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Krieg in der Ukraine

Welthungerhilfe: Krieg könnte Millionen Menschen in den Hunger treiben

Symbolbild Hunger
am Dienstag, 03.05.2022 - 11:43 (Jetzt kommentieren)

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (Word Food Programme) schätzt die Zahl der Menschen, die wegen der weltweiten Krisen zusätzlich von Hungerkrisen betroffen sein können, auf bis zu 47 Millionen. Von der Regierung in Deutschland fordert die Welthungerhilfe mehr Unterstützung.

Deutlich dramatischer geworden ist die Bedrohung durch weltweite Hungerkrisen nach Russlands Angriff auf die Ukraine. Schon zuvor sind die Düngemittelpreise, Energie- und Transportkosten enorm gestiegen und es kam zu Lieferengpässen. Vor allem die Corona-Pandemie verursachte diese Entwicklung, die letztlich zu immer höheren Lebensmittelpreisen führte und weiterhin führt. Der Krieg in der Ukraine scheint eine erhoffte Entspannung der Situation für unbestimmte Zeit unmöglich zu machen, weshalb die Welthungerhilfe die Bundesregierung auffordert, mehr Maßnahmen zu ergreifen.

Schlimmere Ernährungslage als bei Hungerkrise 2008 befürchtet

Besonders Afrika sowie der Nahe und Mittlere Osten sind von Hunger und sozialen Unruhen gefährdet, da diese Gebiete bereits durch verschiedene Krisen geschwächt wurden: „Die Gemengelage von sich überlagernden und verstärkenden Krisen macht die Situation sehr gefährlich. Egal, ob wir nach Afghanistan, nach Ostafrika, in den Sudan oder nach Mali schauen: Die Menschen sind von Dürren, bewaffneten Konflikten, unterbrochenen Lieferketten oder Heuschreckenplagen erschöpft. Ihre Reserven sind aufgebraucht, sie haben neuen Schocks nichts mehr entgegenzusetzen“, warnt Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe.

Mahlzeiten fielen aus und seien weniger nahrhaft. Am Horn von Afrika seien wegen einer schweren Dürre etwa 15 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht. Erste Prognosen hätten ergeben, dass die Ernährungslage schlechter als bei der letzten großen Hungerkrise 2008 sein könnte, teilt die Welthungerhilfe mit. Schon jetzt zeigten die wegfallenden Getreideexporte aus der Ukraine und aus Russland dramatische Auswirkungen.

Der Libanon zum Beispiel habe zuletzt über 90 Prozent seines importierten Getreides aus Russland und der Ukraine bezogen. Inzwischen konsumieren laut Welthungerhilfe 60 Prozent der Bevölkerung kleinere Portionen, 40 Prozent nehmen weniger Mahlzeiten zu sich.

Welthungerhilfe erwartet Beschlüsse aus G7-Gipfel in Elmau

Deutschland wird von der Welthungerhilfe aufgefordert, mehr Geld für die Nahrungsmittelhilfe bereitzustellen. Dass die Bundesregierung im Ergänzungshaushalt mehr Geld für die Ernährungssicherung eingeplant habe, sei ein richtiger Schritt gewesen. „Aber die Menschen im globalen Süden brauchen langfristig mehr Unterstützung“, so Mogge.

Beim G7-Gipfel in Elmau vom 26. bis zum 28. Juni 2022 solle die Bundesregierung das Thema nach ganz oben auf die Agenda setzen. Entscheidend sei, weitere Mittel zu mobilisieren, die ländliche Infrastruktur auszubauen und den regionalen Handel zu stärken. Außerdem müssten Exportstopps für Agrarprodukte verhindert und Lieferketten offengehalten werden.

Morgen (04.05.) wird der „Global Report on Food Crises“ vorgestellt, den das World Food Programme (WFP) und die Food and Agriculture Organization (FAO) gemeinsam mit weiteren Fachorganisationen vorlegen.

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