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Ackerbau

Im Dauertest: Pflanzenschutzspritze John Deere M740i

von , am
09.10.2014

Fünf Wochen lang hatten Redakteure der dlz die Pflanzenschutzspritze John Deere M740i auf einem Betrieb mit 1.500 Hektar im Einsatz. Stärken und Schwächen, die der Dauertest gezeigt hat, finden Sie hier.

Die John Deere M740i wurde auf dem dlz-Testbetrieb vor allem für den Pflanzenschutz auf den Kartoffelschlägen eingesetzt. © Fischer/dlz
Ausgelegt ist die Anhängespritze John Deere M740i für wachsende Betriebe. Das dlz-Testteam hat das Gerät technisch mit allen Details ausgestattet, damit sie für die Anforderungen beim Einsatz auf rund 250 Hektar (ha) Kartoffeln fit ist. Dazu gehören Funktionen wie
  • eine Deichselsteuerung,
  • das Bedienzentrum mit Green- Star-3-2630-Display sowie
  • eine Menge an Bedienungs- und Einsatzmöglichkeiten für Sensortechnik dank der optionalen ISOBUS- Ausstattung
Die Testmaschine M740i unterscheidet sich nur noch marginal von der größeren M900i-Baureihe, die vor allem mit größeren Tankvolumina punkten kann.
 
Gute Straßenlage durch niedrigen Schwerpunkt und Gewichtsverteilung
 
Einmal über den K80-Kugelkopf mit dem Schlepper verbunden, wurde die Anhängespritze über den gesamten Testzeitraum nicht mehr abgehängt. Ein erstes Testkriterium war die Straßenlage des Gespanns. Bis zu 50 km mussten auf der Straße zurückgelegt werden, um die Kartoffelflächen zu erreichen. Die Pflanzenschutzspritze M740i liegt selbst mit vollem Brühebehälter und einer Fahrgeschwindigkeit von 40 km/h gut auf der Straße. Dabei lässt sie sich leicht ziehen. Dazu tragen sowohl der niedrige Schwerpunkt als auch die günstige Gewichtsverteilung bei. Die wartungsfrei gefederte Zweilenkerachse schluckt wirksam Stöße von unebenen Straßen und schont das Gestänge, das zudem über eine Transportsicherung, einer Ablage des Gestänges auf Rollen, gesichert wird.
 
Um das Spritzgestänge bei der Fahrt vor Schmutz zu schützen, wurde beim Dauertest auf die Kotflügel geachtet: Bei normaler Verschmutzung der Reifen fangen diese die abfallende Erde gut auf; bei starker Verschmutzung fliegt aber doch der ein oder andere Erdklumpen in Richtung Gestänge. Eine Beeinträchtigung der Düsen oder gar eine Beschädigung konnte das dlz-Testteam aber nicht feststellen.

Gestängeführung und Standsicherheit überzeugen

Das 27-m-Gestänge ist dreifach geklappt und in neun Teilbreiten à 3 m unterteilt. Das äußerste Segment kann nach hinten, vorne und sogar oben ausweichen (Anfahrtschutz). © Fischer/dlz
Bei der M740i wird auf eine teure Achsschenkellenkung verzichtet, was aber keinen Grund für Beanstandungen liefert: Gestängeführung und Standsicherheit haben auf 1.500 ha Versuchsfläche überzeugt. Obwohl sich bei Kurvenfahrt der Schwerpunkt nach außen verlagert, gab es nie die Befürchtung, dass die Spritze kippen könnte. Durch die beiden Sensoren an der Deichsel sowie die beiden Zylinder zur Anlenkung der Deichsel folgt das Pflanzenschutzgerät dem Schlepper im automatischen Modus vor allem bei der Kurvenfahrt im Vorgewende sehr gut.
 
Multifunktionshebel überzeugt an Hanglagen
 
Für Rückwärtsfahrten empfiehlt das Testteam der dlz den manuellen Fahrmodus. An Hanglagen konnte die Lenkung problemlos am Multifunktionshebel übersteuern. Das Ein- und Ausschalten der automatischen Steuerung erfolgt über das Vorgewendemanagement HMS. Die Schwingungsübertragung beim Einknicken wirkt sich kaum erkennbar auf das Gestänge aus, das ruhig über dem Bestand geführt wird. Eine genaue und dosierte Ausbringung ist auch unter diesen Bedingungen möglich.

Hydraulische Regelung mit Ultraschallsensoren hält Gestänge stabil

BoomTrac hält bei der John Deere M740i die eingestellte Höhe und Neigung vom Gestänge zur Bestandsoberfläche. Hierzu wird eine hydraulische Regelung mit Ultraschallsensoren eingesetzt. Ziel ist es, mit möglichst wenig Abstand zur Zielfläche zurecht zu kommen, um die Abdrift der Spritzbrühe zu minimieren und trotzdem eine optimale Benetzung der Blattoberfläche zu erreichen. Vorsicht ist geboten, wenn einzelne Blattflächen nach unten wegbrechen. Dann besteht bei geringem Abstand die Gefahr, dass sich das Gestänge aufschaukelt und in den Blattbestand eintaucht. Abhilfe wird durch die richtige Ausrichtung der Ultraschallsensoren nach vorne geschaffen.
 
Die automatische Teilbreitenschaltung (Section Control) gehört heute schon fast zur Serienausstattung. Die M740i verfügt über neun Teilbreiten à 3 m. Über die GPS-Steuerung lassen sich die Teilbreitenventile automatisch ein- und ausschalten, sobald Feldgrenzen oder bereits behandelte Flächen erreicht werden. Die beiden äußeren Segmente können zudem separat geklappt werden, um Hindernissen wie Strommasten oder am Feldrand Bäumen und Sträuchern auszuweichen. Für die Behandlung der Kartoffeln war es auf dem Testbetrieb zudem wichtig, dass durchgehend mit den beidseitig installierten Weitwurfdüsen gearbeitet werden konnte (keine Fehlstellen durch Reihenabstand).
 
John Deere installiert eine Ringleitung für die Spritzbrühe. Über die gesamte Arbeitsbreite wird die Hauptdüsenleitung geführt, an der die 5-Fach-Düsenhalter angebracht sind, sodass alle Teilbreiten mit Wirkstoff versorgt werden. Selbst bei geschlossenem Masterventil erfolgt eine Dauerzirkulation in alle Segmente um im Bestand schnell mit der Spritzung beginnen zu können. Für den Durchfluss sorgt eine Pumpe mit einer Förderleistung von 280 l/min. Bei Standardspritzungen reicht diese vollkommen aus um die 200 l Spritzbrühe pro Hektar bei 12 km/h auszubringen. Beim Abspritzen von Kartoffelkraut (Ausbringmenge 500 l/ha bei 10 km/h) wird sie jedoch an ihre Grenzen stoßen.

Runder Tank beugt toten Ecken vor und bringt gute Rührwirkung

Der Siebeinsatz kann mit wenigen Handgriffen herausgenommen werden, sodass man einen Blick ins Behälterinnere werfen kann. © Fischer/dlz
Auffällig bei der M740i ist die runde Form des Tanks ohne Ecken und Kanten - sowohl außen als auch innen. Schwallwände und tote Ecken sucht man im Brühetank der Anhängespritze vergebens. Dadurch wird in dem Polyethylenbehälter eine gute Rührwirkung erzielt, das Befüllen wird nicht beeinträchtigt und eine Verdünnung der Spritzmittel ist problemlos möglich. Am abfallenden Boden des Tanks sitzt der Sumpf sehr tief, was sich aber nicht auf die vollständige Entleerung an Hanglagen auswirkt. Ganz im Gegenteil: Die Konstruktion macht sich vor allem beim Leerspritzen am Hang positiv bemerkbar.
 
Der leere Behälter lässt sich zum Wechsel von Mitteln oder auch zum Einwintern des Geräts schnell und einfach reinigen. Befüllt wird über das Bedienzentrum, das ergonomisch angeordnet ist. Dazu zählen neben den Hebeln und Hähnen zur Steuerung die schwenkbare Einspülschleuse, die Spritzpistole und eine Box für Spritzbekleidung. Über den 2-Zoll-Sauganschluss wird die Spritze mit der benötigten Menge Wasser befüllt; eine serienmäßige trockene Füllstandsanzeige zeigt dem Fahrer den aktuellen Füllstatus an.
 
Über die Digitalanzeige wird der Füllgrad zudem an das GreenStar-Display übermittelt. Eine Hupe gibt ein Signal, um eine präzise Befüllung zu gewährleisten. Die Einspülschleuse fasst 55 l und ist geschützt hinter dem Bedienzentrum angeordnet. Problemlos können sowohl flüssige als auch pulverförmige Mittel verarbeitet werden. Bei der Verwendung von Pulver wurden die besten Erfahrungen gemacht, wenn der Einspülbehälter zur Hälfte mit Wasser gefüllt wird, bevor man das Pulver einfüllt. Im Anschluss konnte die Lösung mit der Handpistole vollständig in den Tank gelangen. Ein Aufschäumen der Lösung konnte so weitgehend vermieden werden. Für die vollständige Entleerung und Reinigung von Spritzmittelkanistern sorgt die serienmäßige Kanisterspülung: den Behälter aufsetzen, leichten Druck nach unten ausüben und der Kanister wird mit Wasser ausgespült.
 
Rührwerk und Einspülschleuse sind bei der M740i mit 10 bar Druck beaufschlagt, während der Spritzdruck unabhängig davon geregelt wird. Möglich macht das die Unterteilung in einen Arbeits- und einen Druckkreislauf durch das Druckregelsystem. Für die AutoDilute-Funktion, die Verdünnung der Brühe, kommt der 400 l fassende Klarwasserbehälter zum Einsatz. Über eine extra Pumpe wird die Menge an Wasser an die Reinigungsdüsen gepumpt, um die Restmenge zu verdünnen. Für den Verdünnungsprozess berücksichtigt AutoDilute die Restmenge und berechnet, wie viele Spülgänge notwendig sind, um einen bestimmten Verdünnungsfaktor zu erreichen. 

Multifunktionshebel gewöhnungsbedürftig, GreenStar-3-2630-Display gefällt

Für die Bedienung hatten wir auf dem Schlepper das GreenStar-3-2630-Display installiert. © Fischer/dlz
Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Funktionen zur Steuerung der Anhängespritze liegen auf dem Multifunktionshebel. Dazu zählen
  • Öffnen und Schließen des Hauptventils,
  • Teilbreitenschaltung,
  • Gestängehöhe und -neigung,
  • variable Geometrie und
  • Deichsellenkung
Vermisst haben die dlz-Tester allerdings die Möglichkeit, die Aufwandmenge zu verändern. Das ist leider nur über das Display möglich. Auch nach 1.500 ha ist sowohl die Form als auch die Größe des Multifunktionshebels noch gewöhnungsbedürftig: Der Hebel liegt nicht optimal in der Hand.
 
Gut gefallen hat dagegen die Bedienung über das GreenStar-3-2630-Display. Die Funktionen für die M740i lassen sich hervorragend überwachen und steuern. Für die Anzeige im Display werden einfach zu verstehende Symbole eingesetz; so wird wo möglich auf Text verzichtet. Das macht das System übersichtlich und für neue Fahrer verständlich. Das GreenStar Display bietet zudem die Möglichkeit der automatischen Dokumentation der Arbeit. Die erfassten Daten können für Applikationskarten verwendet werden, sodass die Möglichkeit, teilflächenspezifisch die Ausbringmengen anzupassen, gegeben ist. Zu Testbeginn gab es einige Probleme mit der Software, die mehrfach nach einem Systemneustart beim Einschalten der Spritze verlangt hat. Durch eine neue Softwareversion konnte das Problem aber schnell und unkompliziert behoben werden. 

Gesamteindruck der M700-Serie

Für ambitionierte Landwirte bietet die M700-Serie von John Deere jede Menge Möglichkeiten. Drei Tankgrößen bilden die Basis für die optimale Anpassung der Anhängespritze an den Betrieb. Zahlreich zur Verfügung stehende Optionen lassen die Spritze zu einem High-Tech-Gerät der Oberklasse werden, was sich dann aber auch im Preis widerspiegelt. Hervorheben möchten wir an dieser Stelle nochmals das Gestänge, das uns beim Testeinsatz auf 1.500 ha sehr gut gefallen hat. 
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