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Nachhaltigkeits-Offensive

WLV-Präsident Röring: 'Wir müssen uns ändern'

Johannes Röring
Norbert Lehmann, agrarmanager
am
22.11.2016

Die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung wieder herstellen - das will der WLV mit seiner Nachhaltigkeitsoffensive erreichen. "Wir müssen uns als Landwirtschaft in manchen Punkten ändern", so das Credo Rörings.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) nimmt die anhaltende Kritik an der modernen Landwirtschaft ernst und will der Branche im Nordwesten eine deutliche Veränderung ihrer Produktionsweisen nahelegen. „Wir sprechen nicht von einer kompletten Wende, aber von einer Neuorientierung in wichtigen Bereichen“, erläuterte Röring heute vor Journalisten in Münster.

Seit Herbst 2015 hat der WLV in einer sogenannten Fokusgruppe mit 34 Personen, darunter alle 19 Kreisverbandsvorsitzende, das gesellschaftliche Umfeld und die Stärken und Schwächen der Landwirtschaft analysiert. Der Prozess wurde von einem externen Dienstleister begleitet.

Das Ergebnis ist die „Offensive Nachhaltigkeit: Im Rahmen der Initiative sollen die landwirtschaftlichen Betriebe auf den vier Handlungsfeldern „Schweine- und Geflügelhaltung“, „Rinderhaltung“, „Umwelt & Pflanzenbau“ sowie „Soziales & Gesellschaft“ konkrete Projekte anpacken mit dem Ziel, die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung wieder herzustellen.

Das sind die Projektziele

  • Schweinehaltung: innerhalb von fünf bis zehn Jahren sollen mindestens 20 % der Betriebe Schweine mit Ringelschwanz halten.
  • Rinderhaltung: zwischen 2026 und 2030 sollen die Hälfte der Rinder genetisch hornlos sein. Die Zahl der Tiere mit Weidegang soll 2026 um 20 % über dem Niveau von 2017 liegen.
  • Strategisches Ziel ist, auf das routinemäßige Kürzen von Ferkelschwänzen und das Enthornen von Rindern zu verzichten.
  • Pflanzenbau: Punkteinträge von Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen sollen vermieden werden.
  • Das Handlungsfeld „Soziales“ sieht eine verstärkte Nachwuchsförderung im Betrieb und Verband vor. Für jeden Betrieb soll ein qualifizierter Nachfolger gefunden werden. Das Durchschnittsalter in den WLV-Gremien soll sinken.

Kritische Reflexion

Röring analysierte die Ausgangslage selbstkritisch: „Wir müssen uns ändern, weil wir als Berufsstand durch die Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden. Wir müssen uns ändern, weil unser bisheriges Wachstum betrieblich und in den Familien an Grenzen stößt. Wir müssen uns ändern, weil wir die Erwartungen unserer Kunden nicht immer ausreichend erfüllen und weil wir manches Fehlverhalten innerhalb unseres Berufsstandes nicht mehr tolerieren wollen.“

Fortschritt soll überprüft werden

Henner Braach

WLV-Vizepräsident Henner Braach wies darauf hin, dass die in der Fokusgruppe vereinbarten Ziele, Projekte und Zeiträume teilweise lange und ausgiebig diskutiert worden seien. Für jede Entscheidung habe es mindestens 80 % Zustimmung unter den Mitgliedern bedurft. Die Offensive sei ein offener Prozess, in den weitere Ziele und Leitprojekte aufgenommen werden könnten „und vielleicht auch aufgenommen werden müssen.“

Der Fortgang der Bemühungen soll laut Braach in kleinen Arbeitsgruppen regelmäßig kontrolliert werden. Ab 2017 will der WLV jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen.

Lebhafte Diskussionen erwartet

Röring teilte mit, dass die Verbandsinitiative in den Wintermonaten in allen 550 Ortsverbänden präsentiert und ausführlich diskutiert werde. Er erwartet lebhafte Diskussionen. „Einige werden uns den Vogel zeigen, das ist doch klar“, so Röring wörtlich. Er ist aber zuversichtlich, dass die breite Masse der Mitglieder dem Kurs folgen wird.

„Viele Betriebsleiter haben kein gutes Gefühl dabei, ständig von der Gesellschaft kritisiert zu werden; das drückt sie mehr, als die ärgsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, sagte der WLV-Präsident. Er spürt in den landwirtschaftlichen Familien ein großes Bedürfnis, in ihrem Umfeld wieder Anerkennung zu finden.

Die Vision des WLV für 2030 lautet: „Zwischen den Bauernfamilien und der Bevölkerung ist neues, wechselseitiges Verständnis gewachsen. Die Nutztierhaltung und der Umgang der Bauern mit Boden, Wasser und Luft finde breite Zustimmung. Die große Mehrheit der Gesellschaft steht zur landwirtschaftlichen Praxis auf den Höfen in Westfalen-Lippe. Dieser Wandel ist erreicht worden durch die innere Bereitschaft und den Mut der bäuerlichen Familienbetriebe zur Veränderung – im Denken wie im Handeln."

Hier können Sie die Handlungsfelder der WLV-Offensive Nachhaltigkeit im Original nachlesen:

Handlungsfelder der WLV-Offensive Nachhaltigkeit

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