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Praxistest

Mähdrescher: Wer schneidet besser ab

Dieser Artikel ist zuerst in der traction erschienen.

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Matthias Mumme, traction
am
17.03.2016

Wer mit Hochleistungsmähdreschern arbeitet, kommt um ein passendes High-Tech-Schneidwerk nicht herum. Traction hat vier Schneidwerkstypen beim Weizen- und Rapsdrusch getestet.

Das Landtechnikmagazin traction hat für seine Januar/Februar-Ausgabe in einem Druschversuch mit Weizen vier Schneidwerkstypen von John Deere miteinander verglichen. Als Versuchsmaschine stand ein John Deere S685i mit Axialrotor zur Verfügung.

Gerade bei Hochleistungsmähdreschern kann das Schneidwerk das i-Tüpfelchen in puncto Durchsatz und Effizienz sein, da die Rotorbeschickung einen großen Einfluss auf den Ausdrusch des Getreides und auch auf die Strohverteilung in Längs- und Querrichtung hat.

Getestete Schneidwerke

Folgende Schneidwerkstypen mit jeweils 10,7 m Arbeitsbreite standen zur Verfügung:

  • 635R: Dabei handelt es sich um ein Standardschneidwerk mit festem Tisch und Förderschnecke. Der Tisch kann nur durch Schrauben verstellt werden.
     
  • 635X: Dieser Schneidwerkstyp besitzt einen hydraulisch verstellbaren Schneidwerksboden mit großem Verstellbereich sowie eine Förderschnecke.
     
  • 635 PF: Das Premium Flow ist ein konventionelles Bandschneidwerk mit in Fahrtrichtung rotierenden Bändern und Förderschnecke.
     
  • 635D: Hierbei handelt es sich um ein Draperschneidwerk mit zwei quer zur Fahrtrichtung rotierenden Bändern une einem mittigen Längsförderband mit Einzugstrommel, aber ohne Einzugsschnecke.

Ergebnisse im Weizen

  • Wie erwartet, konnten wir mit dem Standardschneidwerk den geringsten Durchsatz erzielen. Die mittlere Fahrgeschwindigkeit betrug lediglich 5,4 km/h, was einen theoretischen Durchsatz von 57 t/h ergibt. Leichte Steigerungen der Fahrgeschwindigkeit führten umgehend zu einer starken Drückung der Motordrehzahl. Schon bei 6,0 km/h zeigte der Drehzahlmesser nur noch 1.890 U/min an. Der Verbrauch während der Fahrten pendelte sich im Schnitt bei 97 l/h ein, was einen effektiven Verbrauch von 1,70 l/t ergibt.
     
  • Etwas besser fuhren wir mit dem 635XSchneidwerk. Hier kamen wir auf durchschnittlich 5,8 km/h und 61 t/h bei 97 l/h beziehungsweise 1,59 l/t Dieselverbrauch.
     
  • Auf einem ähnlichen Niveau bewegte sich das 645PF mit 5,9 km/h, 62 t/h und 97 l/h beziehungweise 1,56 l/t. Die aktive Gutförderung konnte vor allem bei wechselndem Bestand (stehende Halme und Lager) punkten. Bei zu hohen Fahrgeschwindigkeiten konnten wir jedoch beobachten, dass Halme mit der Halmbasis voran in den Schrägförderer gerieten.
     
  • Deutlich an die Spitze setzte sich das 635D mit 6,3 km/h, 66 t/h, 97 l/h und 1,47 l/t. Auffällig dabei war die bereits optisch sehr gute Gutübergabe an den Schrägförderer. Die Halme werden nach dem Schnitt direkt in Längsrichtung, mit der Ähre nach hinten zeigend, auf die Querbänder gelegt und so auch der Einzugstrommel und dem Rotor zugeführt. Die Mehrleistung war bereits subjektiv spürbar, da wir nicht nur deutlich schneller fahren konnten, sondern auch Lastspitzen durch ungleichmäßige Bestandsdichten kaum auftraten.

Ergebnisse im Raps

Völlig andere Ergebnisse zeigten sich laut Aussage des Einsatzbetriebs und des John-Deere- Testteams beim Raps. Dieser war im Druschjahr 2015 an der Halmbasis noch extrem grün und zäh, während die Kronen häufig schon reif oder überreif waren und zudem außergewöhnlich üppig verzweigt und bis zu 1.90 m hoch.

  • Hier schnitten das 635X und das 635R (mit Profi -II-Rapstisch) mit einem vergleichbaren Durchsatz und vergleichbar geringen Schneidwerksverlust (0,7 und 0,6 Prozent) am besten ab. Dabei zeigte sich deutlich der Vorteil des langen Tischs des 635X: Die Schneidwerksverluste konnten bei voll ausgefahrenem Tisch um satte 50 Prozent gegenüber der Mittelstellung reduziert werden.
     
  • Danach ordnete sich das 635PF ein, das etwas höhere Schneidwerksverluste (1,0 Prozent) auswies.
     
  • Mit deutlichem Abstand, nämlich 3,2 Prozent Schneidwerksverlusten, folgte das 635D, das trotz der Querschnecken noch Probleme mit dem Einzug des langen und üppig verzweigten Ernteguts hatte.
     
  • Erfahrungen von Praktikern aus dem Jahr 2014 zeigen jedoch, dass Draperschneidwerke auch in Raps sehr gut performen können. Entscheidend ist hier aber auch der Zustand des Rapsbestands.

Fazit

Aus unserem Systemvergleich lassen sich mehrere Empfehlungen ableiten:

  • Zum einen geht deutlich hervor, dass preiswerte Standardschneidwerke an Hochleistungsmähdreschern, wenn überhaupt, nur noch auf Standorten mit geringen Erträgen oder sehr gleichmäßigen Beständen zu empfehlen sind. Hier lohnt sich unter Umständen die Anschaffung teurerer Schneidwerkstechnik nicht, während Hochertragsstandorte klar zu aufwendigeren Vorsätzen greifen sollten.
     
  • Zum anderen wird deutlich, dass Draperschneidwerke vor allem bei kurzhalmigen Druschfrüchten anderen Schneidwerksbauarten deutlich überlegen sind, da sie das Erntegut vergleichmäßigen und schön in Längsrichtung geordnet mit der Ähre voran an den Schrägförderer übergeben. Derzeit müssen mit Drapern aber vor allem in schwierigen Beständen noch Zugeständnisse beim Rapsdrusch gemacht werden.
     
  • Als Universaltalente lassen sich hingegen die X- und die PF-Schneidwerke bezeichnen, die hinsichtlich Bestandsdichte, Halmlänge und Halmbeschaffenheit viele und vor allem wenig zeitaufwendige Anpassungsmöglichkeiten erlauben.
     

Mähdrescherschneidwerke im Test

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