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Ernte und Transport

Russische Zollunion: Wer Mähdrescher einführt, zahlt

von , am
05.03.2013

Moskau/Astana - Wer Mähdrscher in die russische Zollunion einführen will, muss seit neuestem einen Sonderschutzzoll zahlen. Der Extrazoll ist vorerst bis Juli gültig, könnte aber ausgedehnt werden.

Der Schutzzoll würde russischen und weißrussischen Produzenten Zeit verschaffen, um Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen. © landpixel
Bei der Einfuhr von Mähdreschern und deren Bauteilen in die Zollunionsländer Russland, Weißrussland und Kasachstan ist letzter Woche ein Sonderschutzzoll von 27,5 Prozent zu entrichten. Die Regelung geht auf einen Ende Dezember 2012 gefassten Beschluss der Eurasischen Wirtschaftskommission (EWK) zurück und soll vorerst bis Juli 2013 gelten.
 
Die Sonderabgabe muss zusätzlich zum Regelimportzoll gezahlt werden, der mit dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) für Mähdrescher von 15 auf fünf Prozent gesenkt wurde; bei Bauelementen beläuft sich dieser auf null Prozent.

Antidumping-Untersuchung soll Klarheit liefern

Wie die Agrarnachrichtenagentur Kasakh-Zerno berichtete, ist bisher auch ein Versuch des kasachischen Landwirtschaftsministeriums gescheitert, eine Genehmigung für die sonderabgabenfreie Drittlandseinfuhr von 200 Maschinen im Jahr zu erhalten. Die EWK hat dem Pressebericht zufolge bislang nicht auf den entsprechenden Antrag Kasachstans reagiert.
 
Wie es ab August 2013 mit dem Sonderzoll weitergehen soll, wird von den dann vorliegenden Ergebnissen einer laufenden Antidumping-Untersuchung abhängig gemacht werden; diese wurde im Juli 2012 auf Antrag der sich benachteiligt fühlenden russischen Landmaschinenproduzenten, Rostselmasch in Rostow am Don und Krasnojarsker Mähdrescherwerke, eingeleitet. Die Überprüfung wurde auch von weißrussischer Seite unterstützt.

Schutzzoll für drei bis vier Jahre denkbar

Die russische Branchenvereinigung Rosagromasch rechnet damit, dass nach dem Abschluss der Antidumping-Untersuchung ein Schutzzoll auf Mähdrescher für den Zeitraum von drei bis vier Jahren eingeführt wird. Das würde ermöglichen, die Importe dieser Maschinen in die drei Zollunionsländern auf dem jetzigen Niveau von jährlich rund 1.000 Stück einzufrieren, erklärte deren Geschäftsführer, Jewgenij Kortschewoj, dem Wirtschaftsinformationsdienst ProdMag.
 
Ohne die Regelung, so Kortschewoj, würden die Einfuhren im bisherigen Tempo weiter wachsen und sich in zwei Jahren verdoppeln. Nach seinen Angaben wurden zuletzt jährlich rund 9.000 Mähdrescher in der Zollunion verkauft. 

Modernisierungsmaßnahmen dringend nötig

Den russischen und weißrussischen Produzenten würde der Schutzzoll eine Verschnaufpause ermöglichen, um Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen und neue Absatzmärkte zu erschließen. Dem Rosagromasch-Geschäftsführer zufolge sind die Importe von Modulen des deutschen Herstellers Claas für das Montagewerk in der Region Krasnodar vom Sonderschutzzoll nicht betroffen; fertig gelieferte Dreschmaschinen wären jedoch voll abgabepflichtig.
 
Wie ernst die Lage für den russischen Landmaschinenbau durch unlauteren Wettbewerb sei, könne man an der erst in letzter Minute abgewendete Insolvenz der Krasnojarsker Mähdrescherwerke erkennen, erläuterte Kortschewoj. Nach seinen Angaben hat dessen Inhaber mittlerweile entschieden, die Mähdrescherproduktion von dem östlich des Ural liegenden Standort in die Teilrepublik Tschuwaschien zu verlagern. Nach Informationen der Moskauer Wirtschaftszeitung "Vedomosti" schreiben die 1941 gegründeten Krasnojarsker Mähdrescherwerke schon seit einigen Jahren rote Zahlen. Im vergangenen Jahr rollten dort nur noch 222 Maschinen vom Band, nachdem es zur Blütezeit 1986 noch rund 16.500 Stück gewesen waren.

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