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Getreidebestellung

Einzelkornsaat und Drillsaat im Anbauvergleich

Rolf Hachmeister, LWK Niedersachsen
am
28.09.2016

Auch bei Getreide tasten sich Züchter, Technikhersteller und Anbauer an die Einzelkornsaat. Aber bringt die wirklich Vorteile und vor allem lohnende Mehrerträge? Die Ergebnisse eines dreijährigen Versuchs im Nordosten.

Die Drillsaat von Getreide ist seit etwa 100 Jahren üblich. Mit dem heutigen Stand der Technik deutet sich an, dass sich der Vorteil gleichmäßiger Standraum lohnen kann. Eine Expertengruppe hat Drill- und Einzelkornsaat für Roggen und Weizen in einem Parzellenversuch im Nordosten von 2012 bis 2015 verglichen. Der Versuch lief an fünf Orten mit Weizen und an neun mit Roggen, von Brandenburg über Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bis nach Niedersachsen mit stark differenzierten Böden.

Die Ergebnisse finden Sie ausführlich im dlz agrarmagazin (Ausgabe September 2016).

Versuchsanordnung

Bei Weizen wurde die Sorte Julius gesät, bei Roggen Palazzo. Die Drillsaat nutzte vorhandene Technik. Die Parzellengeräte waren von Hege, Deppe oder Wintersteiger, hatten Bandkopfverteiler und Scheiben- oder Schleppschare. Der Reihenabstand variierte zwischen 12 und 13,5 bis 15 cm.

Die Einzelkornsaat erledigte die MiniAir-Nova von Kverneland mit 12 cm Reihenabstand. Die pneumatische Maschine wurde für Gemüse entwickelt. Sie benötigt ein feinkrümeliges und trockenes Saatbett, um optimal abzulegen und mit ihrer Andruckrolle nicht die Reihen zu verschmieren. An einer Lochscheibe werden mit Unterdruck einzelne Körner festgehalten, am untersten Punkt abgestreift und vereinzelt abgelegt.

Die Arbeitsbreite von 2,50 m prädestiniert das Gerät für den Parzellenversuch. Die Einzelkornablage funktioniert bei optimalen Bodenbedingungen dank Lochscheibe, aber bei nur langsamer Fahrgeschwindigkeit von maximal 2 bis 4 km/h.

Ertragsparameter im Blick

Bei den Bonituren vor und nach dem Winter wurden auch Krankheiten erfasst. Besonderheiten oder Ausfälle gab es nicht. Hier  einzelne Ergebnisse wichtiger Parameter: 

Keimpflanzen: Die Zielpflanzenzahl wurde weder bei Einzelkorn- noch bei Drillsaat erreicht. Erstere wies bei Roggen durchgehend etwas geringere Zahlen auf. Die Gründe liegen in der teilweise nicht optimalen Scheibenbelegung und auch bei möglichen Beschädigungen der länglich-spitzen Roggenkörner in der Lochscheibe. Sie setzen sich leicht mit der Spitze in die Löcher und werden dann abgeschert.

Keimfähigkeit: Bei der Einzelkornsaat wurde dieser Faktor nicht durch eine erhöhte Saatmenge berücksichtigt. Die teilweise feuchte Witterung 2014 führte zusätzlich zur geringeren Keimpflanzenzahl in der Einzelkornsaat. Da benötigt die Technik optimale Witterung. Bei Weizen gab es das Problem des Abscherens wegen der runderen Kornform nicht. Dort waren die Keimpflanzenzahlen bei den diversen Saatstärken fast überall gleich mit der Drillsaat. Jedoch wurden die Zielpflanzenzahl in beiden Varianten nicht erreicht. Grundsätzlich ist das Bewerten der Keimpflanzenzahl schwierig, da das Zählen an Hand von je 2 m x 1 m Zählstrecke nicht in jedem Fall die gesamte Parzelle voll repräsentiert.

Ährentragende Halme: Das Zählen ist hier repräsentativer, da mögliche Fehlstellen durch eine stärkere Bestockung ausgeglichen werden. Zwischen beiden Varianten zeigten sich geringe Unterschiede. Mit steigender Saatstärke stieg die Zahl.

Bestockungskoeffizient: Bei Weizen unterschied sich der Koeffizient nicht. Bei Roggen lag das Verhältnis von Keimpflanzen zu Ähren bei der Einzelkornsaat minimal höher. Den größten Unterschied gab es hier bei 80 Körnern pro Quadratmeter (Kö./m2). Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten wurden später ausgeglichen.

Tausendkornmasse: Hier  gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Saattechniken. Mit steigender Saatstärke sank die Tausendkornmasse erwartungsgemäß durch die höhere Ährendichte.

Fazit: Einzelkornsaat ertraglich etwas besser

Die Einzelkornsaat war der Drillsaat beim Ertrag im Schnitt über alle Jahre und Orte überlegen. Bei Weizen lag der Vorsprung mit 200 Kö./m² bei 3 Prozent, bei Roggen mit 120 bis 200 Kö./m² bei 4 Prozent.

Die Kornzahl je Ähre war an den meisten Orten in der Einzelkornsaat signifikant höher. Das machte den höheren Ertrag. Das Ertragsoptimum lag bei Weizen bei mindestens 200 Kö./m², bei Roggen bei 160 bis 200 Kö./m². In den Einzeljahren war der Effekt in Jahren mit höherem Ertragsniveau wider Erwarten größer als in Jahren mit geringeren Erträgen.

In Roggen lag der Ertragsvorsprung 2013 bei vier, 2014 bei fünf und 2015 bei zwei Prozent (Mittel 120 bis 200 Kö./m2).

In Weizen stellt sich 2014 mit fünf Prozent Ertragsvorsprung die Einzelkornsaat deutlich vor die anderen beiden Jahre mit jeweils nur zwei Prozent (200 Kö./m2).

Die Effekte der Einzelkornsaat waren auf leichteren Böden nicht einheitlich ­höher als auf besseren Böden. Einzelne Standorte, wie zum Beispiel in Gülzow, zeigten jedoch in keinem Jahr einen signifikant positiven Ertragseffekt durch die Einzelkornsaat.

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin September 2016 erschienen.

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