Login
Ackerbau

Trendbericht Bodenbearbeitung: "Auf dem Boden bleiben"

von , am
13.06.2014

Der Boden ist das wichtigste Kapital in der Landwirtschaft. Die Agrartechnik sprach mit einigen führenden Herstellern für Geräte zur Bodenbearbeitung über die Marktentwicklung und aktuelle Tredns.

Um für die verschiedensten Anwendungen die optimale Bodenbearbeitung zu ermöglichen, haben sich zahlreiche Geräte etabliert. Im Rahmen der DLG-Feldtage werden wieder Vorführungen stattfinden und verschiedene Versuchsreihen zu sehen sein. Die dlv-Fachzeitschrift Agrartechnik hat bei einigen Herstellern nachgefragt, wie sich der aktuelle Technikeinsatz darstellt, welche Trends zu beobachten sind und wie die Zukunft der Bodenbearbeitung aussehen könnte. 

 

Kurzscheibenegge

Bei Kurzscheibeneggen ist ein deutlicher Trend zu größeren Scheiben festzustellen. Mit diesen kann tiefer gearbeitet werden.
Die Kurzscheibenegge ist eines der jüngsten Geräte zur Bodenbearbeitung. Dennoch hat sie in der relativ kurzen Zeit eine weite Verbreitung gefunden und ist bei allen großen Herstellern für Bodenbearbeitungsgeräte im Produkt-Programm. Agrartechnik hat bei Pöttinger nachgefragt, ob sich der Siegeszug der Kurzscheibeneggen weiter fortsetzt und in welche Richtung die Trends gehen. Produktmanager Alois Kirchmayr sagt: "Die Bedeutung der Kurzscheibenegge und die Zuwächse bei den Verkaufszahlen sind leicht steigend." Sehr deutlich sei der Trend zu größeren Scheibendurchmessern zu erkennen, da auch verstärkt tiefer gearbeitet werde." Außerdem sei aufgrund der vielen Einsatzmöglichkeiten von Kurzscheibeneggen eine immer größere Auswahl an Nachläufervarianten notwendig geworden. Bei der Kurzscheibenegge als Solomaschine sieht Pöttinger keinen Bedarf zur teilflächenspezifischen Bewirtschaftung. "Wir integrieren aber eine vollwertige Kurzscheibenegge in die Mulch­­­sa­at­maschine Terrasem, bei der wir eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung ­anbieten", sagt Alois Kirchmayr. Optimierungspotenzial besteht laut Kirchmayr dahingehend, dass die Einsatzdauer erhöht wird, wie zum Beispiel die Kombination mit einer Aufbausämaschine. Die neue Terradisc multiline stelle solch eine Maschine dar.
 

Grubber

In den letzten Jahren ist eine immer spezifischere Bodenbearbeitung, je nach den Gegebenheiten, zu beobachten. Ein neuer Trend ist die gleichzeitige Düngung beim Grubbern.
In Deutschland werden rund 40 Prozent aller Flächen pfluglos bearbeitet, auch in Europa ist der Wert sehr hoch und somit die Bedeutung des Grubbers wichtig. Hinzu kommt, dass er eine wichtige Maschine in der Stoppelbearbeitung ist. Weltweit dominiert jedoch eher die Direktsaat. Horsch ist eines der Unternehmen, die ausschließlich auf pfluglosen Ackerbau ausgerichtet sind und dies auch in Zukunft nicht ändern wollen. Deshalb haben wir Michael Braun, Teamleiter Produktmarketing gefragt, welche Trends im Grubberbau zu beobachten sind. "Der extreme Trend der letzten Jahre lautet Individualisierung. Die Bodenbearbeitung wurde und wird immer spezifischer nach Standort, Boden und Fruchtfolge ausgerichtet. Daraus resultiert auch die enorme Produktvielfalt in der Bodenbearbeitung. Wo es vor zehn Jahren einen Universalgrubber mit einer Ausstattung für alle Standorte gab, bietet der Markt heute viele Produkte mit individuellen Ausstattungsoptionen, wie Packer, Schare und so weiter." Als weiteren Trend sieht Michael Braun das Dünger­ausbringen direkt in der Bodenbearbeitung. Horsch reagierte darauf beispielsweise zur Agritechnica 2013 mit dem Hecktank Partner.

Pflug

Der Pflug ist das älteste Gerät zur Bodenbearbeitung, aber dennoch aktuell und zukunftsfähig. Dazu muss sein Einsatz entsprechend angepasst werden, zum Beispiel in der Arbeitstiefe.
Der Pflug gilt als eines der ältesten Geräte in der Landwirtschaft. Er war aber in den vergangenen etwa 20 Jahren aufgrund der immer weiter angewandten konservierenden Bodenbearbeitung oft Gegenstand kontroverser Diskussion und ihm wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb wollten wir von Kverneland, als einem der alteingesessenen Pflughersteller wissen, wie sich das wichtigste Gerät zur Bodenbearbeitung heute darstellt. "Die Tendenz zum Pflugeinsatz ist in Deutschland wieder steigend! In vielen anderen Ländern, in denen der Pflug genutzt wird, sieht das ähnlich aus", sagt Dominik Haselhorst, Produktmanager für Bodenbearbeitung bei Kverneland.
 
Was aber führt zum Einsatz des Pfluges in der mehrjährigen Fruchtfolge alle zwei bis drei Jahre oder gar zur jährlichen Anwendung? "Sicherlich sind die bekannten positiven Argumente ausschlaggebend. Zudem spielen weitere Einflussgrößen auf die Auswahl des passenden Bodenbearbeitungsverfahrens eine wichtige Rolle. Da wären zum Beispiel Standortbedingungen wie Bodenvorkommen und klimatische Voraussetzungen, außerdem Fruchtfolgen, Gesetze und Richtlinien und nicht zuletzt die Affinität des Betriebsleiters." 

Aktive Saatbettbereitung

Kreiseleggen sind vielseitig einsetzbar und hinterlassen ein feinkrümeliges Saatbett. Für die Zukunft wäre es denkbar mit elektronischen Steuerungen den Fahrer zu entlasten.
Die Kreiselegge ist für viele landwirtschaftliche Betriebe die Leitmaschine zur optimalen Saatbettbereitung. Andere aktiv angetriebene Geräte, wie zum Beispiel die Fräse spielen, wenn überhaupt, nur noch für Spezialanwendungen oder unter extremsten Bedingungen eine Rolle. In konventionellen und in konservierenden Bestellverfahren, im Soloeinsatz und in Kombination mit Drill- oder Pflanzmaschinen - eine leistungsfähige Kreiselegge ist vielseitig einsetzbar. Dabei lässt sich durch das Zusammenspiel von Arbeitstiefe, Fahrgeschwindigkeit, Drehzahl und Drehrichtung der Zinken, wie bei keinem anderen Saatbettbereitungsgerät, unter fast allen Bedingungen ein feinkrümeliges und ebenes Saatbett erstellen. Ein weiterer Spezialist für Bodenbearbeitunsgeräte ist Lemken. Deshalb haben wir Josef Böcker aus dem Marketing und Lars Heier, Marketingleiter, gebeten uns ihre Einschätzung und Erfahrung zum Thema Kreiseleggen darzustellen. "Lemken verfolgt weiter den Weg der Baukas­tenlösung, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, eine für seine Bedingungen optimale Kreiselegge zu konfigurieren", sagt Josef Böcker. "Er kann beim Getriebe zwischen einem Wechselrad- oder Schaltgetriebe wählen. Zinken in unterschiedlichen Abmessungen werden als Schraub- oder Schnellwechselzinken angeboten, für ­besonders hohe Beanspruchungen auch in aufgepanzerter Form."
 
Verschiedene Walzen zur Rück­verfestigung stünden zur Verfügung. In Kombination mit Sätechnik würden sehr häufig Walzen zur gezielten Reihenvorverdichtung eingesetzt. Zudem liege eine Erhöhung des Be­dienkomforts voll im Trend. So bietet Lemken jetzt für die neue Baureihe Zirkon 12 optional eine hydraulische Arbeitstiefenverstellung an. "Im Bereich der Bodenbearbeitung werden elektronische Steuerungen vielfach zur Erhöhung des Bedienkomforts oder zur Überwachung verschiedener Funktionen genutzt. Beim Kreiseleggenprogramm bietet Lemken optional für den Soloeinsatz eine akustische Gelenkwellenüberwachung an. In Verbindung mit der elektronischen Drillmaschinensteuerung Solitronic wird am Bedienterminal ein optischer und akustischer Alarm ausgelöst, wenn sich die Gelenkwellen in Arbeitsstellung nicht mehr drehen", sagt Lars Heier. 

Strip-Till

Beim Strip-Till-Verfahren wird nur der Teil des Bodens bearbeitet, in den später die Saatgutablage erfolgt. Besonders, wenn wenig Wasser zur Verfügung steht, ist dieses Verahren beliebt.
Sicher kann man sich streiten, ob Strip-Till-Verfahren zum Thema Bodenbearbeitung gehören oder besser bei der Sätechnik angesiedelt sind. Wir sind aber der Meinung, dass sie im Grunde auch eine Bodenbearbeitung darstellen, wenn auch nicht ganzflächig und zum Teil unmittelbar mit der Saat zusammen hängend. An erster Stelle stehen natürlich die Fragen zum Einsatz: Für welche Kulturen ist Strip-Till geeignet? Welche Rolle spielen die Standortfaktoren? Ist ein kombiniertes oder ein absätziges Verfahren das bessere? Welche Rolle spielt die Düngung? Wie muss die Maschine konzipiert sein? Ist das Verfahren überhaupt sinnvoll, für einen Hochertragsstandort wie Deutschland? Da Kuhn bereits seit fünf Jahren auf diesem Gebiet in Deutschland aktiv ist, fragten wir Rainer Krug, Verkaufsleiter, zum Thema Strip-Till. "Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, dass der Einsatz von Strip-Till und Aussaat zum gleichen Zeitpunkt mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt", blickt Rainer Krug auf die ersten Versuche zurück. "Der beste Zeitpunkt, um beispielsweise im Frühjahr die Streifenbearbeitung für eine spätere Maisaussaat durchzuführen, ist oft Ende Februar oder Anfang März. Dann kann in die abgestorbene Zwischenfrucht ein Streifen (von 25 Zentimeter Breite) gezogen, der Boden zum Aufwärmen gelockert und eine Depotdüngung angelegt werden." Die Maisaussaat selbst würde dann fünf bis acht Wochen später stattfinden. Auf den vorgewärmten, gelockerten, unkrautfreien Boden und auf die Depotdüngung reagiere der Mais-Keimling sehr positiv. "Die Rückmeldungen unserer Kunden, die den Strieger einsetzen, bestätigen, dass das absätzige Verfahren alternativlos ist?, sagt der Verkaufsleiter.
 
Der Strieger ist ein Gerät, das mit fünf Werkzeugen arbeitet: einer Schneidscheibe, die Pflanzenrückstände durchschneidet und den Weg für den Zinken öffnet. Danach folgen der Sternklutenräumer, der die Saatrille von Pflanzenrückstanden freiräumt und der federgesicherte Zinken, der bis zu 30 Zentimeter tief arbeiten kann. "Seitliche Wellscheiben produzieren Feinerde, sorgen für eine schnellere Erwärmung des Saatbettes und schaffen damit die Voraussetzungen, für einen guten Feldaufgang. Die zuletzt folgenden Andruckrollen bewirken eine vernünftige Rückverfestigung und verbessern ebenfalls die Krümelstruktur?, erklärt Rainer Krug. Das Gerät könne sowohl auf leichten, als auch auf schweren Böden eingesetzt werden. Seine Vorteile spiele das Verfahren aber besonders auf Standorten aus, wo Wasser gespart werden müsse.  "Mit Hilfe des RTK GPS-Systems lässt sich Strip-Till dauerhaft in den landwirtschaftlichen Alltag integrieren", ist man bei Kuhn überzeugt.
Interessiert? Weitere ausführliche Informationen zu den Themen passive/aktive Saatbeetbereitung, Nachläufer/Rückverfestigung und zur Bodenbearbeitung finden Sie im aktuellen Heft oder hier.

Sie sind noch kein Abonnent der Agrartechnik? Das können Sie hier ändern.
Auch interessant