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Ackerbau

Marktübersicht Strip Till: Streifenweise erfolgreich

von , am
09.08.2013

Die streifenweise Bodenbearbeitung und Saat bringt viele Vorteile, erfordert aber eine komplexe Technik und einigen Sachverstand des Anwenders. AGRARTECHNIK hat sich in der Branche umgehört.

Die Maschine Master von Köckerling ist modular aufgebaut. Direkt am Schlepper wird das Tank- und Dosiersystem Boxer angebaut, in der Mitte ein dreibalkiger Grubber und nachfolgend die für den geplanten Einsatz entsprechende Sätechnik. © Werkbild
Seit wenigen Jahren ist der Begriff Strip Till bei Landwirten und Agrartechnikern in aller Munde. Man versteht darunter eine Streifensaat, bei der lediglich ein schmaler Bodenstreifen um das Säschar bearbeitet wird. Es handelt sich im Grunde um einen Kompromiss zwischen Mulchsaat (pflugloses Saatverfahren mit einer vorangegangenen konservierenden Bodenbearbeitung) und Direktsaat (Saat erfolgt ohne jede Bodenbearbeitung nach der Ernte). Um ausreichende Abstände zwischen den Reihen zu haben, kommt das Verfahren in der Regel nur bei Reihenfrüchten (Mais, Zuckerrüben, etc) zum Einsatz.
 
Der Strip Till-Bodenbearbeitung werden viele Vorteile zugesprochen. Durch die streifenweise Lockerung bleiben Teile des Bodens unberührt. Das mindert zunächst einmal den Dieselverbrauch. Weiter verbessert es, im Vergleich zu ganzflächig bearbeiteten Äckern, den Wasserhaushalt. Schließlich verbleiben auf den unbearbeiteten Bereichen auch die Rückstände der letzten Frucht. Das bremst bei hohen Temperaturen auch die Bodenerwärmung und -austrocknung, und der Boden ist auch besser befahrbar. Zudem sind der Humusaufbau und die Regenwurmaktivität gesteigert und der Boden wird besser vor Erosion geschützt.
 
Die Landtechnik-Hersteller, die im Bereich Strip Till aktiv sind, haben zudem die Düngerausbringung in den bearbeiteten Streifen optimiert. Hier ist es das Ziel, sowohl organische als auch mineralische Dünger in den Boden einzuarbeiten (Unterfußdüngung) und genau an der Stelle zu platzieren, die für die Pflanze im entsprechenden Stadium zugänglich wird. All dies erfordert natürlich eine hohe Präzision. Da es schwer ist, immer auf 20 Zentimeter exakt zu arbeiten, wird Strip Till heutzutage in der Regel in Kombination mit GPS-Technologie genannt. AGRARTECHNIK hat sich mit mehreren Herstellern, die Strip Till-Technik anbieten, unterhalten und die folgenden Fragen gestellt.

Entwicklung in den kommenden Jahren

AGRARTECHNIK: Wie hat sich der Markt von Strip Till-Maschinen in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie ist die aktuelle Situation und mit welcher Entwicklung rechnen Sie für die kommenden Jahre?

Stefan Kiefer (Leitung Produktmanagement bei Amazone): "Das Interesse ist sehr groß und die Technik hat ein großes Potenzial, die Mulchsaat in Europa und Russland weiter zu entwickeln. Der reale Markt – vor allem in unseren Zielregionen - ist derzeit noch überschaubar, da sich viele Betriebe vor der Anschaffung einer zusätzlichen Technik erst von der Eignung für ihren Standort und ihre Betriebsstruktur überzeugen müssen. Wir erwarten eine Zunahme der Nachfrage in den kommenden Jahren.“

Kurt Glück (Horsch Marketingleiter): "Viele Jahre war Horsch mit dieser Thematik für einen sehr engen Kundenkreis allein auf weiter Flur. Mit der Einführung des Focus TD und vielen Versuchen an Universitäten hat sich dies inzwischen aber geändert und viele Hersteller bieten teils sehr unterschiedliche Technik in diesem Bereich. Die Diskussion über das Thema Strip Till ist jedoch viel lauter als es sich dann am Ende in tatsächlichen Vertriebszahlen niederschlägt. Geht man nach der Berichterstattung, müsste ja inzwischen fast jeder vierte Landwirt solch eine Technik nutzen. Aber gerade diese Diskussionen klären oft auf und führen zu weiterer Akzeptanz. Wir sehen daher in Strip Till weiter ein großes Potential für die Zukunft."

Stefan Kröger (Marketingleiter bei Köckerling): "Das Interesse an Technik für Strip Tillage ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nachdem es vor einigen Jahren nur sehr wenig Anbieter solcher Maschinen gab, haben sich jetzt doch zahlreiche Unternehmen mit der Thematik befasst und Maschinen für dieses Verfahren entwickelt. Zudem werden in der Praxis vermehrt Versuchsparzellen angelegt, sowohl von Instituten, Hochschulen, der Industrie, aber auch von Praktikern auf dem eigenen Betrieb. Künftig wird Strip Tillage die herkömmlichen Verfahren sicher nicht ersetzen, an Bedeutung zum derzeitigen Stand aber in jedem Fall hinzu gewinnen."

USA als Vorreiter

AGRARTECHNIK: In den USA ist das Strip Till-Verfahren schon seit einigen Jahrzehnten präsent. Wieso gab es diese Verzögerung beim Sprung über den Teich? Sind in Europa andere Vegetations-Verhältnisse vorherrschend oder liegt es an der Vorherrschaft anderer Kulturpflanzen oder an den zu kleinen Betrieben (z. B. Notwendigkeit eines RTK-Systems zur exakten Bearbeitung der Streifen)?

Kurt Glück (Horsch): "Das Klima macht den Unterschied. In den USA wird mit Strip Till sehr viel Mais gesät. Dieses Verfahren einfach zu kopieren, funktioniert aber in Europa nicht optimal oder teils gar nicht. Horsch hat dazu auf den eigenen Betrieben mehrere Versuche durchgeführt. Daher sind in Europa eigene Wege nötig."

Stefan Kröger (Köckerling): "Seitens der landwirtschaftlichen Betriebe gab es zunächst keine spürbare Nachfrage, daher hat sich auch kein Hersteller mit der Entwicklung dieser Technik beschäftigt. Erst das gestiegene Interesse in den vergangenen Jahren führte dazu, dass sich vereinzelte Hersteller mit dem Bau von Strip Till-Maschinen beschäftigt haben."

Rainer Krug (Kuhn): "Bei uns in Deutschland steht der Strip Till-Begriff nicht nur für reduzierte Bodenbearbeitung, wie in den USA. Hier ist das Strip Till-Verfahren häufig auch im Sinne einer Präzisionslandwirtschaft zu sehen, da die Depotdüngung, die Streifenabstände und die Aussaat genau aufeinander abgestimmt sein müssen. Denn das Ziel ist es, auch mit Strip Till ein hohes Ertragsniveau zu halten, was mit dem Strieger im Mais zum Beispiel schon nachweislich gelungen ist."

Stefan Engberink (Project Manager Strip Till Väderstad): "Dass sich das Strip Tillage- Verfahren in Europa viel später etabliert ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in den USA diese Entwicklung aus dem No-Till-Bereich (Direktsaat) kommt und es somit eher eine Intensivierung des Arbeitsverfahrens darstellt, wodurch zusätzlich die Ertragssicherheit verbessert wird. In Europa findet bei der Anwendung des klassischen Strip Tillage-Systems eher eine Extensivierung statt. Aber auch die spätere flächendeckende Verbreitung von RTK GPS-Systemen und die Einarbeitungspflicht für organischen Dünger führen erst jetzt zur erhöhten Nachfrage nach klassischen Strip Tillage-Geräten. Bei der Spirit Strip Drill handelt es sich um eine Streifenlockerungstechnik, die speziell für den Europäischen Markt und die Aussaat von Raps und Getreide, angepasst wurde, wo häufig eine ein- bis zweifache Stoppelbearbeitung nötig ist, und zudem schmalere Reihenabstände nachgefragt werden. Diese Technik stammt nicht aus den USA, sondern stellt eine neue Entwicklung dar."

Technische Trends

Mit der Spirit Strip Drill von Väderstad kann Dünger in zwei Bändern bis zu einer Tiefe von 30 Zentimeter abgelegt werden. © Werkbild
AGRARTECHNIK: Welche technischen Trends werden sich Ihrer Meinung nach beim Bereich Strip Tillage in den kommenden Jahren (weiter) durchsetzen?

Stefan Kiefer (Amazone): "Die angebotenen Maschinenkonzepte sind heute schon recht vielfältig. In der Breite glauben wir an die Etablierung von Geräten für das absetzige Verfahren. Es wird sicherlich weitere Entwicklungen bei den Werkzeugen im Aggregat geben, um den vielfältigen Standortbedingungen gerecht zu werden."

Kurt Glück (Horsch): "Die Aussaat von Raps und Getreide mit einer Strip Till-Maschine hat aus unserer Sicht für die nächsten Jahre in Europa großes Potenzial."

Stefan Kröger (Köckerling): "Entwicklungspotenziale gibt es noch insbesondere bei der Dünger-, beziehungsweise der Saatgutablage. Hier erwarten wir in den kommenden Jahren weitere Verbesserungen, wie zum Beispiel die Ablage des Düngers in verschiedenen Horizonten unter der Oberfläche."

Rainer Krug (Kuhn): "Die Möglichkeit, zusammen mit der Strip Till-Bearbeitung einen mineralischen oder organischen Dünger zu platzieren, ist von sehr großem Vorteil und wird sich weiter durchsetzen. Der Pflanzenhauptnährstoff Kalium zum Beispiel, der auch in Gülle stark enthalten ist, eignet sich hervorragend für eine zeitige Depotdüngung."

Stefan Engberink (Väderstad): "Es ist davon auszugehen, dass durch steigende Düngemittelpreise und vermehrt auftretende Trockenperioden das Interesse an Strip Till in Raps und Getreide wächst. Allein die Kombination von Unterfuß- und Unterflurdüngung macht dieses System auch dann interessant, wenn die Intensität der Bodenbearbeitung nicht verringert werden kann. Aus diesen Gründen gehen wir davon aus dass einzelne Elemente aus dem System Strip Till auch in andere Maschinenkonzepte der Zukunft einfließen werden."

Christiane Kotthoff (Marketing Manager Agrartechnik bei Vogelsang) meint, dass die Reihenabstände noch schmaler werden, um die Technik auch für Raps und andere Kulturpflanzen besser verwenden zu können. Des weiteren werde die Kombination Stip Tillage mit gleichzeitiger Gülle-/Mineraldüngerapplikation an Bedeutung gewinnen.
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