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Ernte und Transport

Trends in der Kartoffelernte: 'Kartoffelkönige unter sich'

© Werkbild
von , am
15.08.2014

Bei Neuentwicklungen in der Erntetechnik für Kartoffeln geht es nicht nur um Leistungssteigerung. Wohin es geht, kann man auf der PotatoEurope im September sehen. Agrartechnik hörte sich bei den Herstellern um.

Am 3. und 4. September 2014 präsentiert sich zum dritten Mal nach 2006 und 2010 die internationale Kartoffelbranche in Deutschland. Das Ereignis für die Kartoffelprofis, die PotatoEurope 2014, findet erneut auf dem Rittergut Bockerode in Springe-Mittelrode bei Hannover statt. Veranstalter ist die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Zusammenarbeit mit der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA).
 
Herzstück der diesjährigen PotatoEurope sind die Maschinenvorführungen. Aufgrund des großen Besucherinteresses  der vergangenen Jahre wurde die Vorführfläche auf fast 30 Hektar ausgedehnt und damit im Vergleich zur Veranstaltung 2010 fast verdoppelt. Auch das Angebot der Technikanbieter ist überaus vielfältig. Gezeigt werden im praktischen Einsatz: neun Legemaschinen, 14 ein-, zwei- und vierreihige Kartoffelroder, sowohl Selbstfahrer als auch gezogene Roder sowie Verladelinien verschiedener Hersteller. AGRARTECHNIK hat die Marktführer in der Erntetechnik zu ihrer Einschätzung der Branche und den Trends in der Kartoffelernte befragt.

Zweireiher verstärkt im Einsatz

Schon früh stieg Dewulf in den Bau von selbstfahrender Erntetechnik ein. © Werkbild

Betrachtet man die Erntetechnik für Kartoffeln, so ist auch hier in den letzten Jahren ein eindeutiger Trend in Richtung mehr Schlagkraft zu erkennen. Zwar liegen die Stückzahlen der gezogenen Erntetechnik laut Jürgen Feld, Marketingleiter bei Grimme, noch weit vor denen der Selbstfahrer, allerdings halte der Trend hin zur Selbstfahrtechnik an. "Mittlerweile werden bei den gezogenen Varianten mehr zwei- als einreihige Kartoffelroder verkauft", sagt er.
 
Ähnlich sieht es Ropa-Markteingleiter Maximilian Engelbrecht: "Derzeit entwickeln wir schwerpunktmäßig ein- und zweireihige Erntetechnik, da hier immer noch der Kernmarkt im Bereich der Erntetechnik liegt. Segmente wie Überladeroder und Selbstfahrer, die unser Portfolio abrunden, sollen folgen. Erst wollen wir uns aber auf die Standardtechnik konzentrieren, um anschließend die Erfahrungen der Kartoffelrodetechnik mit unseren Kernkompetenzen Selbstfahrtechnik paaren zu können."
 
Anders ist es bei Dewulf. Joke Vuylsteke, sie ist zuständig für den Vertrieb in Deutschland sagt: "Bei uns überwiegen die zweireihigen Maschinen. Wir sind schon jahrelang Marktführer im Selbstfahrersegment und der R3060 ist nach wie vor unser Bestseller. Seit der Einführung dieses Modells wurden schon mehr als 300 Maschinen verkauft. Man merkt allerdings, dass der Trend in den letzten Jahren spürbar in Richtung Vierreiher geht."

Reinigungsleistung erhöhen

Das Potenzial zur Steigerung der Ernteleistung liegt nicht alleine in der Größe und Ausstattung der Roder. AVR nennt hier drei wesentliche Punkte: Die Bodenbearbeitung vor dem Legen, die Logistik  und die Reinigungsleistung der Erntemaschine. "Eine gute Bodenbearbeitung kann die Ernteleistung erhöhen, denn wenn man schon im Frühjahr Kluten hat, hat man diese auch beim Ernten", ist Pieter Galle, AVR-Marketing, überzeugt. Bei der Logis­tik lasse sich zum Beispiel mit einem  Überladebunker Zeit sparen, denn das Entleeren erfolgt während der Fahrt. Grundvoraussetzung sind natürlich genügend Transportkapazitäten. Die Herausforderung beim Roden und der Reinigung sei außerdem ein schonender Umgang mit den Kartoffeln.
 
Die Elektronik spielt für Grimme bei der Steigerung der Reinigungsleistung eine sehr große Rolle. "Wir haben als einziger Hersteller TIM-fähige (Traktor Implement Management) Kartoffelroder im Angebot, die die Fahrgeschwindigkeit sowie die Zapfwellendrehzahl optimal steuern können," sagt Jürgen Feld. Das entlaste den Roderfahrer von Regelungsaufgaben und die Maschine könne immer im optimalen Auslastungsbereich gefahren werden, ohne dass eine Verstopfungsgefahr bestehe.

Ertragserfassung noch am Anfang

In den letzten Jahren hat bei Grimme die Nachfrage nach zweireihiger Erntetechnik zugenommen. © Werkbild
Elektronische Steuerungen, Datenerfassung und -weitergabe, sowie Fernüberwachung per Telemetrie sind in der Landtechnik keine Seltenheit mehr. Doch welche Bedeutung haben sie in der Kartoffelerntetechnik?" Durch den vollhydraulischen Antrieb und die ISOBUS-Steuerung lassen sich die gezogenen Kartoffelroder sehr gut regeln und mit einer intelligenten Software auch zum Teil automatisch steuern. Hierbei können bereits sehr viele Daten beispielsweise für die Telemetrie erfasst werden. Eine Schnittstelle zur mobilen Datenübertragung zum Beispiel mittels GSM ist grundsätzlich möglich", sagt Dr. Rupert Geischeder, Leiter Sparte Kartoffeltechnik bei Ropa. Spezielle Features wie Ertragskartierung und Verschmutzungsgrad, gepaart mit GPS, seien ebenso denkbar.
 
"Unsere Maschinen registrieren diverse Flächendaten. Es laufen im Moment auch die ersten Proben bezüglich der Erfassung von Ertragsdaten, aber im Moment wird dieses noch nicht vermarktet bei uns", heißt es von Dewulf.

Personal entlasten

Das Flaggschiff des belgischen Unternehmens AVR ist der vierreihige Roder Puma+.
"Die Maschinen werden immer komplexer und somit kommen viele neue Regelungsaufgaben auf den Bediener zu", sagt Grimme-Marketingleiter Jürgen Feld mit Blick auf die aktuellen Trends. "Die Elektronik hilft hier massiv, den Fahrer zu entlasten und von Regelaufgaben zu befreien. Hier ist eine eindeutige Tendenz hin zu Assistenzsystemen zu erkennen."
 
"Weniger Personaleinsatz auf den Maschinen muss durch eine gute Überwachbarkeit zum Beispiel über Kamerasysteme und Assistenzsysteme ausgeglichen werden. ISOBUS-Steuerungen, GPS-Lenkhilfen und TIM erhöhen die Leistung von gezogenen Maschinen und entlasten den Fahrer, der sich auf die Optimierung des Rodeprozesses konzentrieren kann", heißt es von Ropa.
 
Das Personalproblem sieht auch Dewulf: "Landwirte haben immer weniger Personal zur Verfügung. Deswegen müssen die Maschinen einfach einstellbar sein, so dass sich die verfügbaren Arbeitskräfte komplett auf das Ernteprodukt fokussieren können. Im gleichen Sinne wird auch der Komfort für den Fahrer immer wichtiger." (fm)
 
 


 
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