Login
Boden

8 Tipps für mehr Bodenschonung und weniger Bodendruck

Güllefass
Thumbnail
Andreas Holzhammer, agrarheute
am
20.03.2018

Boden schonend zu arbeiten bedeutet nicht nur den Reifendruck anzupassen. Mit unseren Tipps halten Sie Ihren Boden dauerhaft in einem guten Zustand.

Die Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion sind unsere Böden. Die Landtechnikhersteller nehmen jedes Jahr viel Geld in die Hand, um noch professionellere, neue Maschinen zu entwickeln. Das Resultat sind noch größere und leistungsfähigere Fahrzeuge, die allerdings meist auch schwerer sind. Besonders bei den Traktoren ist die PS-Leistung ständig gestiegen und damit meist auch das Gewicht. So kann man noch leistungsfähigere Anbaugeräte einsetzen. Aber der Boden gerät sprichwörtlich noch stärker unter Druck.

Damit der Boden keine (allzu großen) Schäden nimmt, sollten folgende bodenschonende Maßnahmen beachtet werden.

1. Befahren zu feuchter Böden vermeiden

Immer mehr PS unter dem Fahrersitz ermöglichen das Arbeiten in zum Teil feuchten oder schon nassen Feldern, wo dies früher technisch gar nicht möglich war. Wichtig: Warten Sie eine ausreichende Abtrocknung des Bodens ab! Zur Kontrolle ist die Spatenprobe geeignet. Es schadet nicht, vom Traktor abzusteigen und ins Feld zu laufen. Klebt der Boden an den Arbeitsschuhen, ist der Boden zu nass.

2. Bodentragfähigkeit verbessern

Mit einer ausgewogenen Fruchtfolge und mit der Durchführung gefügestabilisierender und -verbessernder Maßnahmen können Sie die Bodenstruktur verbessern. Dazu zählen

  • organische Düngung
  • regelmäßige Kalkung
  • Zwischenfruchtanbau
  • Humusaufbau

3. Bodendruck schon beim Maschinenkauf berücksichtigen

Schon beim Kauf von Landmaschinen sollte die bodenschonende Bereifung eine zentrale Rolle spielen. Dabei muss der Hersteller die für die Bodenbeanspruchung maßgeblichen Fahrzeug- und Reifendaten (Radlast, Stützlast, erforderlicher Reifeninnendruck für unterschiedliche Bereifungs- und Ausstattungsvarianten, Überrollmuster) in der Maschinenbeschreibung offenlegen. Nur so kennt man je nach Maschinen- und Gerätekombinationen die wahren Lasten im praktischen Einsatz.

4. Alternative Bearbeitungsmethoden erwägen

Fahrgassensysteme verringern die Bodenbelastung auf Teilbereichen des Ackerschlages. Dabei sollte man sie so breit anlegen, dass bodenschonende Reifen eingesetzt werden können. Durch GPS-gestützte Parallelfahreinrichtungen ist es möglich, einmal festgelegte Fahrgassen jedes Jahr wieder zu finden und zu benutzen (Controlled Traffic Farming).

Die konservierenden Bodenbearbeitung verhindert die Entstehung einer oft schädlichen Pflugsohle. Sie soll die Stabilität des Bodengefüges allgemein verbessern, sodass mechanische Belastungen besser aufgefangen werden können. Und schließlich soll das Onlandpflügen den Unterboden schonen, weil alle Traktorräder auf der Bodenoberfläche fahren.

5. Radlasten reduzieren - aber richtig

Sie können die Radlast durch Verringerung des Leer- und Ladungsgewichts oder durch eine Erhöhung der Aufstandsfläche bzw. Achsenanzahl reduzieren. Dabei führt eine sehr hohe Radlast bei vergleichsweise kleiner Kontaktfläche (Reifenaufstandsfläche) zu einem hohen Bodendruck an der Oberfläche und auch zu einer starken Tiefenwirkung.

Seit Jahren gibt es in der Praxis Lösungsansätze, die Kontaktfläche zu vergrößern: zum Beispiel durch den Einsatz von Reifendruckregelanlagen und von Breit- und Terrareifen, Zwillingsreifen, Gitterrädern oder Bandlaufwerken (Raupen). Dabei ist zu beachten, dass eine Erhöhung der Radlast nur durch überproportionale Vergrößerung der Kontaktfläche kompensiert werden kann.

6. Reifeninnendruck anpassen

Moderne Radialreifen ermöglichen bei geringen Geschwindigkeiten eine hohe Tragfähigkeit mit niedrigem Reifeninnendruck und damit großer Reifenaufstandsfläche. Hier bieten die Reifenhersteller bereits ein breites Sortiment an Reifen, die mit sehr geringem Luftdruck im Feld gefahren werden können. Folgende Reifeninnendrücke sollten laut VDI-Richtlinie 6101 "Maschineneinsatz unter Berücksichtigung der Befahrbarkeit landwirtschaftlicher Böden" nicht überschritten werden:

  • 1 bar auf gelockertem oder feuchtem Acker
  • 2 bar auf abgesetztem oder trockenen Boden

Reifendruckregelanlagen machen vor allem dann Sinn, wenn oft zwischen Straßen- und Feldfahrten gewechselt wird. Typisches Beispiel hierfür ist die Gülleausbringung.

7. Überfahrten reduzieren

Ebenfalls wissenschaftlich erwiesen ist die negative Auswirkung von Überrollhäufigkeit und Belastungsdauer: Denn häufiges Überrollen und lange Belastungen erhöhen das Verformungsrisiko. Überfahrten können Sie einsparen, indem sie zum Beispiel Arbeitsgänge kombinieren.

Zudem sollte schwere Transporttechnik nicht auf dem Acker abgestellt werden. Versetzte Achsen oder Dreiräder vermindern ebenfalls die Überrollhäufigkeit von Spuren. Das haben die Hersteller von Selbstfahrern schon in vielen Bereichen umgesetzt (Rüben- und Kartoffelroder, Gülle-Selbstfahrer etc.).

8. Schlupf minimieren

Im Acker oder auf der Wiese spielt der Schlupf eine wichtige Rolle: Allradantrieb, Differenzialsperren, große Kontaktflächen bzw. geringer Reifeninnendruck, optimale Ballastierung sowie effizientere Zugkraftübertragung reduzieren das Schlupfrisiko. Dabei verringern zapfwellengetriebene Werkzeuge den Zugkraftbedarf.

Hohe Reifenstollen bringen im Acker gute Traktion, aber sie begünstigen auch Scherungen an der Wiesenoberfläche. Positiv sind hier spezielle Grünlandreifen, um die Grasnarbe besser zu schonen.

Mehr Tipps zum bodenschonenden Einsatz von Landmaschinen finden Sie im DLG-Merkblatt 344:

Agritechnica 2017: Das sind die Neuheiten für die Bodenbearbeitung

Horsch Cruiser XL
Kuhn Smart Ploughing
Lemken Azurit DeltaRow
Amazone Ceus
Kerner Helix
Väderstad Carrier CrossCutter-Disc
Köckerling Rebell Profiline
Dal-Bo MaxiCut
Smart4Grass
Kverneland Optima SX
Horsch RowControl
Amazone Centaya Super
Auch interessant