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Ernte und Transport

Händler-Reportage: Unter Strom

von , am
18.10.2013

Die händlerseitigen Anforderungen an die Rübenerntetechnik sind groß. In der kurzen Kampagne laufen die Maschinen Tag und Nacht. Wenn etwas schief läuft, ist es meistens nicht mit einem Hammerschlag getan.

Das Team Tibasch Landtechnik mit ihren Auszubildenden vor einem frisch gewarteten Holmer Terra Dos-Rübenroder. © Gläser
Wieder einmal ist es spät geworden. Tobias Bachmann, Geschäftsführer beim Maschinenhandel Tibasch in Groß Zimmern schließt hinter sich die Werkstatthalle. Im Renault Master macht er sich auf den Heimweg. Mit im Gepäck hat er neben jeder Menge Werkzeug auch das Servicetelefon, über das Kunden bei Maschinenausfällen jederzeit anrufen können.
 
Um halb sechs am nächsten Morgen klingelt das Telefon. Es ist Oktober und die Rübenkampagne läuft im Landkreis Darmstadt im südlichen Hessen. Kurz vor Schichtwechsel hat der Fahrer eines Überladefahrzeugs der Maschinengemeinschaft im Nachbarort den Abstand zum Rübenroder falsch eingeschätzt und ist in das Überladeband des Bunkers gefahren. Der Kratzboden ächzt und das Einklappen funktioniert nicht mehr. Schnell ist Tobias Bachmann klar, dass es bei diesem Fall zunächst weniger um eine Reparatur, als eher um Schadensbegrenzung geht, damit weiter gerodet werden kann. Mithilfe eines Traktors wird der verzogene Buckerausleger so, kurz entschlossen, einfach wieder in Form gebogen und für den Rest der Kampagne kann es weitergehen. 

Seit knapp 40 Jahren in Familienhand

Sieben Monate später steht der Holmer Terra Dos T3 nun in der Werkstatthalle bei Tibasch. Bei unserem Besuch sind die Brüder Christian und Tobias Bachmann, beide Landmaschinenmechanikermeister gerade dabei mit dem Stapler das wuchtige Ersatzteil am Roder zu montieren. "In unserer Werkstatt können wir kleine wie große Reparaturen an den Erntegiganten durchführen, auch wenn solch ein Schaden sicherlich nicht alltäglich ist", erzählt Christian Bachmann, während er seinen Bruder auf dem Stapler einweist. Neben Christian und Tobias sind zwei Gesellen, zwei Auszubildende und ein Verkäufer im Außendienst angestellt. Der kaufmännische Part ist ebenfalls Familiensache.
 
Gegründet wurde der Betrieb 1974 von Heinrich Bachmann. Während der Senior gerade dem Azubi bei der 2.000 Stunden-Inspektion eines 800er Fendt Varios über die Schulter schaut, erzählt er, dass sich in den letzten Jahren eine enge Partnerschaft zwischen seinem Betrieb und Holmer entwickelt hat: "Obwohl die Anzahl an Rodern in unserem Einzugsgebiet stark zurückgegangen ist, weil die Maschinen immer leistungsfähiger geworden sind und der Rübenanbau bei uns weniger geworden ist, bleibt der Service an den Rodern eine komplexe Aufgabe. Dies fängt schon bei der Ersatzteilversorgung an. Früher haben wir noch Rodewalzen und ähnliches auf Lager gehabt. Heute ändert sich die Technik so schnell und Kunden erneuern ihre Maschinen alle zwei Jahre. Deshalb läuft ein Großteil der Versorgung heute über den Nachtversand direkt vom Werk in Eggmühl/ Bayern. Kleinteile wie Messer und Siebbänder halten wir dennoch vor. Weiter ist es der Platzbedarf, um die Fahrzeuge überhaupt auf den Hof und in die Halle zu bekommen. Mit dem Hallenneubau in 2001 sind auf unserem 3.600 Quadratmeter Grundstück nun 700 Quadratmeter bebaut. Ein Werkstattplatz ist speziell für die Wartung der Großmaschinen konzipiert, ein Anbau ist geplant", erzählt uns Heinrich Bachmann. 

Terra Dos T4 steht vor der Tür

Dennoch muss auf dem Betriebsgelände mit dem Platz sparsam umgegangen werden. Das eng bebaute Gewerbegebiet lässt nicht nur bei den hohen Quadratmeterpreisen wenig Entfaltungsspielraum und von oben verläuft eine Hochspannungsleitung über einen Teil der Gebrauchtmaschinenpräsentationsfläche. "Wenn wir dort einen Terra Dos stehen haben und man oben an der Maschine arbeitet, fängt es bei hoher Luftfeuchtigkeit in den Fingern an zu kitzeln", scherzt Tobias Bachmann. Gespannt ist Bachmann gerade auf einen ganz besonderen Neuankömmling, der in wenigen Wochen auf dem Hof erwartet wird. "Der Maschinenring bekommt einen der ersten Dreiachser der neuen Terra Dos T4 Baureihe. Wir werden die Betreuung der Maschine übernehmen. Die Schulungen auf die Maschine haben wir bereits bei Holmer durchlaufen", erzählt er.

Vielfältige Betriebsstrukturen

Unfall kurz vor Schichtwechel in der Rübenkampagne: Der Fahrer des Überladefahrzeugs ist mit dem gekippten Bunkerausleger des Holmer Terra Dos T3 kollidiert. Tobias und Christian Bachmann (v. li) sind dabei das Ersatzteil einzusetzen. Für Reparaturen am Rübenroder muss die Werkstatt und auch das Werkzeug etwas größer dimensioniert sein. Für Hydraulikreparaturen wird so zum Beispiel eine besonders leistungsfähige Vakuumpumpe vorgehalten. © Gläser
Neben der Servicetätigkeit für Holmer und auch die gelbe Rode- und Verladetechnik aus Sittelsdorf, zählen Fendt und Massey Ferguson Traktoren sowie Köckerling und Kuhn Anbaugeräte zu den wichtigen Marken im Vertrieb bei Tibasch. "Die Herausforderung in unserer Region ist, dass die Agrarbetriebe sehr vielseitig aufgestellt sind. Ackerbaubetriebe um die 150 Hektar und Schweinemast sind genauso häufig zu finden wie Obst, Gemüse, Spargel und natürlich die Zuckerrübe", so Tobias Bachmann. Derzeit werden im Gebiet der Tibasch Landtechnik fünf neue Holmer Terra Dos sowie das Terra Variant Trägerfahrzeug betreut. Beim Terra Variant wurde von Tibasch, ganz nach Kundenwunsch, die sechs Meter Pöttinger- Scheibenegge mit selbst konstruierter Gülle-Ausbringtechnik umgebaut.
 
Ebenfalls werden immer wieder Fahrzeuginstandsetzungen seitens des Holmer-Werks zu Tibasch ausgelagert und so zusätzliches Auftragsvolumen generiert. "Junge Leute in unserer Region im Landmaschinenhandel und vor allem in der Werkstatt zu halten ist nicht einfach. Die Konkurrenz ist im Rhein- Main-Gebiet zwischen den Städten Frankfurt am Main, Wiesbaden und Darmstadt besonders hoch. Den Azubis können wir in unserem kleinen Familienbetrieb aber einiges bieten, denn für mich ist das Schöne am Rübenroder, dass bei Reparatur- und Wartungsarbeiten nahezu alle Facetten aus unserem Berufsbild benötigt werden, wie man es kaum bei einer anderen Landmaschine findet.
 
 
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