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Ratgeber Getreideernte

Mähdrescher richtig einstellen: Ohne Verluste messen geht es nicht!

Mähdrescher mit Verlustschalen bei der Getreideernte
am Donnerstag, 21.07.2022 - 09:31 (1 Kommentar)

Wann sind die Kornverluste zu hoch und wie messe ich sie richtig? Unsere 9 Tipps sind die Grundlage für richtig eingestellte Mähdrescher und damit auch für eine verlustarme und frustfreie Getreideernte.

Kornverluste während der Ernte zu messen, war noch nie sehr beliebt. Anders als viele denken, wird es aber immer wichtiger, Verluste zu messen. Immer häufiger leiten Assistenzsysteme auf modernen Mähdreschern die Fahrer durch die Einstellungen rund um Trommeldrehzahl, Korbabstand, Wind und Siebstellung und helfen so, den Drescher auszulasten. Stimmt die Verlustanzeige im Terminal nicht mit der Realität hinter dem Mähdrescher überein, regelt die Elektronik mit falschen Annahmen. Der Fahrer drischt mit einem guten Gefühl, aber mit hohen Verlusten.
Die Verlustsensoren sind eigentlich dumme Bauteile. Poltert ein Korn gegen die empfindliche Sensorleiste unter der Strohhaube, erkennt der Klopfsensor ein Verlustkorn. Ob es wirklich ein Getreidekorn oder ein Halmknoten war, weiß er nicht. Wer eine Schale wirft und die Verlustanzeige damit kalibriert, stellt die Empfindlichkeit des Sensors ein.

Tipp 1: Das eigenen Verlustziel kennen und darüber reden

Weniger Verluste sind immer besser! Das stimmt meistens, aber nicht für den Mähdrusch. Auch wenn die 1-Prozent-Verlustmarke als allgemeingültiges Ziel anerkannt ist, sollte jeder Betrieb sein eigenes Verlustziel kennen. Nach der Ernte sehen grüne Streifen mit aufgelaufenen Verlustkörnern nicht hübsch aus und auch wenn sich der Nachbar darüber lustig macht: Sie sagen erst einmal nichts darüber aus, ob der Mähdrescher richtig eingestellt war. Beispielsweise bringt ein 9-m-Schneidwerk mit 1 Prozent Verlusten bei 75 dt/ha Ertrag etwa 85 kg/ha an Verlustkörnern aus – das entspricht in etwa der halben Saatstärke! Lässt das Regenradar nichts Gutes erahnen, sind Verluste über 1 Prozent eher zu tolerieren als Trocknungskosten zu riskieren. Auch kann es wirtschaftlich sein, Brotweizen mit hohen Verlusten sicher zu dreschen, als Futterweizen zu vermarkten. Sein eigene Verluststrategie zu kennen ist also wichtig. Und: Man darf sie nicht für sich behalten, sondern muss sie seinen Fahrern oder seinem Lohnunternehmer erklären – vor Erntebeginn!

Tipp 2: Verlustschalen nutzen

Verluste zu messen, klingt einfach: gucken, was hinten an Körnern rauskommt. Das Stroh im Schwad zur Seite zu schieben und mit einem prüfenden Blick die Verluste zu schätzen, reicht nicht aus. Manche fahren neben dem Mähdrescher und hören am Klackern der Körner gegen die Autotür, wie hoch die Verluste sind. Wem solche vagen Aussagen nicht genügen, der muss wiederholbar messen. Dafür gibt es ein Hilfsmittel: mit Schalen die Körner auffangen.
Viele Anbieter von solchen Verlustschalen gibt es nicht. In Deutschland sind hauptsächlich zwei Produkte auf dem Markt. Die Schalen von Feiffer consult (www.feiffer-consult.de) und das Set von Bushel plus aus Kanada, das Geiger agri solution vertreibt (www.geigeras.com). Die Verlustschalen von Feiffer (ab 108 Euro) zählen über das Volumen oder man muss die Körner wiegen, Bushel Plus mit seinen Metallschalen wiegt immer. Für den Einsatz in Raps bietet Bushel Plus eine schmälere Verlustschale, die sich zwischen die Stoppeln drückt.

Tipp 3: Schalen sicher aufstellen

Der Strohhäcksler verteilt Stroh und Verlustkörner auf nahezu der gesamten Schneidwerksbreite. Hier zu messen, bringt mehr Fehler. Am einfachsten misst man die Verluste bei Schwadablage. Wenn möglich sollte der Spreuverteiler ausgeschaltet sein, damit auch die Verlustkörner aus der Reinigung im Schwad landen. „Werfe mal eine Schale“, heißt es und meint, dass während der Mähdrescher erntet, eine weitere Person nebenherläuft und die Verlustschale zwischen Vorder- und Hinterachse des Mähdreschers wirft. Das hat einige Nachteile: Es ist eine sehr staubige Angelegenheit und eine gefährliche ohnehin.
Sicherer ist es, die Schale im stehenden Bestand zu platzieren. Der Mähdrescherfahrer muss die Stelle kennen und das Schneidwerk kurz anheben, wenn er mittig über die Schale fährt. Kritiker behaupten jedoch, dass ein angehobenes Schneidwerk bereits das Messergebnis verfälschen kann.

Tipp 4: Sicher Abwerfen statt schmeißen

Eleganter, sicher und genauer geht es mit einem Abwurfsystem. Elektromagnete halten die Schalen unter dem Mähdrescher und am Schneidwerk. Per Taste oder Funk gibt der Fahrer das Signal und wirft sie ab. Feiffer macht das kabelgebunden oder mit einem Handsender (Set mit Schale, Abwurfeinrichtung und Gebläse ab 1.290 Euro). Bushel plus entriegelt die Schale per WLAN und Smartphone oder per Handsender und lässt sie auf den Boden fallen (Set mit zwei Schalen, Abwurfeinrichtung und Schutzschirm ab 1.350 Euro). Die Halterungen für die Schalen unter dem Mähdrescher und am Schneidwerk müssen nicht gebohrt und angeschraubt werden, sondern hängen an Dauermagneten.

Tipp 5: Pusten oder Gebläse nutzen

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Sind die Schalen gefüllt, geht es an die unschöne Arbeit: Kaff, Stroh und alles, was kein Korn ist, muss runter von der Schale. Und das möglichst so behutsam, dass sich kein Korn unbeachtet durchmogelt. Mit Fingerspitzengefühl und viel Puste klappt es, Halme, Grannen und Samenhüllen auszusortieren.

Komfortabler und schneller machen das Reinigungsgebläse (ab 570 Euro). Der Inhalt der Schale wird auf ein feines Sieb in das Gebläse geschüttet. Ein Akku treibt eine kleine Turbine an und pustet die Nicht-Korn-Bestandteile weg. Die Windstärke lässt sich einstellen und zum Schluss bleiben nur noch die Körner auf dem Sieb übrig. Clevere Landwirte haben sich so ein Gebläse auch schon aus einem orangenen KG-Abwasserrohr (T-Stück) und einem Küchensieb gebaut.

Mähdrescher: Wie Sie Verlustschalen bei der Ernte richtig einsetzen

Tipp 6:Körnerverluste ab in die App

Sowohl Feiffer als auch Bushel Plus bieten kostenlose Apps für die Smartphone-Betriebssysteme iOS und Android an. Die Bushel-Plus-App lässt sich nur mit einer Seriennummer der Schale nutzen. Nach der Eingabe der Werte zeigen die Apps die Verluste in Prozent, kg/ha und Euro/ha.
Wichtig: Die Apps sind kein Muss und so etwas wie ein praktischer Taschenrechner. Schale abfotografieren, um die Körnerverluste angezeigt zu bekommen – so einfach geht es leider noch nicht. Um Verluste zu messen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, benötigt man folgende Daten:
  • Schneidwerksbreite/Kanalbreite
  • Strohablage (Schwad/Häcksler)
  • Kultur und Tausendkorngewicht
  • durchschnittlicher Ertrag der Fläche
  • erwarteter Verkaufspreis

Tipp 7: Sensor kalibrieren

Die Schale ist gefüllt und die Körner sind gewogen. Und dann? Jetzt muss die Anzeige im Drescher neu kalibriert werden. Letztendlich ist das die Einstellung, wie empfindlich der Klopfsensor arbeitet. Nach der Kalibrierung muss die Anzeige nochmals mit den Verlustschalen geprüft werden.
Wichtig: Der Mähdrescherfahrer muss, während er über die Verlustschalen fährt, die Verlustanzeige im Blick haben. Nur so kann er sagen, ob die gemessenen Verluste mit den angezeigten Verlusten übereinstimmen oder ob er nach unten oder oben korrigieren muss.

Tipp 8: Bruchkorn - mehr kaputte Körner als man sieht

Kornverluste, die hinten aus dem Drescher kommen, sind nur ein Verlustfaktor. Was ist mit den Körnern, die angeschlagen werden und Bruchkorn verursachen? Als Faustformel gilt, dass dieselbe Menge an Bruchkorn im Tank auch auf den Acker gepustet wird. Häufig ist es nicht zu erkennen, weil es besonders kleine Teilchen sind. Bushel plus bietet zur Prüfung eine Schüttelbox an. Mit unterschiedlichen Locheinsätzen lässt sich damit der Bruchkornanteil im Korntank besser bewerten.

Da sich die Druschbedingungen über den Tag ändern, müssen sich auch die Einstellungen am Mähdrescher ändern. Unsichere Fahrer belassen es bei den Werten, mit denen sie morgens gut gestartet sind. Verluste sollte man aber morgens, in der Hitze mittags und in den Abendstunden, wenn es feuchter wird, messen.

Tipp 9: Fahrerschulung

Die Verlustanzeige in der Kabine passt, doch die Verluste sind zu hoch? Reflexartig langsamer zu fahren und den Korbabstand zu verringern, ist manchmal, aber auf keinen Fall immer richtig! Im Gegenteil: Rotordrescher brauchen genügend Futter, um verlustarm und schonend dreschen zu können. Hier hilft eine gute Fahrerschulung oder das Assistenzsystem auf den neuen Mähdreschern. Die funktionieren dann gut, wenn die Verlustanzeige richtig eingestellt ist.

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