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Ackerbau

Meilensteine 2013: Pneumatische Sätechnik

von , am
31.10.2013

Wer sich über die Entwicklung der Sätechnik informiert, wird schnell über den Namen Accord stolpern. Hinter dem Namen steht ein umfassendes Programm an anerkannten Sämaschinen und einiges mehr.

 
Es geht um die Entwicklung der pneumatischen Drilltechnik, die heute von den Äckern dieser Welt nicht mehr wegzudenken ist. Der große Kopf hinter der Erfolgsstory der Accord Sätechnik ist der Landwirtssohn Heinrich Weiste. Im Jahr 1948 gründete Weiste, auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Sieningsen bei Soest ein Unternehmen um seine selbst konstruierte Pflanzmaschine bauen und vertreiben zu können. Weiste schaffte es mit diesem Gerät die mühseligen Pflanzarbeit, die er auch am eigenen Leib zu spüren bekam, durch das Sitzen der Arbeiter auf der Maschine einfacher zu machen. Schnell stieß seine Maschine auf Nachfrage. Ein Vertriebsnetz konnte entwickelt werden und bereits 1959 machte der Betrieb mit 50 Mitarbeitern einen Umsatz von drei Millionen Mark.
 
Der Name Accord sollte aber erst viel später mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden. In den Jahren 1963 und 1964 erweiterte Weiste sein Unternehmen um zusätzliche Produktionskapazitäten und siedelte um an den heutigen Standort Soest. Wirkliche Fußstapfen in der Landtechnikbranche hinterließ Weiste mit der Entwicklung des Weiste Schnellkuppeldreiecks im Jahr 1964 und mit der Erfindung der pneumatischen Sätechnik zwei Jahre darauf. Mit letzterer Erfindung gelang ihm der Durchbruch.

Pneumatik ermöglicht modularen Aufbau

Erst durch die pneumatische Sätechnik war es möglich geworden Sämaschinen auch modular aufzubauen. Saatgutbehälter und Säschare sind über flexible Schläuche miteinander verbunden. Perfekt zeigten sich diese Vorteile in der Serie DL, die 1977 vorgestellt wurde. Je nach Standortanforderung konnten sich Landwirte ihre Drillmaschine selber zusammenstellen und mit passender Saatbettbereitungstechnik kombinieren. Natürlich waren unterschiedlichste Saatgüter und Saatmengen möglich. Die Fahrgassenschaltung war per Magnetklappen steuerbar.
 
1980 wurde bereits eine elektronische angeboten. 1982 kam dann die zweite Generation der Pneumatic Drillmaschinen in 3 bis 4 Meter mit der Typenbezeichnung DA auf den Markt. Mit dieser aufsattelten Sämaschinen- Kreiseleggen-Kombination wurde nun eine breitere Zielgruppe unter den landwirtschaftlichen Betrieben angesprochen und die Stückzahlen konnten hochgefahren werden. Die Vorteile waren die einfache Handhabung und die stabile aber leichte Ausführung, die auch kleinere Schlepper heben konnten. Die DA Serie wird bis heute im Produktprogramm geführt und zählt zu den am meisten verkauften Maschinen am Standort Soest.

Neue Möglichkeiten aus neuen Verarbeitungstechniken

Der internationale Erfolg der Accord Sätechnik Komponenten bewegte auch europäische Landmaschinenhersteller in Kooperation mit den Westfalen zu treten. Hersteller wie Horsch, Dutzi und Kverneland rüsteten Geräte mit Accord-Komponenten aus. Die Kombination aus hartem Stahl und flexiblem Kunststoff zu einem noch leistungsfähigeren Säschar brachte Accord im Jahr 1994 erneut die Aufmerksamkeit der Kundschaft.
 
Mithilfe einer Stahlscheibe wird dabei ein schmale Saatfurche geformt. Eine Kunststoffscheibe hält diese Furche offen und dient zur Reinigung der Stahlscheibe. Das patentierte Scheibenschar CX steht für mehr mögliche Sätiefe und bessere Ablagegenauigkeit bei höherer Fahrgeschwindigkeit. Mit geringfügigen Anpassungen ist dieses Scheibenschar auch heute noch in Accord Maschinen zu finden.

Kverneland übernimmt Accord

In den 90er Jahren gilt Accord in Europa als Marktführer für Sätechnik. Nach einer strategischen Allianz mit Kverneland übernahmen die Norweger im Jahr 1996 Accord komplett. Neue Möglichkeiten im internationalen Landtechnikgeschäft ergaben sich. Der Standort Soest wurde zu einem Kompetenzzentrum für Sätechnik weiter ausgebaut. Die Entwicklungsschwerpunkte haben sich heute verlagert. Immer mehr Elektronik wird in Drillmaschinen verbaut.
 
2004 bewiesen die Westfalen mit der Vorstellung der ersten ISOBUS fähigen Drillmaschine erneut, dass sie bei der Entwicklung der Sätechnik am Nabel der Zeit sind. Heinrich Weiste, hat mit seinen Erfindungen die Landtechnikbranche nachhaltig geprägt. Sein größtes Vermächtnis bleibt die Entwicklung der pneumatischen Sätechnik, die von den Äckern dieser Welt nicht mehr wegzudenken ist. Weiste verstarb im Juli 1981.
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