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Ackerbau

Kurzscheibeneggen: Das müssen Sie beim Kauf beachten

© dlz agrarmagazin
von , am
06.07.2015

Das Angebot an Kurzscheibeneggen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. So groß die Auswahl ist, so unterschiedlich sind die Qualitäten bei Scheiben, Lager und Walzen.

Die Kurzscheibenegge Rubin 12 von Lemken kann mit einer Arbeitstiefe bis 20 cm gleich tief wie ein Grubber arbeiten. © Werkbild
So vielfältig das Angebot mittlerweile ist, so groß ist auch die Qualitätsspanne. Für Scheiben, Lager und Walzen gibt es ein breites Angebot auf dem Zuliefermarkt. Dementsprechend fällt auch die Preisspanne aus. Hier gilt es, bei der Kaufentscheidung genau hinzusehen und zu kalkulieren. Wer viel Fläche macht, kommt an Profigeräten nicht vorbei. Für kleinere Betriebe muss es nicht immer High-End-Technik sein.
  • Scheibengröße und -aufhängung sind die wichtigsten Kriterien bei der Wahl der richtigen Maschine.
  • Die Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern zeigen sich vor allem in Detaillösungen und Materialqualitäten, erklärt das dlz agrarmagazin in dem Beitrag "Details machen den Unterschied" zum Thema.

In die Breite gegangen

Bei Arbeitsbreiten über 3 m kommt man – zumindest in Deutschland – an Klappung und Fahrwerk nicht vorbei. © dlz agrarmagazin
Die Arbeitsbreiten sind in den vergangenen Jahren ähnlich den Schlepperleistungen enorm gestiegen - bis zu zwölf Meter werden aktuell angeboten. Klar ist aber: Je breiter das Gerät, desto aufwendiger sind Rahmenkonstruktion, Klappung und Abstützung. Und das schlägt sich in Wartungsaufwand und Preis nieder. Systembedingt wird auch die Bodenanpassung schwieriger, wenn die Arbeitsbreite wächst. Trotzdem muss die Kurzscheibenegge auch in großen Breiten eine gleichmäßige Arbeitstiefe über den gesamten Arbeitshorizont gewährleisten. Das ist nicht immer der Fall. Hier punkten die kleineren Geräte.

Scheibengröße entscheidet Kurzscheibeneggen

Wichtigstes Kriterium ist die Scheibe. Ihr Durchmesser bestimmt die maximale Arbeitstiefe, ihre Form das Arbeitsbild.
  • Das untere Ende des Spektrums markieren aktuell Scheibendurchmesser um 460 mm, die eine maximale Arbeitstiefe von zehn bis zwölf Zentimeter ermöglichen. Ihr Vorteil: Bei entsprechend engem Strichabstand arbeiten sie flacher und krümeln durch die höhere Umlaufgeschwindigkeit besser. Die kleinen Scheiben gibt es je nach Hersteller in glatter, fein gezahnter oder grob gezahnter Ausführung.
  • 510 bis 530 mm haben sich als universale Scheibendurchmesser durchgesetzt. Bis etwa 15 cm mischen und krümeln sie ordentlich und ziehen gut ein.
  • Wer noch tiefer gehen oder Maisstoppeln einarbeiten möchte, sollte 630-mm-Scheiben einsetzen.
  • Noch tiefer bis 20 cm geht es mit 736-mm-Scheiben. Diese können auch Körnermaisstroh über den gesamten Arbeitshorizont einmischen.

Kurzscheibeneggen: Winkel, Aufhängung und Überlastsicherung

Lässt sich der Scheibenwinkel verstellen, kann die Kurzscheibenegge relativ einfach an verschiedene Einsatzbedingungen und -tiefen angepasst werden. © dlz agrarmagazin
In der Regel sind die Scheiben in einem festen Winkel mit Grindeln und Rahmen verbaut. Einige Hersteller bieten aber auch mechanisch oder hydraulisch verstellbare Scheibenwinkel an. Mit diesen lässt sich auf unterschiedliche Einsatzzwecke, -bedingungen und Arbeitstiefen reagieren. Der Preis dafür ist das höhere Eigenwicht und die teils aufwendige Konstruktion. Geräte mit Winkelverstellung sollte sich anschauen, wer sie zu Stoppelbearbeitung, Zwischenfrucht- und Gülleeinarbeitung, Saatbettbereitung nach Grubber oder Pflug sowie in unterschiedlichen Arbeitstiefen und auf nicht zu steinigen Flächen einsetzen will.
 
Aufgehängt sind die Scheiben entweder einzeln oder paarweise. Die Einzelaufhängung bringt theoretisch eine bessere Bodenanpassung, praktisch ist dies abgesehen von sehr steinigen Böden allerdings kaum spürbar. Die paarweise Anbringung spart Material und Gewicht und erhöht zudem den Durchgang unter dem Geräterahmen. Wichtig ist bei jeder Form der Aufhängung, dass sich der Durchgang nach oben und nach hinten hin erweitert, sodass keine Erntereste oder Kluten hängen bleiben und die Egge verstopfen können.
 
Die Überlastsicherung muss den Kräften entsprechend stark ausgelegt sein. Die Hersteller bieten unterschiedliche Lösungen.
  • Die Lagerung mit Gummiwülsten findet man am häufigsten. Sie ist wartungsfrei und die Scheiben können dreidimensional ausweichen. Bei stärkeren Ausführungen ist die Ausweichung nach hinten allerdings begrenzt.
  • Eine andere Variante ist die Überlastsicherung mit Blattfedern. Diese sind ebenfalls wartungsfrei und ermöglichen dreidimensionales Ausweichen.
  • Vor allem bei großen Scheibendurchmessern werden oft Spiralfederpakete verwendet. Sie erlauben hohe Auslösekräfte, sind jedoch verschleißanfälliger wegen der vielen beweglichen Teile.
  • Eine vierte Möglichkeit sind gefederte und gewalzte Grindeln, die ebenfalls hohe Auslösekräfte und ein Ausweichen in drei Dimensionen bieten.

Gewicht schadet nicht

Wie schwer eine Kurzscheibenegge sein sollte, hängt vom gewünschten Arbeitseffekt und Einsatzzweck ab. Dreipunktangebaute Geräte, die ausschließlich zur flachen Stoppelbearbeitung und zur flachen bis mitteltiefen Saatbettbereitung nach dem Pflug gefahren werden sollen, benötigen relativ wenig Einsatzgewicht - außer man fährt in schweren, tonhaltigen Böden. Allgemein gilt: Je tiefer man arbeiten will und je schwerer die Böden sind, desto schwerer sollte die Kurzscheibenegge sein. Mehr Gewicht bedeutet aber auch einen höheren Zugkraftbedarf und bei Dreipunktgeräten einen nicht zu unterschätzenden Hubkraftbedarf.

Die richte Walze wählen

Der Nachläufer übernimmt nicht nur Tiefenführung und Rückverfestigung, sondern auf schweren Böden auch die Nachzerkleinerung von Kluten. Er sollte daher mit Bedacht gewählt werden.
  • Rohrstabwalzen sind preiswert und leicht. Auf schweren Böden reichen Nachzerkleinerung und Rückverfestigung aber meist nicht aus.
  • Offene Messerwalzen zerkleinern sehr gut, setzen sich bei nassen, bindigen Böden aber mitunter zu. Zudem sind sie auf leichten Sand- oder Moorböden nicht tragfähig genug.
  • Keilringwalzen lassen sich relativ universell einsetzen und bieten eine sehr gute Rückverfestigung. Dafür sind sie aber teuer, schwer und teils steinanfällig.
  • Geschlossene Stahlpacker- oder Messerwalzen punkten bei Rückverfestigung oder Nachzerkleinerung, sind aber sehr schwer und auf leichten Böden ebenfalls wenig tragfähig.
  • Offene U-Profil-Walzen sind universell einsetzbar und nicht zu schwer, in Sachen Rückverfestigung und Nachzerkleinerung aber nicht die erste Wahl.

Weitere Informationen über Erweiterungen und eine Übersicht aller Modell zur Wahl der richtigen Kurzscheibenegge finden Sie im dlz agrarmagazin (Juni 2015).

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