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Ackerbau

Trends in der Einzelkornsätechnik

© Amazone
von , am
05.01.2015

Schneller fahren, genauer legen, exaktere Tiefenführung und universellere Verwendung - bei der Einzelkornsätechnik hat sich in letzter Zeit viel getan. Vier Haupttrends stechen hervor.

Bei der Entwicklung der Tempo von Väderstad war es das Ziel, 28 Samen pro Sekunde legen zu können. Daraus resultieren sehr hohen Fahrgeschwindigkeiten. © Werkbild
Namhafte Firmen wie Horsch, Väderstad, Lemken und Pöttinger haben in den letzten Jahren die Entwicklung der Einzelkornsätechnik mit vorangebracht. Wer als "später Folger" Marktanteile erlangen will, muss entweder wesentlich preisgünstiger anbieten oder seine Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen ausstatten. Dies brachte dem Segment zusätzliche Innovationen. Vier Haupttrends kennzeichnen die aktuelle Entwicklung:
 
1. Höhere Arbeitsgeschwindigkeiten sind mittlerweile der wesentliche Faktor zur Erhöhung der Schlagkraft. Grund: Der technische Aufwand für das Klappen der Rahmen auf Straßentransportmaße und für die Bodenanpassung steigt mit zunehmender Arbeitsbreite überproportional. Zudem möchten viele Landwirte kleine Traktoren bei der Einzelkornsaat verwenden, um Bodenverdichtungen in den oft feinkrümeligen Saatbeeten zu vermeiden.
 
2. Die Bodenbearbeitung wird vor allem bei der Maisaussaat weiter optimiert und oft minimiert, um Kosten zu sparen. Das zunehmende Angebot an Streifensaatmaschinen spiegelt diesen Trend wider.
 
3. Die Aussaat in definierten Mustern (Dreiecks- oder Rechteckverband) auch über die Arbeitsbreite der Maschine hinaus sollte angestrebt werden. Dies ermöglicht mechanisches Querhacken sowie beste Nutzung von Wasser, Nährstoffen und Licht durch die Pflanzen.
 
4. Mit der Möglichkeit, Einzelkornsämaschinen auch für die Aussaat von Raps und Getreide einzusetzen, kann der Landwirt flexibel agieren. Ein Wechsel auf das teurere, aber auch bei Getreide zunehmend angebotene Hybridsaatgut, ist so eher möglich.

Wesentliche Aufgaben von Einzelkornsämaschinen

  • Saatgut unterschiedlicher Größe und Form in definierten Abständen einzeln ablegen
  • exakte Ablagetiefeund Bedeckungshöhe der Saat (unabhängig voneinander)
  • Saatgut auch bei vorhandenen Rückständen im Saatbeet exakt einbetten
  • Saatreihen gleichmäßig und definiert rückverfestigen um die Kapillarität zu verbessern
Dazu kommen auch häufig nachgefragte Zusatzaufgaben
  • gleichzeitige Ausbringung von Düngemitteln/Herbiziden/Insektiziden
  • Möglichkeit von Teilbreitenabschaltungen und Anlage von Fahrgassen
  • Körnerzählung oder Kontrolle des Saatgutflusses

Einzelkornsätechnik: Mechanische Kornablage

Einzelkornsämaschinen mit mechanischer Vereinzelung besitzen Zellenräder, die mittels am Umfang befindlicher speziell geformter Aussparungen (Zellen) jeweils ein Korn aus dem Saatgutvorrat entnehmen und durch die Drehung der Scheibe abwärts in das Schar transportieren. Dort werden die Saatkörner in geringer Höhe über dem Furchengrund (3 bis 6 cm) freigegeben. Dabei kann die Umfangsgeschwindigkeit der Säscheiben so gewählt werden, dass sie annähernd oder genau gleich der Arbeitsgeschwindigkeit der Maschine ist ("Nullablage").
 
Vorteil: Höchste Präzision bei geringem Aufwand - Das Korn fällt annähernd senkrecht nach unten und verrollt auch bei hohen Arbeitsgeschwindigkeiten nicht in der Furche. Nachteil: Mechanische Vereinzelung klappt nur bei kugelförmigem und kalibriertem Saatgut. Pilliertes Rübensaatgut und kalibrierter Raps sind am besten geeignet.

Einzelkornablage: Pnematische Vereinzelung

Übersicht mechanische/pneumtische Kornvereinzelung © Werkbilder
Einzelkornsämaschinen mit pneumatischer Vereinzelung sind für unpillierte natürliche Saatgüter von Feinsaaten (z. B. Möhren) bis zu großen Bohnen einsetzbar. Zur Kornvereinzelung verwenden die meisten Systeme Unterdruck. Die Körner werden an die Löcher einer rotierenden Säscheibe gesaugt und durch Abstreifer vereinzelt. Meist wird der Unterdruck im Abwurfpunkt unterbrochen und die Körner fallen anschließend im freien Fall in die geöffnete Furche. Die Fallhöhe beträgt mindestens 10 cm.
 
Nachteil: Die Umfangsgeschwindigkeit der Sälöcher ist wesentlich kleiner als die Arbeitsgeschwindigkeit der Maschine. Die Körner fallen nach dem Lösen von der Säscheibe nicht senkrecht nach unten, sondern bewegen sich mit einer Restgeschwindigkeit in Fahrtrichtung der Maschine, wodurch es zum Verrollen in der Furche kommen kann. Dieser Effekt tritt vor allem bei verschlissenen Säscharen auf.
 
Alle Neuentwicklungen bei den "High Speed Drillen" der vergangenen Jahre richten sich auf die Verbesserung der Genauigkeit nach dem Lösen der Körner von der Säscheibe:
 
Horsch arbeitet in der Maestro mit Unterdruck und verwendet Säscheiben mit radial nach außen geöffneten Sälöchern, wodurch ein definierter Abwurf senkrecht nach unten gewährleistet werden soll.
 
Väderstad entwickelte für die Tempo ein System, bei dem Druckluft sowohl für die Vereinzelung der Körner an der Säscheibe als auch zum Transport in die Furche genutzt wird.
 
Amazone bietet mit der EDX ein zentrales Vereinzelungssystem an. Eine zentrale Trommel vereinzelt die Körner für acht bis zehn Reihen mit Überdruck, das weitere Funktionsprinzip gleicht dem von Väderstad.

Einzelkornsätechnik: Exakte Tiefenablage

Säreihe mit nachlaufender Tiefenführung. Diese Konstruktion ermöglicht eine einfache, robuste und schmale Bauweise. © Werkbild
Die Genauigkeit der Tiefenablage ist neben der Vereinzelung entscheidend für das Gelingen der Einzelkornsaat. Als preiswerte Lösung haben sich parallelogrammgeführte Säreihen mit einer vor- oder nachlaufenden Tiefenführungsrolle etabliert.
  • Vorteil: Einfache, robuste und schmale Bauweise
  • Nachteil: Zweimaliges Ausheben des Schares beim Überfahren eines Hindernisses
Vor allem bei mulchsaatfähigen Systemen haben sich direkt im Scharbereich angeordnete seitliche Tiefenführungsrollen durchgesetzt. Dadurch wird das Schar beim Überfahren eines Hindernisses nur einmal angehoben. Das genaueste Tiefenführungssystem bei gleichzeitig schmaler Bauweise ist eine Kombination aus vor- und nachlaufender Druckrolle. Dadurch erreicht man eine sehr geringe Vertikalbewegung des Säschares beim Überrollen von Hindernissen.
 
{BILD:625252:jpg}Lemken arbeitet mit einer vorlaufenden Trapezpackerwalze zur Tiefenführung, Rückverfestigung zwischen den Reihen und Vorformung der Saatfurchen. Dadurch soll das System mit einer zentralen Tiefenführungsrolle pro Säeinheit zwischen den Schneidscheiben auskommen.
 
Beim Pöttinger PCS (Precision Combi Seeding) kann eine Getreidedrillmaschine mit zusätzlichen mechanischen Vereinzelungsaggregaten ausgerüstet werden und mit den für die Getreidesaat verwendeten Doppelscheibenscharen Mais legen. Somit kann
Mais auch ohne teure Einzelkornsämaschine mit mulchsaattauglichen Drillmaschinen gelegt werden und trotzdem gute Erträge liefern.

Neue Rahmenkonzepte bei der Einzelkornsätechnik

Wurden Einzelkornsämaschinen bis vor einigen Jahren ausschließlich als Anbaumaschinen von den Kunden akzeptiert, gewinnen heute aufgesattelte Maschinen zunehmend Marktanteile. In der Praxis hat sich hierfür die Bezeichnung gezogene Maschine durchgesetzt, obwohl die Maschinen auch Stützkräfte auf den Traktor übertragen. Diese Maschinen müssen zum Straßentransport und am Vorgewende nicht mehr komplett im Dreipunkt getragen werden und kommen mit kleineren Traktoren aus. Weitere Vorteile der gezogenen Maschinen sind:
  • große Tankinhalte für Dünger und/oder Saatgut
  • Arbeitsbreiten über 9 Meter
  • durch "Seed on Demand-Systeme" wird Saatgut aus einem zentralen Vorratstank zu den Säreihen geliefert
Nachteile sind eine größere Länge und schwierigere Manövrierbarkeit der gezogenen Maschinen. Kritisch bei diesen Maschinen ist die Lastverteilung zu sehen:
  • Positive Stützlasten am Koppelpunkt müssen unter allen Bedingungen vorliegen, um Unfälle zu vermeiden.
  • Beim Säen kann nur so viel Stützlast auf die Säreihen verteilt werden, wie Gewicht auf der Säschiene vorhanden ist.
  • Zu hohe Radlasten verursachen Spuren bei wenig tragfähigen Böden.

Lösungen bei den Rahmenkonzepten

Die Horsch Maestro 24.75 legt 24 Saatreihen. © Werkbild
Bei der Horsch Maestro SW wird die Säschiene in Fahrtrichtung so dicht wie möglich hinter die Tragräder montiert, um das Hochschlagen der Maschine beim Anheben der Säschiene zu verhindern.Bei der TF Maxi von Kvernelandwird das Fahrwerk hinter der Säschiene montiert und beim Säen komplett ausgehoben. Dies überträgt zusätzliches Gewicht auf die Säreihen und sichert stets positive Stützlasten.
 
Gezogene Säwagen mit Heckdreipunkt als Trägerfahrzeug für verschiedene Säschienen (Drillsaat und Einzelkornsaat) haben mehrere Hersteller (z. B. Kuhn, Amazone, Kverneland) im Angebot. Diese Säwagen stellen stets einen Kompromiss dar für viele zum Teil widersprechende technische Anforderungen und benötigen oft aufwändige Zusatzausrüstungen (z. B. ein zweites Gebläse).
 
Prüfen Sie daher sorgfältig alle Kosten gegenüber Einzelmaschinen, wenn Sie die Investition in ein solches System planen.
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