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Koalitionsverhandlungen 2021

Zukunft Landwirtschaft: Was junge Landwirte und Umweltschützer eint

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am Freitag, 05.11.2021 - 08:00 (5 Kommentare)

In einem gemeinsamen offenen Brief wenden sich junge Landwirte und junge Umweltschützer an die Unterhändler der Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP. Was fordern die Jungendvertreter in der Agrar- und Umweltpolitik?

Der Konsens, den Agrar- und Umweltverbände in der Zukunftskommission Landwirtschaft gefunden haben, hält weiter an. In einem gemeinsamen offenen Brief wenden sich der Bund der deutschen Landjugend, die BUNDjugend, Junges Bioland, die Naturschutzjugend und weitere Jugendverbände (siehe unten) an eine möglicherweise nächste Bundesregierung unter Führung einer Ampelkoalition aus SPD, Bündnis 90 - Die Grünen und FDP. Das Schreiben, das agrarheute vorliegt, richtet sich an die führenden Unterhändler der Koalitionsverhandlungen im Agrarbereich. Die Unterzeichner des offenen Briefes verweisen auf die anhaltend hohen Zahlen aufgebender landwirtschaftlicher Betriebe, Verluste bei der Artenvielfalt und die voranschreitende Klimakrise. Sie fordern, das „Landwirtschafts- und Ernährungssystem in Deutschland und Europa im Sinne unserer Generation zukunftsfähig zu machen“.

Am wichtigsten: Planungssicherheit und Perspektiven

Die jungen Landwirte und Umweltschützer fordern Planungssicherheit und Perspektiven für die Landwirte. Wichtig dafür seien insbesondere faire Erzeugerpreise, aber auch faire Bedingungen in der Lebensmittelwertschöpfungskette. Die Diversifizierung von Betrieben müsse „politisch begleitet“ werden und zum Aufbau neuer, klimafreundlicher Betriebszweige ermutigen.

Mehr Klimaschutz bei Mooren, Düngung und in der Tierhaltung

Damit die Landwirtschaft ihren Beitrag zu den Klimazielen von Paris leisten könne, müsse die nächste Bundesregierung „Wege zu sofort wirksamen Klimamaßnahmen aufzeigen“. Konkret nennt das Schreiben Anreize für die Wiedervernässung von Mooren und die Reduzierung von Stickstoff. Die Unterzeichner sind sich einig, dass der Konsum tierischer Erzeugnisse sinken müsse. Tierhaltern müssten dabei geeignete Pfade zur Umstellung aufgezeigt und diese politisch gestützt werden. Der Umbau der Tierhaltung solle „schleunigst vollzogen und gefördert“ sowie durch Beratung und finanzielle Unterstützung begleitet werden. Die Tierhaltung „sollte an die Fläche gebunden und Tiere mit hofeigenen oder regionalen Futtermitteln versorgt werden“, betonen die Unterzeichner des offenen Briefes.

Artenvielfalt: Weniger Flächenverbrauch, vernetzte Lebensräume und mehr Geld für Kooperationen

Um die Artenvielfalt im Lande zu schützen, müsse der Flächenverbrauch reduziert, der Anteil an Dauergrünland erhöht und mehr vernetzte Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen werden. Außerdem müsse der Einsatz von chemisch-synthetischem Pflanzenschutz durch die Entwicklung und Anwendung von Alternativen vorangetrieben werden. Gezielte Förderung brauche es für regionale Kooperationen zwischen Landwirten und anderen gesellschaftlichen Akteuren zum Schutze der Biodiversität.

Kennzeichnungspflicht für nachhaltige und regionale Lebensmittel

Nachhaltig produzierte Lebensmittel müssen verständlich und verbindlich als solche gekennzeichnet werden, so die Jugendorganisationen. Eine eindeutige Herkunftskennzeichnung für Produkte könne außerdem dazu beitragen, regionale Produktions-, Verarbeitungs- und Konsumstrukturen zu stärken. Zusätzlich müssten alternative Vermarktungsformen für regionale Produkte gestärkt und kleine und mittlere Unternehmen bei der Bürokratie entlastet werden. Im Bereich der umweltfreundlichen Ernährung sollen Einrichtungen der öffentlichen Hand attraktive Optionen anbieten. Der Mehrwertsteuersatz für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte solle gesenkt und Bildungsangebote ausgebaut werden.

Ökolandbau: Bis zu 25 % in 2030

Die Jugendorganisationen unterstützen das Ziel der Bundesregierung, den Ökolandbau in Deutschland auf 20 % im Jahr 2030 auszuweiten. Sie gehen sogar darüber hinaus, in dem sie von „20 bis 25 %“ sprechen. Dafür brauche es entsprechende Rahmenbedingungen und finanzielle Förderung. Auch hier sei die öffentliche Hand aufgefordert, in Schule, Mensen und Bundeskantinen deutlich mehr ökologische Lebensmittel anzubieten. Außerdem brauche es mehr Forschungsmittel für Ökolandbau und nachhaltige Landwirtschaft.

EU-Agrarförderung auf den Prüfstand

Einig sind sich die Unterzeichner, dass öffentliche Mittel für öffentliche Leistungen genutzt werden sollen. Gemäß den Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft sollen flächengebundene Direktzahlungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik in den nächsten zwei Förderperioden ab 2023 umgewandelt und für von der Landwirtschaft erbrachte gesellschaftliche Leistungen verwendet werden. Im Jahr 2024 sollen außerdem sämtliche Öko-Regelungen und Agrarumwelt - und Klimaßnahmen auf den Prüfstand: Geprüft werden soll, ob sie ökologische und soziale Ziele erreichen und für Landwirte attraktiv sind.

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Jugendförderung

Um landwirtschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen, fordern die jungen Landwirte und Umweltschützer, die Beratung rund um Hofübernahme und „Zukunftsfähigkeit der Betriebe“ auszubauen. Dies könne durch eine Niederlassungsprämie für Junglandwirte unterstützt werden. Außerdem solle der Zugang zu Boden für junge Landwirtinnen und Landwirte erleichtert werden. Daneben müsse auch der Rahmenlehrplan des Bundes für die Berufsausbildung der Grünen Berufe überarbeitet werden und Zukunftsthemen wie ökologischer Landbau, regenerative Landwirtschaft, Biodiversität, Direktvermarktung, Klimaschutz und Tierwohl zentral verankern. Schließlich sollten Jugendverbände bei Landwirtschafts- und Ernährungspolitik „in bestehende Partizipationsräume eingebunden werden“.

Wer sind die unterzeichnenden Verbände?

Den gemeinsamen Brief unterzeichnet haben der Bund der Deutschen Landjugend (BDL), die Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUNDjugend), die Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL), die Junge Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (jAöL), Junges Bioland, das Bündnis junge Landwirtschaft, die Naturschutzjugend im NABU (NAJU), die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB), das Junge Netzwerk - Die Freien Bäcker, der Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN), die WWF Jugend und die Slow Food Youth Deutschland.

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