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Zukunftskommission Landwirtschaft: Alte Feinde zu neuen Partnern?

Zukunftskommission-Landwirtschaft-Angela-Merkel
am Dienstag, 06.07.2021 - 05:30 (Jetzt kommentieren)

Heute wird der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Das Gremium hat etwas geschafft, das so nicht zu erwarten war: Eine Annäherung von Agrar- und Umweltseite. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Seit die Zukunftskommission Landwirtschaft am 30. Juni 2021 ihren Abschlussbericht vorgelegt hat, ist einiges passiert: In den Medien sind auf einmal viele gemeinsame Botschaften von Vertretern der Umwelt- und Agrarseite zu hören. Möglich gemacht hat die Zukunftskommission Landwirtschaft dieses kleine Wunder, indem sie eine Rolle als fairer Makler eingenommen und in fachlicher Arbeit Gemeinsamkeiten ausgelotet hat.
Porträt von Simon Michel-Berger

Es gibt Landwirte, die sagen, dies sei nur möglich, weil die landwirtschaftlichen Organisationen sich über den Tisch haben ziehen lassen. Es gibt die Umweltaktivisten von Greenpeace, die sich aus der Zukunftskommission Landwirtschaft zurückgezogen haben und lieber auf spektakuläre Stunts setzen – auch wenn sie, wie bei der Fußball-EM, damit Menschen gefährden – als inhaltlich etwas beizutragen. Beide Gruppen sind, meiner Meinung nach, im Unrecht. Wer einen Satz finden will, an dem man Anstoß nehmen kann, wird diesen im Abschlussbericht wahrscheinlich finden. Doch wer das große Ganze liest, wird erkennen, wie ausgewogen der Bericht der Zukunftskommission Landwirtschaft letztlich ist.

Warum alte Feinde zu neuen Partnern werden können

Die Landwirtschaft hat momentan die Chance, endlich aus dem Fadenkreuz der Umweltaktivisten herauszukommen. Ja, sie musste dafür von einigen ihrer Maximalforderungen abrücken. Aber die andere Seite musste das auch. Viele Details zur Umsetzung der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft sind selbst nach Veröffentlichung des Abschlussberichts noch offen. Sie müssen von der Politik im Rahmen der nächsten Koalitionsverhandlungen geklärt werden.
Doch zum ersten Mal gibt es einen Plan, wie wir die Landwirtschaft modernisieren können, ohne gleich wieder in die nächste Nachforderung von Aktivisten zu stolpern. Das ist die große Leistung der Zukunftskommission Landwirtschaft. Dieser Weg erfordert Vertrauen und Offenheit auf allen Seiten, aber er ist es wert, versucht zu werden. Wenn Umweltschützer und Landwirte nicht länger als Feinde, sondern als Partner wahrgenommen werden, wäre das eine unschätzbar wertvolle Investition in die deutsche Agrarbranche. Mag sein, dass dieser Prozess noch irgendwann scheitert. Aber wenn man es nicht versucht, dann ist das Scheitern zwangsläufig.

Warum alte Partner zu neuen Feinden werden können

Wer seitens der Landwirtschaft überlegt, was denn die Umweltseite davon hat, hier den Weg der Zukunftskommission Landwirtschaft ehrlich und offen zu begleiten, der denke an die wirtschaftliche Entwicklung: Die Bauern werden immer weniger und die Tierzahlen auch. Eine immer kleinere Gruppe von Menschen, selbst wenn sie den wirtschaftlich hoch attraktiven Grund und Boden besitzt, kann irgendwann nicht mehr glaubhaft für so viele Übel der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden. Am Horizont zeichnet sich bereits ab, wer die neuen Feinde der Umweltseite sein könnten. Eine kleine, nicht abschließende Auswahl:
  • Die Flugreisenden – vor allem die Vielflieger – und die Unternehmen, welche sie in die Luft bringen.
  • Die Hersteller und starken Nutzer von Plastik, nicht nur wegen dessen Produktion aus Erdöl, sondern auch wegen langfristigen Auswirkungen, etwa durch Mikroplastik in Meeren und Böden.
  • Die Einfamilienhausbesitzer, welche gestern noch die Umweltschützer vor Ort unterstützt haben, um die Umgehungsstraße oder das Windrad in ihrer Nachbarschaft zu verhindern, die aber morgen stigmatisiert werden, weil sie zu viel Fläche, Baustoffe und Energie verbrauchen.
Niemand kann gegen die ganze Welt auf einmal kämpfen. Deswegen hat die Umweltseite ein Interesse daran, sich mit der Landwirtschaft auszusöhnen. Rund um den Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft ist die Chance der Landwirte, weiter an dieser Aussöhnung zu arbeiten. Denn auch die Bauern haben neue Verbündete dringend nötig.
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