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Welternährungstag

Welt ohne Hunger: Lösbare Aufgabe rückt in größere Ferne

Hungersnot bei Kindern
am Donnerstag, 14.10.2021 - 14:54 (3 Kommentare)

Vor dem Welternährungstag am 16. Oktober hat die Welthungerhilfe heute (14.10.) den Welthungerindex 2021 in Berlin vorgestellt. Über 100 Millionen Menschen sind demnach im letzten Jahr in Hunger und Armut zurückgefallen.

Damit wurden deutliche Rückschritte gemacht auf dem Weg zum Ziel, bis 2030 den Welthunger zu besiegen. Auf 811 Millionen Menschen ist die Zahl der Hungernden auf der Welt gestiegen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) spricht von 130 Millionen Menschen, die innerhalb eines Jahres in Hunger und Armut zurückgefallen sind. Letztes Jahr zählte die Welthungerhilfe 690 Millionen Menschen, die unter chronischem Hunger litten.

Laut Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, sind Kriege und Konflikte, der Klimawandel und die Corona-Pandemie für die Entwicklung verantwortlich. Schon im letzten Jahr warnte die Organisation vor den Folgen der Pandemie auf die Welternährung.

Am größten sei die Hungersnot in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan. Weltweit stünden 41 Millionen Menschen kurz vor einer Hungersnot.

Ziel der Hungerbekämpfung wird im Moment deutlich verfehlt

Als einer der größten Hungertreiber sieht Mogge die gewaltsamen Konflikte, die in den letzten Jahren wieder zugenommen hätten. „Wo Krieg herrscht, werden Ernten, Felder sowie Infrastruktur zerstört und fliehen Menschen aus ihren Dörfern“, so Mogge. Wie Entwicklungsminister Müller erklärt, sei die derzeitige Situation außerdem von einer hohen Arbeitslosigkeit, hohen Lebensmittelpreisen und unterbrochenen Versorgungsketten geprägt.

Der Welthungerindex 2021 geht davon aus, dass bis 2030 in 47 Ländern noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreicht werden könne. 28 Länder befänden sich davon in Afrika südlich der Sahara. Noch setze sich der Trend einer sich verschlechternden Ernährungslage weiter fort.

Mogge fordert verbindliche Vereinbarungen auf der bevorstehenden UN-Klimakonferenz in Glasgow, im den Klimawandel als Hungertreiber einzudämmen. Zudem müssten neben der finanziellen Unterstützung politische Initiativen ins Leben gerufen werden, um Frieden herzustellen. Die Präsidentin der Welthungerhilfe Marlehn Thieme weist außerdem auf Hunger als Kriegswaffe hin. Dieses Mittel müsse konsequent sanktioniert und das Recht auf Nahrung gestärkt werden.

Müller: Ein unglaublicher Skandal

Der Friedenspolitik zur Hunger- und Armutsbekämpfung will der Entwicklungsminister höchste Priorität einräumen. Jeden Tag würden 15.000 Kinder verhungern. „Das ist ein unglaublicher Skandal“, so Müller. Heute sei Hunger mit Mord gleichzusetzen, da das Wissen und die Technologie zur Hungerbekämpfung vorhanden seien.

Mit 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr könne ein Besiegen des Hungers bis 2030 laut Müller gelingen. Das Geld müsse in eine nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft in Industrie- und Entwicklungsländern und Privatwirtschaft fließen.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann erklärt, dass die landwirtschaftliche Produktion bis 2050 um 60 Prozent zunehmen müsse, um alle Menschen zu ernähren. Deutschland nehme als Gunststandort eine besondere Rolle in der Welternährung ein. „Daraus erwächst die ethische Verantwortung, einen Beitrag zur globalen Ernährung zu leisten, der aber nicht gleichzeitig die Produktionsanreize in den armen Ländern schwächen darf“, so Connemann. In dieser Situation müssten Flächenstilllegungen und Bewirtschaftungsauflagen überdacht werden. Die CDU-Politikerin ruft zu einem schonenden Umgang mit der Ressource Boden auf. Dazu zähle auch, die Forderung nach 100 Prozent Ökolandbau zu hinterfragen.

Der Green Deal setzt sich zum Ziel, den Ökolandbau bis 2030 auf 25 Prozent auszuweiten. 

Mit Material von dpa
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