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Artenvielfalt

Wissenschaftler rufen zum Handeln gegen Artenrückgang auf

Acker mit Blühfläche im Vordergrund
am Dienstag, 13.10.2020 - 15:13 (5 Kommentare)

In einer Stellungnahme der Leopoldina-Akademie fordern Wissenschaftler Maßnahmen gegen den Rückgang der biologischen Vielfalt, beispielsweise landwirtschaftliche Flächen aus der Produktion zu nehmen. Für den Erhalt der Agrarökosysteme bestehe akuter Handlungsbedarf.

Insgesamt acht Handlungsfelder enthält die gemeinsame Stellungnahme „Biodiversität und Management von Agrarlandschaften“ von der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. In fünf der Handlungsfelder spielt die Landwirtschaft eine Haupt- oder Nebenrolle.

Die Forscher gehen von einer künftig eingeschränkten Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme aus. Auch für Mensch und Umwelt werde sich der Artenrückgang bemerkbar machen. Würden die in den Handlungsfeldern aufgeführten Maßnahmen umgesetzt, „ließe sich der Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft nicht nur aufhalten, sondern auch wieder umkehren“, teilt die Leopoldina in ihrer Pressemitteilung zur Stellungnahme mit.

Agrar- und Umweltpolitik stärker koppeln

Als eine der Maßnahmen heben die Autoren eine stärkere Kopplung der Agrar- und Umweltpolitik auf europäischer und nationaler Ebene hervor. Die Förderinstrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollten sich an umweltpolitischen Zielen orientieren. Messbare und von Landwirten zu erbringende Ökosystemleistungen sollten über den Erhalt von Subventionszahlungen entscheiden.

Auf der Verwaltungsebene sehen die Wissenschaftler bei der Agrar- und Umweltpolitik ebenfalls ein Hindernis: Die Behörden beider Ressorts müssten entweder enger miteinander kooperieren oder in eine Behörde zusammengefasst werden.

Landwirtschaftsgesetz für Europa

Im zweiten Handlungsfeld fordern die Autoren Anpassungen im Agrar- und Umweltrecht: Mit einem EU-weiten Landwirtschaftsgesetz könnten Umweltschutzvorschriften gesetzlich festgeschrieben werden. Zusätzlich würde ein europäisches Landwirtschaftsgesetz Wettbewerbsverzerrungen verhindern. Schließlich müsse auch die Einhaltung der bestehenden Vorschriften besser überprüft werden.

Das Forschungsteam betont, dass das Landwirtschaftsgesetz nicht zu viele, aber klare und einfach umzusetzende Rechtsvorschriften enthalten sollte. Wünschenswert wären nach Ansicht der Autoren Vorschriften zur standortangepassten Begrenzung der Tierbesatzhöhe pro Hektar, eine verpflichtende ökologische Betriebsberatung durch staatliche Behörden und ein Umbruchverbot mit Erlaubnisvorbehalt für Dauergrünland.  

Landnutzung verändern

Als dritten Punkt schlagen die Wissenschaftler vor, gemeinsam mit allen Beteiligten die Landnutzung zu ändern. Dabei sollten landwirtschaftliche Flächen teilweise komplett aus der „Produktion genommen oder deutlich weniger intensiv genutzt werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Änderungen in der Landnutzung sollten regional angepasst erfolgen und gemeinschaftliche Ziele berücksichtigen.

Landschaftspflegeverbände sollten stärker in die Entwicklung der Landnutzung einbezogen werden. In den letzten Jahren habe die Biodiversität auf den Agrarflächen stark abgenommen.

Einflussmöglichkeiten des Handels nutzen

Nach Ansicht der Autoren sollte der Lebensmitteleinzelhandel Produkte, die regional und „biodiversitätsfreundlich“ hergestellt wurden, als solche kennzeichnen. Für die regionale Verarbeitung der Lebensmittel müsse die Infrastruktur ausgebaut werden. Darüber hinaus müssten Lebensmittelverluste reduziert werden.

Betriebe unterstützen

Eine landwirtschaftliche Produktion, die die Biodiversität fördert, soll für die Landwirte wirtschaftlich attraktiv sein, erläutern die Verfasser in ihrer Stellungnahme. So sollten für die Betriebe Anreize für freiwilligen innerbetrieblichen Naturschutz oder schonende Bewirtschaftungsmethoden geschaffen werden.

Gefördert werden sollten sowohl der ökologische Landbau als auch neue Konzepte für den integrierten Anbau. Zusätzlich sollten die Betriebe bei ihrer Aus- und Weiterbildung unterstützt werden.

Auch Gesellschaft und Kommunen in die Verantwortung nehmen

Der Wandel zu einer nachhaltigen Landwirtschaft müsse von der gesamten Gesellschaft getragen werden, betont die Leopoldina in ihrer Pressemitteilung. Schließlich lasse sich die Bedeutung der biologischen Vielfalt „nicht nach rein ökonomischen Kriterien bemessen“.

Ein stärkeres Bewusstsein über das Thema drücke sich besonders im Konsumverhalten der Menschen aus, beispielsweise durch weniger Fleischkonsum.

Weiterhin sollten die Kommunen eine Vorbildfunktion einnehmen und die Vielfalt auf ihren eigenen Flächen erhöhen.

Monitoring und Forschung bilden in der Stellungnahme ein eigenes Handlungsfeld. Hier solle überprüft werden, ob die Maßnahmen die Biodiversität erhöhen. Darüber hinaus sei ein Monitoring für die Dokumentation von Arten und Lebensräumen erforderlich.

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