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Ackerbau

Wann kommt der Unkrautsensor?

von , am
22.02.2014

Sensorgestützte N-Düngung, teilflächenspezifische Grunddüngung, automatische Dokumentation und Telematik. Bei den Precision Farming Tagungen von Agri Con war das Themenfeld breit gefächert.

Nährstoffübersicht - Grunddüngung auf einer Teilfläche. (Precision Farming Tagungen Agri Con) © Mühlhausen/landpixel
Agri Con-Mitarbeiter Steffen Klingner gab bei der Station in Müncheberg Auskunft zum Thema Grunddüngung auf der Teilfläche. Viele gehen inzwischen ganz selbstverständlich davon aus, dass die N-Nachlieferung ihrer Böden durchaus heterogen ist - und reagieren darauf mit einer sensorunterstützten Düngung. Dasselbe gilt auch für weitere Nährstoffe, wie Nährstoffübersichten in Praxisbetrieben gezeigt haben (Bild). Praxisversuche in Betrieben, bei denen die Verteilung der Grundnährstoffe im Boden relativ breit streute, haben interessante Ergebnisse gebracht. Beim Kalk zum Beispiel befanden sich in dem abgebildeten Betrieb insgesamt 690 ha in den Gehaltsklassen A, B und E. Diese Unter- bzw. Überversorgung hatte einen Verlust von 68.400 Euro zur Folge (Mindererträge von bis zu 18 %).
 
Die Kosten der gezielten Grunddüngung legte Klingner ebenfalls dar. So müssten für Bodenscannen, Probenahme (alle 4 Jahre), Düngeplanung und Streukartenerstellung etwa 2 bis 3 Euro/ha kalkuliert werden. Für das Management dieses Prozesses empfiehlt Klingner die Nutzung des Agri Con-Datenportals AgriPort. Es erlaube laut Klinger die bruchlose Übertragung aller erfassten Daten, ihre Verarbeitung und Zugriff von mehreren Orten (Berater, mobiles Endgerät o.ä.) und die Übertragung auf den Schlepper zur Ausführung der Düngung.

Sensoren für Pflanzenschutzmittel

© Mühlhausen/landpixel
Hermann Leithold informierte anschließend über den Stand der Entwicklungen bei den neuen Pflanzenschutzsensoren. Mit den drei Modellen P3 ALS, P3 RX und P3 US bietet Agri ConPflanzenschutz-Sensoren für unterschiedliche Einsatzzwecke an. Angebaut werden diese kleinen Sensoren entweder am Tank oder am Spritzgestänge. Es existieren bereits über 100 Regelalgorithmen für verschiedene Fungizide bzw. -mischungen. Gerade die Sensorvarianten RX und US, die den Biomasseertrag messen, sind auf allen Spritzentypen problemlos nachrüstbar und gelten als preiswerte Einstiegsmodelle in den variablen Pflanzenschutz.
 
In diesem Herbst ist auch mit der Markteinführung des neuen H-Sensors zu rechnen. Mit diesem weltweit ersten Unkrauterkennungssystem wird die teilflächenspezifische Unkrautbekämpfung laut Agri Con Realität. Er erkennt und unterscheidet Kulturpflanzen, Unkräuter und Ungräser und regelt die Bekämpfung bis zu einer Geschwindigkeit von 12 km/h (Bild). Die Vorteile lägen zum einen im geringeren Mittelaufwand, zum anderen aber auch in der Vermeidung von Stress und Schäden an Kulturpflanzen auf weniger behandelten Flächen. Hermann Leithold benennt aus den bisherigen Versuchen ein Einsparpotenzial bei Unkräutern von 60 bis 70 Prozent und bei Ungräsern von 40 bis 50 Prozent. Zugleich werden Mehrerträge beobachtet. 
 

Streukarten aus der Cloud

Das der Yara-N-Sensor auch für die Ausbringung von Wachstumsreglern geeignet ist, zeigte sich in den letzten Jahren in diversen Praxisversuchen. Da er biomassereiche, hoch mit Stickstoff versorgte Teilflächen von gering bestockten, schwach versorgten Teilflächen unterscheiden kann, kann er die lageranfälligen Teilflächen mit einer höheren Aufwandmenge zu versorgen.
 
Die Versuche zeigten: vor allem in trockenen Jahren führt die variable Wachstumsregler-Applikation zusammen mit einer variablen N-Düngung zu einer besseren Homogenisierung des Bestandes. So erbrachte die sensorgestützte Dosierung in 2011 im Praxisversuch ein Rekordergebnis von 97 Euro/ha Mehrerlös. Über die Jahre 2008 bis 2011 lagen die durchschnittlichen Ertragssteigerungen zwischen 1,5 und 6 Prozent. Die Aufwandmenge an Wachstumsreglern sank gleichzeitig laut Leithold um 10,7 bis 21,6 Prozent.
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