Login
Ackerbau

Im Test: Pneumatische Drille von Kuhn

© Andreas Holzhammer
von , am
19.05.2015

Pneumatische Drillen: Oft werden sie als Luxus abgetan. Doch Pneumatik, Elektronik und Hydraulik bieten viele Vorteile gegenüber einer mechanischen Drille. Welche, das lesen Sie hier:

Das dlz agrarmagazin hat den pneumatischen Combiliner Venta LC 3000 von Kuhn getestet. © Andreas Holzhammer
Pneumatische Säkombinationen haben in den vergengenen Jahren Marktanteile gewonnen. Die in der Regel höhere Präzision und Flexibilität im Bezug auf unterschiedliche Saatgüter und Aussaatbedingungen ist immer mehr Landwirten den etwas höheren Preis wert. Das dlz agrarmagazin hat den pneumatischen Combiliner Venta LC 3000 von Kuhn getestet. Zur Drillkombination gehört auch immer eine Kreiselegge, was durch den Zusatz Combiliner gekennzeichnet ist.

Hydraulisches Gebläse

Durch den hydraulischen Antrieb des Combiliners Venta LC 3000 ist die Gebläsedrehzahl von der Zapfwellen- oder Motordrehzahl des Traktors unabhängig.
 
Herzstück der Dosiereinheit ist das elektrisch angetriebene Zellenrad:
  • Sein Volumen bestimmt die Aussaatmenge.
  • Die grobe Einstellung erfolgt mittels einer kleinen Drehkurbel an der Seite.
  • Welchen Wert man am besten einstellt, empfiehlt das Quantron-S-2-Terminal nach der Abdrehprobe.
  • Die Feinjustierung übernimmt die Elektronik: Das Terminal steuert die Drehzahl des Zellenrads.
  • Der Behälter fasst 1.200 l. Der Deckel öffnet im 90-Grad-Winkel, die Öffnung misst 2,10 x 1,10 m.

Wer den Tank von der Maschinenrückseite her befüllen will, muss über Säschiene und Striegel reichen. Da kann es mit einem Frontladerschlepper knapp werden. Hier sollte man eher zum Teleskoplader greifen, oder - wenn möglich - von der Seite befüllen. Durch die konische Form wird das Zellenrad auch in hügeligem Gelände zuverlässig gleichmäßig mit Saatgut versorgt. Restmengen können über eine Klappe am Dosierorgan schnell entleert werden. Allerdings geht es dort etwas beengt zu. Die passende Auffangwanne liefert Kuhn mit.

Verteiler auf Saatguttank

Der Verteilerkopf liegt außen auf dem Deckel des Saatguttanks. Das hat mehrere Vorteile:
  • Der Behälter ist leichter zugänglich und damit leichter zu befüllen, weil der Verteilerkopf nicht im Weg steht. Andererseits hat man auch Zugang zum Verteiler, wenn der Behälter randvoll ist.
  • Verteiler und Saatgutleitungen lassen sich so jederzeit einfach reinigen.
  • Wer Raps mit doppeltem Reihenabstand säen will, kann die Maschine zudem schneller umstellen: einfach Schließstopfen einsetzen, um die nicht benötigten Saatgutauslässe im Verteilerkopf zu blockieren. 
Die Fahrgassenschaltung übernimmt ein vom Quantron S-2 gesteuerter Elektrozylinder, der die Schaltelemente betätigt. Das Saatgut aus den blockierten Schläuchen wird in den Tank zurückgeführt.
 
Schönes Detail: Ob die Fahrgassenschaltung aktiv ist, sieht der Fahrer nicht nur digital im Terminal, sondern auch physisch an der Maschine selbst. Die Stellung der Schaltelemente kann er nämlich von der Kabine aus direkt sehen.

Zuverlässige Säelemente

Hat das Korn den Tank durch die Saatgutschläuche einmal verlassen, sorgt das Seedflex-Säelement dafür, dass es auch in der Erde landet. Das einzeln über ein Parallelogramm geführte Doppelscheibenschar ist bei der Combiliner Venta 3000 LC serienmäßig verbaut. Die beiden Scheiben des Seedflex-Schars sind gleich groß. Ihre Achsen sind zueinander versetzt, sodass die hintere Scheibe im Schatten der vorderen läuft.
 
Vorteil: Die vordere Scheibe kann sich um bis zu 3 cm abnutzen, bevor ein Zwischenraum entsteht. Bei parallel laufenden Scheiben reichen oft schon 5 mm aus, damit ein Zwischenraum entsteht. Die Seedflex- Scheiben haben also eine höhere Standzeit. Durch den Versatz berühren sich die Scheiben zwar, schleifen aber nicht aneinander. Das verringert den Verschleiß.
 
Durch den weiten Scharschritt von 35 cm zwischen den beiden Scharreihen ergibt sich trotz der 24 Reihen auf 3 m Arbeitsbreite ein relativ großer Durchgang. Weniger Verstopfungen sind die Folge. Hinter dem Schar sitzt eine breite Andruckrolle – optional mit Abstreifer. Sie sorgt für eine zuverlässige Tiefenführung und eine optimale Rückverfestigung.
 
Vorteil: Bei hohen Fahrgeschwindigkeiten oder unebenen Flächen bleibt die Ablagegenauigkeit sehr hoch. 

Grundeinstellung mit Spindeln

Die Arbeitstiefe der Säelemente geben die Andruckrollen vor. Das komplette Doppelscheibenschar ist an einem Parallelogramm aufgehängt.
  • Kippt es nach vorne, geht die Andruckrolle nach oben und das Schar tiefer in die Erde.
  • Kippt es nach hinten, geht die Andruckrolle nach unten und das Schar arbeitet flacher.
  • Die Drehgelenke und das Parallelogramm sind wartungsfrei konstruiert und kommen ohne Schmiernippel aus.
  • Die Lage der Parallelogramme lässt sich über Spindeln rechts und links verstellen. Dazu braucht es einen speziellen Schlüssel, der praktischerweise auf der linken Seite der Maschine eingehängt wird, wenn er nicht gebraucht wird. So ist er stets dabei. 

Schardruck

Der Schardruck wird über die Höhe der Säschiene zum Boden bestimmt (siehe Foto 1 auf Seite 82). Es zeigt sich derselbe Nachteil wie bei der Einstellung der Sätiefe: Eine Spindel lässt sich immer nur drei bis vier Umdrehungen bewegen, dann muss man die Seite wechseln und die andere Spindel nachdrehen, um die Spannung abzubauen. So läuft man hin und her.
 
Die Feineinstellung des Schardrucks erfolgt über Federn, die man für jedes Schar einzeln einstellen muss. Das dauert seine Zeit.
 
Maximal sind 45 kg Schardruck möglich, was für die Aussaat nach der Kreiselegge völlig ausreicht. Wir haben mit der Combiliner Venta LC 3000 Zwischenfrucht, Wintergerste und Winterweizen auf leichten, anmoorigen, aber auch schweren Lehmböden gesät. Mit der Arbeitsqualität der Seedflex-Schare waren wir unter allen Bedingungen zufrieden.

Terminal

Das Quantron-S-2-Terminal hat das Quantron S abgelöst. Es bietet einen größeren Bildschirm mit Farbanzeige und GPS-Funktionen zum Beispiel über eine Trimble- Schnittstelle. Leider ist es nicht ISOBUS-fähig.
 
Im Terminal sind ab Werk alle gängigen Saatgüter hinterlegt. Daraus kann sich der Fahrer eine eigene Liste mit seinen am häufigsten verwendeten Sorten erstellen. Hat man das Saatgut ausgewählt, stellt das Terminal aber nicht automatisch alle Parameter ein. Es gibt lediglich an, was wie einzustellen ist. Wählt man beispielsweise Weidelgras, zeigt es an, dass der Feinsaatschieber eingestellt werden muss. Den Schieber einfahren muss der Fahrer selbst. Als Nächstes gibt der Fahrer die gewünschte Ausbringmenge und Arbeitsgeschwindigkeit an. Das Terminal berechnet die Einstellungen dann so, dass bei diese Fahrgeschwindigkeit genug Luft nach oben und unten ist, um auf unterschiedliche Bodenverhältnisse reagieren zu können.
 
Die minimale und die maximale Fahrgeschwindigkeit zeigt das Terminal nach der Abdrehprobe. Das begrenzende Element für die Geschwindigkeit ist die Kreiselegge.

Abdrehprobe

Hat man dem Terminal Saatgut, Ausbringmenge und Arbeitsgeschwindigkeit genannt, kann man mit der Abdrehprobe beginnen. Dazu muss man nur eine Klappe an der Dosiereinheit öffnen und einen Behälter unterstellen. Das Drehen übernimmt das System - dem elektrischen Zellenradantrieb sei Dank. Wenn es genug Umdrehungen gemacht hat, schaltet es automatisch ab.
 
Mit der mitgelieferten Waage kann man nun die abgedrehte Saatgutmenge wiegen. Den Wert gibt man wiederum im Terminal ein, das diesen dann auf 1 ha hochrechnet. Passt die Saatmenge, kann man loslegen; wenn nicht, wird erneut abgedreht. 

Fazit

Die Kuhn Combiliner Venta LC 3000 hat bei unseren Testern einen sehr guten Eindruck hinterlassen.
  • Die Kombination ist schnell angebaut und befüllt.
  • Mit dem Feldaufgang waren wir sehr zufrieden.
  • Die Grundeinstellungen sind mit Spindeln und Federn leicht verständlich und ebenfalls flott erledigt.
  • Das gut ablesbare Terminal führt den Anwender leicht verständlich durch die Abdrehprobe und weitere Einstellungen.
  • Der größere Behälter, seine verlässlichere Entleerung im hügeligen Gelände, die einfacheren und genaueren Einstellmöglichkeiten sowie das elektronische Dosieraggregat rechtfertigen den Mehrpreis im Vergleich zur mechanischen Drille.

Bei der Testmaschine kam eine HR 304 Kreiselegge zum Einsatz. Mehr zu diesem Gerät in Kombination mit der Drillmaschine finden Sie im Teil 2 des Testberichts am 26. Mai.

Auch interessant