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Gülleausbringung

High-Tech fürs Güllefass?

Gülle ausbringen
am Mittwoch, 05.02.2020 - 09:40 (Jetzt kommentieren)

Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft gleichermaßen heftig diskutiert wie die Ausbringung von Gülle und die neue Düngeverordnung. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigen die Trends, die wir auf der Agritechnica 2019 für Sie entdeckt haben.

Der 1. Februar war der Stichtag: Nun gilt die verschärfte Ausbringungspflicht der Düngeverordnung auf Ackerflächen. Zum Beispiel ist neben der Einarbeitungspflicht innerhalb von vier Stunden lediglich eine streifenförmige Ablage in stehende Bestände erlaubt. Auch der Einsatz klassischer Breitverteiler zur Andüngung von Wintergetreide mit Gülle im Frühjahr ist nicht mehr zulässig. Da kommt was auf die Landwirte zu.

 

Gülletechnik: Neue Entwicklungen sind ein Muss

Um den politischen Vorgaben Rechnung zu tragen, haben die Hersteller aus dem Bereich Wirtschaftsdünger ihre Produktpalette angepasst. Mal sind es Verbesserungen an bestehenden Komponenten, mal ganz neue Produkte und Baureihen. Die Anforderungen sind in den letzten Jahren stetig gewachsen und die Intervalle, sie zu erfüllen, immer kürzer geworden. 
Das Maß aller Dinge ist die genaue Verteilung der Nährstoffe bei hoher Schlagkraft. Hier stellen wir Ihnen 4 Trends vor, die wir auf der Agritechnica 2019 für Sie entdeckt haben.

Schnell voll: Andockarme und Befüllhilfen für das Güllefass

Schlagkraft beginnt bereits beim Weg der Gülle von der Lagune zum Fass. Mit einem einfachen Schlauch arbeitet heute niemand mehr. In den letzten Jahren haben sich Befüllhilfen aller Art immer weiter durchgesetzt, sei es fest installiert auf dem Hof oder mitführbar am Ausbringungsgespann. Andockarme können sowohl direkt am Fass als auch am Zugfahrzeug angebracht werden. Durch zusätzliche Beschleunigungspumpen sind Füllleistungen von rund 11m³/min möglich. 

Am Schlepper montiert, sind Andockarme flexibel in der Reichweite und Höhe und sorgen für den nötigen Ballast bei gleichzeitig höherer Nutzlast, da das Fass entsprechend leichter ist. Gleichzeitig erfordern die Pumpen aber einen separaten Anbau und schränken die Sicht ein. Für mehr Überblick bei der Straßenfahrt sorgt beispielsweise der FreeSight von Wienhoff, durch seine kompakte Klappung. So ragt er nicht über die Motorhaube hinaus.

Gülletechnik: Das sind die Neuheiten auf der Agritechnica

NIRS-Sensoren und Dokumentation: Wissen, was drin ist

Gülle ist nicht gleich Gülle. Um schon bei der Befüllung auf dem Hof zu wissen, wie sich die Ausbringung bedarfsgerecht optimieren lässt, bieten nahezu alle Hersteller Mess­geräte an. Sie können sowohl am Fass verbaut sein als auch in mobilen Stationen neben dem Güllelagerbehälter platziert werden. Letztere bieten den Vorteil, dass mehrere Betriebe sie gemeinsam nutzen können. 

Die Messinstrumente erfassen die wichtigsten Nährstoffe sowie die Trockensubstanz mithilfe von NIRS-Technik (Nahinfrarotspektroskopie). Dabei werden von der Gülle reflektierte Lichtstrahlen erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse sind bei entsprechender Kalibrierung mit amtlichen Labormessungen vergleichbar und in einigen Bundesländern als Grundlage zur Düngebedarfsermittlung zugelassen. Zudem kann gleichzeitig mit der Ausbringung eine schlaggenaue Dokumentation vorgenommen werden. 
 

Genaue Ablage: Schleppschuh-Gülle-Verteiler liegen im Trend

Um die Nährstoffe zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bekommen, ist Schlagkraft gefragt. Sperrfristen und unpassendes Wetter haben in den vergangenen Jahren die Zeitfenster zur Düngung verkürzt. Die Nährstoffe bedarfsgerecht auf die Fläche zu bringen, erfordert daher hohe Leistung – die Logistik muss passen. 

Die Arbeitsbreiten reichen bei Schleppschlauchverteilern bis 36 m und bis 30 m bei Schleppschuhen, wobei bei der Schleppschuhvariante der größte Absatz derzeit bei 15 bis 21 m Verteilbreite liegt. Zum einen ist die Konstruktion samt Anbau am Fass weniger aufwendig und zum anderen passt sie in die bestehenden Fahrgassenabstände.

Um flexibel auf betriebliche Strukturen reagieren zu können, lassen sich die Arbeitsbreiten bei modernen Verteilern modellabhängig um 3 m reduzieren. Dazu werden die beiden 1,5 m langen Flügelenden eingeklappt. Die beweglichen Enden dienen gleichzeitig als Anfahrschutz. 

Gülle-Verschlauchung: Weniger Druck

Eine Nische mit wachsender Nachfrage stellt die Verschlauchung von Gülle dar, sowohl in kleinen als auch großen Strukturen, sei es in den Schweizer Alpen oder auf norddeutschen Moorböden. Die Technik schafft bis zu 200 m³/h, da ohne Unterbrechung ausgebracht werden kann. Ein weiterer Vorzug ist das im Verhältnis geringe Gewicht, da lediglich ein Schlepper samt Verteiltechnik auf dem Feld unterwegs ist. Aber der enormen Leistung geht eine gut zu planende Einrichtung der Pumpstation voraus. Auf Grünland weniger problematisch, kann der über den Schlag gezogene Schlauch für Einsatzgrenzen auf dem Acker beispielsweise in hohen Beständen im späten Frühjahr sorgen. 

Um auch zu einem späteren Zeitpunkt oder zum Beispiel in Mais verschlauchen zu können, legt die Technik von Agrometer die Zuleitung in festen Bahnen ab. Über einen Auslegearm wird der Schlauch von einer großen Trommel im Bestand stetig auf und abgespult. Die Leistung bleibt auf sehr hohen Niveau, aber der Gewichtsvorteil gegenüber einem klassischen Fass schwindet.

Der ausführliche Trendbericht ist in der Ausgabe agrarheute Februar 2020 erschienen.

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