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Ernte und Transport

Lohnunternehmen im Aufwind

von , am
06.12.2012

Münster - Landwirte fragen immer häufiger landwirtschaftliche Dienstleistungen nach. Davon profitieren Lohnunternehmen, deren Branche sich im Aufwind befindet.

Mehr geht nicht: Der Zutritt zu den DeLuTa 2012 musste wegen der großen Nachfrage begrenzt werden. © BLU
Die Stimmung der Lohnunternehmer ist hervorragend. Das zeigen die Deutschen Lohnunternehmer-Tage 2012 (DeLuTa) in Münster. An beiden Ausstellungstagen gestern und heute erwartet der Veranstalter, der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU), jeweils fast 8.000 Fachbesucher. Sowohl die Nachfrage nach Besucherkarten als auch nach Ausstellungsflächen übertrafen im zehnten Jahr der Veranstaltung das Angebot.

Vom Biogasboom profitiert

Nach den Worten von BLU-Präsident Klaus Pentzlin haben viele Lohnunternehmen in den vergangenen Jahren große Wachstumsschritte gemacht. In diesem Jahr werden die über 5.000 Lohnunternehmen in Deutschland rund 2,3 Milliarden Euro Umsatz mit der Erledigung von Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft erzielen. Hinzu kommt eine Milliarde Euro Umsatz aus anderen Bereichen wie zum Beispiel Kommunalarbeiten. Allein 500 Millionen Euro werden mit Dienstleistungen für Biogasanlagenbetreiber erwirtschaftet.

Rendite lässt zu wünschen übrig

Der Biogasboom bereitet Pentzlin allerdings auch Sorgen. Der BLU-Präsident warnte angesichts des Stillstands beim Bau neuer Anlagen vor einer Investitionsblase. Lohnunternehmer und Landwirte investierten zu stark in Landtechnik. Die Verkaufszahlen für den deutschen Markt seien überdimensioniert. Zugleich habe das schnelle Wachstum der Lohnunternehmen mit vielen Neueinsteigern in den vergangenen Jahren den Wettbewerbsdruck erhöht. Viele Unternehmen schafften es nicht, eine angemessene Rendite zu erzielen. Pentzlin forderte die Lohnunternehmer auf, durch "eine fruchtbare regionale Vernetzung und kluge Strategien" so schnell wie möglich wieder rentable Strukturen sicherzustellen.

Leitlinien für mehr Akzeptanz

Die zunehmende Bedeutung der Biogaserzeugung verursacht dem BLU auch an anderer Stelle Kopfzerbrechen. Die sehr transportintensive Maisernte mit großen, schnellen Maschinen bringt die Bevölkerung im ländlichen Raum gegen die Branche auf. Um hier einzulenken, beschloss der BLU freiwillige Leitlinien für Fahrzeuge im Straßenverkehr. So sollen Schlepper und Erntemaschinen freiwillig nicht schneller als 40 km/h fahren, in den Ortschaften nur 30 km/h. Ladungsverluste sollen zum Beispiel durch eine Abdeckung vermieden werden. Verschmutzte Straßen seien umgehend zu reinigen. Nach Darstellung des Verbandes werden die Leitlinien von den Mitgliedsunternehmen gut akzeptiert.

Tempo drosseln

Der Lohnunternehmer Joachim Heller aus Sulzfeld berichtete in Münster von zweijährigen Versuchen im eigenen Unternehmen mit einer auf 40 km/h gedrosselten Logistikkette. Danach bedeutet der Verzicht auf Tempo bei durchschnittlich zehn Kilometern Distanz zwischen Maisfeld und Silo täglich nur eine um etwa fünf bis acht Tonnen verringerte Transportleistung. Zugleich werden zehn Prozent Diesel eingespart. Der Verschleiß der Schlepperhinterreifen wird um fast die Hälfte vermindert.
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