bis zur Datenerfassung bei den Unternehmen mit Blick auf die verschiedenen Tätigkeiten. Wenn durch unsere intensive Präventionsarbeit auch Leistungsausgaben vermieden werden können, hat dies positive Effekte und bringt eine Kostenentlastung.

Bleibt die SVLFG ein einheitlicher Versicherungsträger?

agrarheute: In der SVLFG sind Unfallversicherung, Alterssicherung, Kranken- und Pflegeversicherung unter einem Dach zusammengefasst. Sehen Sie Vorteile eines einheitlichen Versicherungsträgers?

Walter Heidl: Den größten Vorteil sehe ich in der Zuständigkeit aus einer Hand. So kann schnell und unkompliziert versicherungsintern geklärt werden wer im Einzelfall Ansprechpartner für den Versicherten ist. Außerdem sehe ich großes Einsparpotential über Synergieeffekte beim Datenaustausch zwischen den Bereichen im Sinne von Verwaltungsvereinfachung. Ein Alleinstellungsmerkmal der SVLFG bundesweit ist die Möglichkeit, bereichsübergreifend Präventionsangebote gestalten und anbieten zu können. Das kann keine andere Sozialversicherung.

Warum ist Prävention für die SVLFG wichtig?

agrarheute: Warum hat Prävention bei der SVLFG für Sie einen so hohen Stellenwert?

Walter Heidl: Für mich ist Prävention aus zwei Gründen eine wichtige Investition in die Zukunft. Zum einen ist jeder vermiedene Unfall und jede nicht eingetretene Erkrankung erspartes persönliches Leid für die versicherte Person. Zum anderen kann Prävention wirksam Kosten in der Sozialversicherung vermeiden. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Prävention weniger kostet als sie Ausgaben einspart und damit ist sie auch sehr ‚rentabel‘.

Außerdem haben auch Wissenschaft und Politik mittlerweile ein großes Interesse an unseren innovativen Gesundheitsangeboten, weil wir uns damit jetzt schon um einen vergleichsweise zur übrigen Bevölkerung älteren Versichertenkreis kümmern und dies angesichts der allgemeinen demographischen Entwicklung eine Blaupause für Deutschland in 20 Jahren sein kann. Wenn bei den aktuellen Verhandlungen von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP erklärt wird, man wolle in der Gesundheitspolitik die Vorsorge und Prävention zum Leitprinzip machen, kann die SVLFG einen wichtigen Beitrag leisten – bei uns selbst und auch für andere.

Wie will die SVLFG gesundheitliche Prävention stärken?

agrarheute: Wie wollen Sie die gesundheitlichen Präventionsangebote im ländlichen Raum noch weiter voranbringen?

Walter Heidl: Wir setzen auf Betreuung vor Ort und bemühen uns intensiv um eine hohe Kundennähe. Das geschieht schon jetzt über unser eigenes Personal, zum Beispiel über Außendienstmitarbeiter bei der Berufsgenossenschaft und Netzwerke mit Partnern wie etwa den Landfrauen und dem Turnerbund beim Programm ‚Trittsicher‘. Solche Netzwerke sind gerade im ländlichen Raum für uns sehr wichtig, um unsere Angebote insbesondere auch bei älteren ‚Kunden‘ zu platzieren. Gerade die Landfrauen sind hier wertvolle Partner.

Wie will die SVLFG künftig Kontakt zu ihren Versicherten halten?

agrarheute: Wie kann die SVLFG noch besser den Kontakt zu den Versicherten halten?

Walter Heidl: Gerade die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, wie wichtig die Nutzung digitaler Techniken in der Kommunikation ist. Die SVLFG hat hier in den vergangenen Jahren bereits neue Wege beschritten, etwa mit ihrer Online-Plattform und jüngst mit einer mehrsprachigen App für Saisonarbeitskräfte.

Trotzdem bleiben auch die klassischen Beratungswege wichtig, vom eigenen SVLFG-Personal (Verwaltungspersonal an den Außenstellen, technisches Aufsichtspersonal der Berufsgenossenschaft, Pflegeberater, usw.) bis zu den sogenannten ‚beauftragten Dritten‘ für die direkte individuelle Beratung vor Ort, zum Beispiel die Geschäftsstellen des Bauernverbandes.

Mit Material von Bayerischer Bauernverband
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