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Technik für Zwischenfrucht und Stoppel

Messerwalze: Wie sie funktionieren und welche Unterschiede es gibt

Für die Zerkleinerung von massigen Zwischenfruchtbeständen sind Messerwalzen prädestiniert.
am Sonntag, 01.01.2023 - 06:15 (Jetzt kommentieren)

Messerwalzen haben sich in den letzten Jahren etabliert und immer mehr Hersteller bieten eigene Lösungen an. Wir geben einen Überblick, welche Geräte der Markt für den Soloeinsatz bereithält.

Sucht man nach einem Arbeitsgerät zur Zerkleinerung von Zwischenfrüchten oder Stoppeln, so hat der Mulcher in den vergangenen Jahren eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen: die Messerwalze. Diese lassen sich in zwei Kategorien einordnen: Walzen bis 50 cm und über 80 cm Durchmesser.

Messerwalzen sind schnell unterwegs und bringen mehr Flächenleistung

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Zerkleinerungsgeräten (wie beispielsweise den Mulchern) ist die hohe Fahrgeschwindigkeit, die Messerwalzen einerseits erlauben, andererseits aber auch für ein zufriedenstellendes Arbeitsergebnis erfordern. Im Regelfall beginnt diese bei 12 km/h und kann je nach zu bearbeitetem Bestand und Standortbedingungen bis zu 30 km/h betragen. Damit sind hohe Flächenleistungen sowie niedrige Kraftstoffverbräuche von 3 bis 5 l/ha möglich.

Messerwalzen mit unterschiedlichen Walzen

Die Messerwalzen mit einem Durchmesser von maximal 50 cm sind verhältnismäßig leicht konstruiert, häufig zweireihig oder in Kombination mit anderen Walzen ausgeführt und können auch als Vorwerkzeug für Grubber oder Scheibeneggen verwendet werden. Ihre größeren Geschwister sind schwerer und als eigenständige Maschine ausgelegt zudem arbeiten sie stets einreihig ohne eine weitere Walze als Ergänzung.

Messerwalzen arbeiten weniger intensiv - Mulcher bearbeiten mehr

Viele Maschinen lassen sich sowohl in der Front als auch im Heck anbauen.

Fahrgeschwindigkeit und Kraftstoffverbrauch müssen jedoch mit dem Zerkleinerungsgrad in Relation gesetzt werden. Eine so intensive Arbeit wie die der Mulcher leisten Messerwalzen nicht, können sie auch nicht. Oft ist diese auch gar nicht nötig oder gewünscht. In vielen Fällen reicht das ein- oder zweimalige schneiden eines Rapsstängels, sodass er keine Probleme für die nachfolgende Getreidesaat bereitet oder das Zwischenfruchtbestände besser in den oberen Bodenschichten eingearbeitet werden können. Allgemein zersetzt sich organisches Material schneller je stärker es aufgefasert und seine Oberfläche vergrößert wird. Besonders bei Winterbegrünungen, die als Erosionsschutz dienen und Stickstoff für die Folgekultur binden sollen, ist eine geringere Aufbereitung sogar positiv.

Welche Messerwalze: Offen oder geschlossen?

Ebenfalls zwei wesentliche Konstruktionsarten bestehen für die Walzen an sich, sofern die Messer über Schrauben mit ihr verbunden sind. Entweder liegen die Messerrücken an dem Walzenkern an oder es ist ein ausreichend großer Freiraum zwischen Messer und Tragwelle vorhanden. Erstere können als geschlossen bezeichnet werden. Hier sind die Messerhalter direkt über Winkel oder Flacheisen mit dem größer ausgelegten Walzenkern verbunden. Dessen erhöhter Durchmesser sorgt für Verwindungssteifheit- So können sich beispielsweise Steine nicht im Inneren der Messerwalze verfangen. Jedoch kann sich zwischen den einzelnen Messerreihen Erde festsetzen und die Schneidwirkung minimieren, da die nutzbare Messerlänge reduziert wird.

Offene Walze ist Erste Wahl bei klebrigen Böden

Offene Walzen sollen diesem Phänomen entgegenwirken, indem sich bindige Erde nach innen durchdrücken kann, nicht anhaftet und wieder aus der Walze geschleudert wird. Hierfür ist die Tragwelle kompakter ausgeführt und längere Messerhalter sorgen für genügend Freiraum.

Messerwalzen anders konstruiert

Der Hersteller Knoche verschweißt die Messer mit den äußeren Haltern und verzichtet auf eine durchgehende Welle.

Alternative Varianten bieten unter anderem Knoche und HeKo. Für seine beweglichen Einzelsegmente verschweißt Knoche die Messer fest mit den äußeren Haltern, die gleichzeitig die Lager aufnehmen. Dadurch kann auf eine durchgehende Welle gänzlich verzichtet werden. HeKo hingegen verbindet vier über die gesamte Arbeitsbreite verlaufende Messer über Schraubverbindungen mit einander. Diese bilden von der Seite betrachtet ein Kreuz mit einem 90-Grad-Öffnungswinkel.

Wie sollen die Klingen gebaut sein - gerade oder gewendelt?

Offene Walzen haben eine kompakte Tragwelle und längere Messerhalter für genügend Freiraum. Für bindige Böden sind sie besser geeignet.

Wie bei jedem anderem Schneidwerkzeug auch bestimmt die Messerform maßgeblich die Arbeit. Die Klingen der Messerwalze haben jedoch zwei zentrale Aufgaben zu erfüllen: Sie müssen zum einen schneiden und zerkleinern und zeitgleich das gesamte Arbeitsgerät über den Acker führen. Bei bis zu 30 km/h Fahrgeschwindigkeit wird den Messern einiges abverlangt. Gerade Schneiden können äußere Kräfte auf ihrer ganzen Länge aufnehmen und sind häufig massiver ausgeführt. Um dennoch einen runden Lauf sicherzustellen, sind die Messer nicht über die ganze Arbeitsbreite in einer Reihe montiert, sondern unterteilt und mit Versatz zueinander verbaut.

Stetigen Bodenkontakt haben gebogenebeziehungsweise gewendelte Messer, je nach Stärke der Verdrehung sitzen ein oder mehrere Punkte der Klinge auf der Oberfläche auf. Dadurch rollt die Walze über den Boden und das Gewicht drückt ebenfalls nur an diesen Stellen. So kann der Schneiddruck höher sein. Aber auch Belastungen wirken zwangsläufig punktueller.

Die Aufhängung von Messerwalzen gibt es als Starr, Pendelnd oder Gefedert

Das gute Abrollverhalten der Walze kann in der Praxis nicht losgelöst vom späteren Einsatzort gesehen werden. Bodenunebenheiten, Furchen sowie Fahrspuren sind auf nahezu jedem Acker zu finden. Für einreihige Walzen, die in Schwimmstellung gefahren werden, ist dies kaum relevant. Ihr Bodenkontakt ist immer sichergestellt und Erschütterungen werden nur teilweise an den Schlepper weitergegeben. Sind hingegen zwei Walzen über einen starren Rahmen miteinander verbunden, sollte der Oberlenker beweglich sein. So kann sich die Maschine frei bewegen und Unebenheiten werden überfahren. Andernfalls würden sich die Walzen bei jedem Hindernis gegenseitig ausheben und an diesen Stellen nicht zufriedenstellend arbeiten. Alternativ sind Geräte verfügbar deren Walzen über einen beweglichen Rahmen mit den Koppelpunkten verbunden sind, vergleichbar mit dem Boogiefahrwerk von Anhängern. Die fixe Positionierung des Oberlenkers sorgt für mehr Fahrkomfort und oft auch für zusätzliche Aushubhöhe. Diese Pendelausgleiche können zudem gedämpft sein zum Beispiel über Gummipuffer. Einige Hersteller bieten darüber hinaus vollständig gefederte Walzen oder Segmente an. Damit kann die Bodenanpassung vergleichbar mit einer klassischen Scheiben- und einer Kurzscheibenegge weiter verbessert und der Fahrkomfort durch geringere Erschütterungen weiter gesteigert werden.

Weitere Werkzeuge für die Messerwalze kombinieren

Je nach Einsatzumfang und Schwerpunkt können Messerwalzen für ein besseres Arbeitsergebnis mit zusätzlichen Werkzeugen ausgestattet werden. Vorlaufende Glattwalzen, Leisten oder Ähnliches drücken den Pflanzenbestand in Fahrtrichtung um. Dies soll die Schnittqualität verbessern, da die Pflanzen am Boden liegen und ein größerer Teil von ihnen rechtwinkelig von den Messern erfasst werden kann. Quer auf dem Acker liegende Pflanzen werden von den Wellscheiben durchschnitten. Ein nachfolgender Striegel kann die zerkleinerten Stängel und Blätter gleichmäßig über den Acker verteilen, darin enthaltene Samen ausschütteln und mit dem Boden vermischen. Zur Sicherheit und zum Schutz vor Beschädigungen empfehlen sich zusätzliche Bleche, die Steine und Erde zurückhalten. Durch die hohen Vorfahrtsgeschwindigkeiten können Steine eine große Wucht besitzen und damit weit weggeschleudert werden. Mit den Schutzblechen lässt sich zudem eine starke Verschmutzung des Traktors vermeiden.

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