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Praxis-Test

John Deere Festkammerpresse: So bestand sie den Härtetest

am Freitag, 10.06.2016 - 11:00 (Jetzt kommentieren)

Die Festkammerpresse F 440 R von John Deere ist in der Silage zu Hause. Wer die Presse ärgern möchte, schickt sie ins Stroh. Genau das haben die dlz-Redakteure gemacht.

Der extrem trockene Sommer vergangenen Jahres ließ nur noch Heu statt sattem Weidelgras stehen. Deshalb musste die F440 den Härtetest bestehen und sehr trockenes, mürbes Stroh pressen. Wie die Maschine damit zurecht kam, zeigt das Testurteil der dlz-Technikredaktion.

17 Stahlwalzen pressen Rundballen

In der R-Maschine verdichten 17 Stahlwalzen feuchtes Gras oder trockene Stängel in die runden Erntepakete. Mit den gelagerten Walzen bietet die Presse genügend Stahlmassen, um den teilweise bis zu 800 kg schweren Silageballen in Bewegung zu halten. Damit das bei extrem schweren Ballen geht, sind die beiden unteren Walzen verstärkt. Sie haben mehr Material auf den Rippen, zumal sie für den wichtigen Ballenstart zuständig sind. Der ist bei den Festkammerpressen entscheidend.

Pick-up mit Abstreifer aus Edelstahl

Das ist das Interessante an der Maschine: Pick-up und der Rotor. Gesteuerte Zinken sind in den vergangenen Jahren aus der Mode gekommen. Sie haben Vorteile, wenn sehr kurze Silage, wie häufig im dritten oder vierten Schnitt, vor das Lageaggregat  kommt. Einfach rotierende Zinken schieben hier häufig bei wenig Futter eine Welle von Erntegut vor sich her. Gesteuerte Zinken dagegen sollen kurze Halme besser erfassen und an den Rotor übergeben.

Ein Detail, das die professionelle Ausrichtung der Maschine erkennen lässt: Um mit korrosiven Siliermitteln klarzukommen, verbauen die Mitarbeiter im französischen Werk Abstreifer aus Edelstahl. Sie sind, zusammen mit dem Rollenniederhalter ein gutes Duo, um das Schluckvermögen der Pick-up auf hohem Niveau zu halten. Mit 2 Meter (Option 2,20 m) gabelt sie Schwaden von großen Rotordreschern sauber auf.

Hochleistungsrotor

Bevor Silage, Heu oder Stroh in die Presskammer dürfen, müssen sie erst einmal zusammenrücken. Schneckenwindungen auf der Rotorwelle verdichten das Erntegut auf die Ballenbreite, bevor die 20 Doppelsterne es erfassen. John Deere nennt die auf einer Welle sitzenden Schnecken und Zinken Hochleistungsrotor. Der soll dafür sorgen, dass auch bei Kurvenfahrten nichts verstopft. In die Presskammer darf rein, was die 13 Messer passierte. Wer das 25-Messer-Schneidwerk ordert, kann Gruppen schalten: 0, 12, 13, 25. Praktischer Nebeneffekt: Wem die halbe Messerzahl genügt, der hat immer einen Vorrat an scharfen Messern dabei.

Wenn der Rotor verstopft

Und was passiert, wenn der Rotor verstopft? „Parallelkinematischer Schneidwerksboden“, sagen dann die John-Deere- Monteure. Sie meinen damit das Nadelöhr einer jeden Presse: den Abstand im Förderkanal zwischen Boden und Rotor. Auf Knopfdruck am GreenStar-Terminal schwenkt eine clevere Mechanik die Bodenklappe an allen Ecken gleichzeitig nach unten und nimmt so den Druck aus dem festgefressenen Erntegut. Das darf sich kraftschonend an den Messern vorbeimogeln, bis sich der Stopfer erledigt hat.

Wer Messer wechselt, muss dazu nicht unter die Presse kriechen, sondern macht das in der geöffneten Presskammer. Ein Sperrventil an der Außenseite sichert die geöffnete Klappe. Aus der Praxis gelernt: Der Hebel, um alle Messer für den Wechsel zu entriegeln, sitzt weiterhin unter der Presse, kann aber nicht mehr verbiegen, falls der Fahrer einmal die Arretierung vergessen sollte und losfährt.

Pressen von voluminösen Schwaden

Damit der Ballen gut und kantig geformt werden kann, geben zwei Sensoren an der Heckklappe Signale an das Bedienterminal. Nachteil: Erst wenn der Ballen rund 70 Prozent seines endgültigen Volumens erreicht hat, melden die Winkelsensoren eine ungleiche Ballenfüllung. In unserem Stroheinsatz pressten wir voluminöse Schwade, die den Ballen gleichmäßig füllten. Fertig gepresst, warnt das Terminal mit einem Signalton den Fahrer. Dem bleiben dann 3 Sekunden, um anzuhalten. Aussparungen auf der Pressenvorderseite geben den Blick auf das einfließende Netz frei. Umwickeln geht flott und es dauerte nie länger als 20 Sekunden bis zum fertigen Ballen.

Fazit: Tolle Ballen trotz trockenem Gut

In unserem Kurzeinsatz in trockenem Stroh und Heu formte die Presse tolle ­Ballen. Wer hauptsächlich in Silage fährt, kommt auch mit den trockenen Erntegüter, zurecht. Das macht die Maschine im Einsatz flexibel. Eine große Pick-up und der Rotor aus den größeren Schwestern der 900-Serie rüsten die F 400 R für ­Durchsatz. Gerne hätten wir uns an ihre Leistungsgrenze in Silage getastet. Mit dem großen Ladeorgan und dem klappbaren Schneidwerksboden liegt die vermutlich hoch.

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