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Ackerbau

Trends bei Kurzscheibeneggen

von , am
18.10.2014

Kurzscheibeneggen sind gefragt. Es gibt sie in unterschiedlichsten Ausführungen und mit diversen technischen Finessen. Wohin sich der Trend auf dem Markt für Kurzscheibeneggen bewegt, berichten Hersteller im Agrartechnik-Trendbericht.

© Werkbild
Die Kurzscheibeneggen erlebten im letzten Jahrzehnt einen regelrechten Nachfrageboom. Zu Beginn waren Kurzscheibeneggen vor allem für die flache Stoppelbearbeitung unmittelbar nach der Ernte gedacht. Heute sind sie aber auch in der Saatbettbereitung oder für den Zwischenfruchtanbau gängige Instrumente. Man kann mit ihnen enorme Fahrgeschwindigkeiten erreichen und somit ist auch die Flächenleistung je Stunde sehr hoch. Damit sie aber nicht nur auf leichten Böden, sondern für alle individuellen Bedingungen nutzbar sind, gibt es unterschiedlichste Gewichtsklassen, Scheibenanordnungen und weitere technische Finessen.
 
Die Redaktion der AGRARTECHNIK hat sich mit mehreren namhaften Herstellern über den Markt und die verwendete Technik von Kurzscheibeneggen unterhalten.  

Marktentwicklung bei Kurzscheibeneggen

AGRARTECHNIK: Wie hat sich der Markt von Kurzscheibeneggen in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie ist die aktuelle Situation und mit welcher Entwicklung rechnen Sie für die kommenden Monate und mittelfristig?

Christoph  Laumann (Leiter Verkaufsförderung bei Amazone): "Die Entwicklung der Marktsituation im Bereich der Kurzscheibeneggen war in den vergangenen Jahren sehr positiv. Die Kurzscheibenegge ist keine Modemaschine, sondern hat sich am Markt etabliert und das Einsatzspektrum hat sich in den letzten Jahren erweitert. Auch mittelfristig erwarten wir eine positive Entwicklung des Marktes."

Dennis van de Boom aus dem Verkauf der Evers Agro B.V. erklärte, der Markt für Kurzscheibeneggen habe sich in den letzten Jahren relativ stabil entwickelt. Trotz des vielfältigen Wettbewerbs und der variablen Nachfrage sei der Umsatz auch gegenwärtig noch ohne größere Schwankungen. Die nächsten Monate würden aber von einem schwierigen Markt gekennzeichnet sein, aufgrund der erwarteten Preisentwicklung.
Dennis van de Boom weiter: "Mittelfris­tig sehen wir mehr Nachfrage für unsere Ausführungen mit vier Scheibenreihen und mit stufenloser Schnittwinkelverstellung." Auch die Verwendung der Kurzscheibenegge hinter dem Gülletank oder Selbstfahrer, als Kombination zur Stoppelbearbeitung (Einarbeiten von Gülle oder Gärreste) werde zunehmen.
 
Alexander Geffers (Territory Manager Germany bei Great Plains UK LTD): "Nachdem vor einigen Jahren der Markt für Kurzscheibeneggen in die Höhe geschnellt ist, hat sich der Absatz in den vergangenen zwei bis drei Jahren stabilisiert. Die Nachfrage nach gut funktionierenden Kurzscheibeneggen ist ungebrochen, wird sich allerdings mittelfristig auf dem aktuellen Niveau stabil halten. Es wird keine signifikante Erhöhung des Marktes geben und es werden weitgehend Ersatzbeschaffungen anstehen."

Michael Braun (Teamleitung Produktmarketing bei Horsch): "Aus Horsch-Sicht ist die Nachfrage in allen Märkten stark steigend – sicherlich auch begründet durch die Produktupdates, die Horsch für die Joker CT und RT vorgenommen hat und die Vorstellung der Joker HD mit großem Scheibendurchmesser. Aktuell ist die Kurzscheibenegge weiter das Mittel der Wahl vieler Landwirte, wenn es um flache Bodenbearbeitung und Stoppelbearbeitung geht. Das sieht man auch an den Verkaufszahlen. Der Trend bleibt, da auch die Kurzscheibeneggen mit immer mehr Ausstattungsoptionen individualisiert werden können."
 
Stefan Kröger (Marketingleiter bei Köckerling): "Der Markt für Kurzscheibeneggen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mittlerweile hat fast jeder Hersteller von Bodenbearbeitungsgeräten auch Kurzscheibeneggen im Programm. Es gibt also seit einiger Zeit eine große Auswahl an unterschiedlichsten Maschinen."
 
Rainer Krug (Vertriebsleiter bei Kuhn): "Der Markt für Kurzscheibeneggen hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Speziell in Raps-Getreidefruchtfolgen mit engem Boden­bearbeitungs-Zeitfenster und zum Stoppelsturz haben sie sich bewährt. Auch zur Vorbereitung der Maisaussaat im Frühjahr werden sie verwendet. Kuhn-Kurzscheibeneggen lassen sich gut in Mulchsaatverfahren integrieren, deshalb hat Kuhn mit den T-Ring-, den T-Liner und Packlinerwalzen ein Walzenprogramm entwickelt, das sich auch auf feuchteren Böden mit Mulchauflage gut einsetzten lässt."

Michael Kotthoff (Produktmanager konservierende Bodenbearbeitung bei Kverneland): "Der Kurzscheibeneggen-Markt ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen und befindet sich heute auf einem sehr hohen Niveau. Dieses Niveau konnte in 2012/13 stabil gehalten werden und wird sicherlich auch heuer wieder erreicht werden. Vielerorts konnte vor der Ernte Lagergetreide gesehen werden. Bei solchen Voraussetzungen ist die Kurzscheibenegge das Mittel der Wahl."
 
Josef Böcker aus dem Marketing bei Lemken antwortete, dass sich sowohl Umsatz als auch Stückzahlen der Kurzscheibeneggen in den letzten Jahren positiv entwickelt hätten. Das decke sich mit dem allgemeinen Landmaschinenmarkt. "Mit mehr als 2.300 Einheiten in 2013 gehören die Kurzscheibeneggen zu den wichtigsten Umsatzträgern bei Lemken. Für 2014 bleibt der Umsatz stabil. Für die nächsten Jahre versprechen wir uns – gerade durch unsere Neuentwicklung Rubin 12 als Ergänzung zum bisherigen Programm Rubin 9 und Heliodor 8 – weitere Zuwächse. Besonders in den für Lemken noch jungen Märkten USA und Kanada ist das Interesse an Kurzscheibeneggen sehr groß."

Technische Trends

AGRARTECHNIK: Welche technischen Trends werden sich bei Kurzscheibeneggen Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren (weiter) durchsetzen? Weshalb ist das so? Welche optionalen Ausstattungen werden (künftig) verstärkt nachgefragt?

Christoph  Laumann (Amazone): "Wir gehen davon aus, dass die PS-Leistungen der Schlepper weiter ansteigen und die Nachfrage nach großen Arbeitsbreiten demzufolge ebenfalls weiter steigen wird. Eine zunehmende Bedeutung im Bereich der Kurzscheibeneggen erfährt das Thema der gleichzeitigen Aussaat von Zwischenfrüchten während der Stoppelbearbeitung. Hier sehen wir eine steigende Nachfrage nach der Zwischenfruchtsämaschine Greendrill auf unserem Catros. Zudem gewinnt auch die direkte Einarbeitung von Gülle und Gärsubstraten eine immer größere Bedeutung. Daher haben wir in Verbindung mit der Firma Vogelsang den Catros pro mit SynCult Adapter entwickelt."
 
Elmar Reuter (Dal-Bo): „Bei Dal-Bo A/S wird in Deutschland zu 90 Prozent die hydraulische Winkelverstellung verkauft – das ist unser Markenzeichen und das kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Die MaxiDisc kann dadurch sehr vielseitig eingesetzt werden, zum Beispiel zur Saatbettbereitung im Frühjahr, nach dem Pflug, zum tieferen Arbeiten und nicht nur zur flachen Stoppelbearbeitung. Die MaxiDisc wird, im Vergleich zu früher, vorwiegend mit den ‚preisintensiveren‘ Nachläufer-Varianten – also einer 600-Millimeter-Boogie-Walze oder einer Kombination T-Ring-Flachstabwalze – nachgefragt."
 
Dennis van de Boom (Evers Agro B.V.) berichtet, es seien mehrere Trends zu erwarten. Das wäre unter anderem eine Kombination von Maschinen (zum Beispiel eine Kurzscheibenegge mit Vorgrubber) für mehr Kapazität und eine hydraulische Verstellung der Scheiben. Auch verschiedenen Nachläufer würden unter anderem aufgrund der Direktsaat stärker nachgefragt.
 
Michael Braun (Horsch): "Es kommen mehr Ausstattungen wie Doppelpacker, Crossbar oder die hydraulische Tiefenverstellung in die Maschinen. Diese Ausstattungen tragen zur Erweiterung des Einsatzgebietes der Scheibeneggen bei. Neben dem klassischen Stoppelsturz kommen auch ­Themen wie ein zweiter Arbeitsgang oder die Saatbettbereitung auf die Joker zu. Daher bietet Horsch zum Beispiel die erwähnte CrossBar an. Ein anderer Trend geht aber auch in große Arbeitsbreiten. Selbst in Deutschland sind acht, zehn und zwölf Meter breite Joker-Kurzscheibeneggen keine Seltenheit mehr."
 
Stefan Kröger (Köckerling): "Zum Einen wird es Kurzscheibeneggen künftig in immer größeren Arbeitsbreiten geben. Die vorhandenen Zugleistungen der Traktoren ermöglichen diesen technischen Fortschritt. Auf der anderen Seite werden in den kommenden Jahren sicher auch zusätzliche Funktionen mit angeboten. Zum Beispiel eine Kleinsämaschine direkt auf der Kurzscheibenegge, wenn man die Thematik ‚Greening‘ betrachtet. Eine andere Zusatzfunktion wäre der bereits jetzt weit verbreitete Gülleverteiler auf einer Kurzscheibenegge."
 
Michael Kotthoff (Kverneland): "In Zukunft wird die Kurzscheibenegge weiterhin ihr Haupteinsatzgebiet in der Stoppelbearbeitung haben. Eine zusätzliche Aufgabe wird die Einarbeitung von Gülle sein, da hier die Vier-Stunden-Einarbeitungsfrist besteht. Dies kann im kombinierten Verfahren sein – also aufgesattelt auf einen Selbstfahrer oder ein Güllefass – oder solo in einem zweiten Arbeitsgang. Entscheidend dabei wird die Langlebigkeit der Kugellager sein, da diese in Verbindung mit Gülle einen erhöhten Verschleiß haben."

Josef Böcker (Lemken): "Der Trend geht klar zu größeren Arbeitsbreiten. So bieten wir aktuell Kurzscheibeneggen mit bis zu zwölf Meter Arbeitsbreite an. Auch der Einsatz als Sologerät zur Stoppelbearbeitung oder in Kombination mit einer Drillmaschine als schlagkräftige Mulchsaatkombination wird immer mehr nachgefragt. Auch die Anforderung, große Mengen organischer Substanz wie zum Beispiel Maisstroh intensiv einzuarbeiten, kommt immer häufiger."

Patrick Preußker (Marketing & Verkaufsförderung bei der Väderstad GmbH) berichtete, ein Trend gehe in Richtung Vorwerkzeuge, um die Maschinen noch flexibler zu machen. Damit könne man auch Arbeitsgänge mit dem Mulcher einsparen (Zwischenfrüchte durch Greening). Weiter werde das Interesse an aufgebauten Sämaschinen für Feinsämereien weiter steigen. Damit können Zwischenfrüchte effektiv und kostengünstig in einem Arbeitsgang gesät werden.
 

Trend zu größeren Scheibendurchmessern

AGRARTECHNIK: Gibt es einen Trend hin zu größeren Scheibendurchmessern und wenn ja, wie reagiert Ihr Unternehmen darauf?

Christoph  Laumann (Amazone): "Die Anforderungen an das Einsatzspektrum der Kurzscheibenegge sind in den letzten Jahren größer geworden. Neben der flachen Stoppelbearbeitung und Saatbeetbereitung gibt es die Forderung nach einer größeren Arbeitstiefe. Amazone hat hier reagiert, indem wir neben dem bewährten Catros mit einer glatten Scheibe mit 460 Millimeter auch den Catros+ mit 510 Millimeter Scheibendurchmesser anbieten. Das ‚+‘ steht hier für eine größere Arbeitstiefe und eine aggressivere Arbeitsweise der Scheiben."
 
Elmar Reuter (Dal-Bo): "Dieser Trend scheint ja am Markt vorhanden zu sein, da einige Hersteller in diese Richtung anbieten. Da wir nach wie vor die ‚klassische‘ X-Scheibenegge mit 660er Scheiben produzieren, werden wir diesem Trend nicht folgen."
 
Alexander Geffers (Great Plains): "Ja, gibt es! Die Frage ist, was will man erreichen?!“ Zunächst stehe der Gedanke nach einer tieferen Bodenbearbeitung hinter der Idee der größeren Scheiben, so der Territory Manager für Deutschland. Der Hauptgrund, warum sich Great Plains gegen größere Scheiben bei den Kurzscheibeneggen entschieden habe, sei der Verlust der Flexibilität. Weiterhin sei die Scheibenwölbung extrem wichtig, erklärt Alexander Geffers weiter: "Bei größeren Scheiben muss die Konkavität der Scheibe größer sein. Dies beinhaltet zwar die Möglichkeit tiefer zu arbeiten, führt jedoch zu einer Menge negativer Nebeneffekte. Um ebenfalls aggressiv, aber auch flach arbeiten zu können ist die Winkelstellung der Scheiben entscheidend. Bei den 500-Millimeter-Scheiben haben wir die Möglichkeit der individuellen Anordnung. Ihre Drehzahl ist weit höher als die von größeren Scheiben. Häckseln und Stoppelsturz werden optimiert und es wird ein feineres Saatbett angelegt. Für die Zukunft ist somit nicht die Größe der Scheibe, sondern die Form ausschlaggebend. Wir reagieren mit neu entwickelten Scheibentypen und der erhöhten Flexibilität – volle Winkelverstellung der Scheibenreihen – auf die Anforderungen der Landwirte."
 
Stefan Kröger (Köckerling): "Maschinen mit großen Scheiben erfahren in letzter Zeit eine verstärkte Nachfrage. Köckerling hat sich bereits seit Beginn der Entwicklung von Kurzscheibeneggen auf eine klare Strategie festgelegt. Es gibt die Produktlinie Rebell ‚classic‘ und die Produktlinie Rebell ‚profiline‘. Die Maschinen aus der ‚classic‘-Serie haben Scheiben mit 510 Millimeter Durchmesser und werden im Dreipunkt angebaut. Bei den Kurzscheibeneggen aus der Produktlinie ‚profiline‘ wurden von Beginn an sehr große Scheiben mit 620 Millimeter Durchmesser eingesetzt, um auch eine etwas tiefere Bodenbearbeitung mit der Maschine erledigen zu können."
 
Michael Kotthoff (Kverneland): "Kverneland hat die Qualidisc seit jeher mit der großen 573-Millimeter-Scheibe ausgestattet. Diese Maschine stellt heute die ‚Premium Version‘ der Kverneland-Kurzscheibeneggen dar. Um aber auch im Segment der kleineren und leichteren Bauweisen am Markt vertreten zu sein, wurde die ‚Qualidisc Farmer‘ auf der Agritechnica vorgestellt. Die neue Maschine unterscheidet sich von der Qualidisc durch eine etwas kleinere Scheibe mit 520 Millimetern und eine zirka 15 Prozent leichtere Bauweise sowie einen rund 15 Prozent geringeren Preis."
 
Josef Böcker (Lemken): "Der Trend geht klar zu größeren Scheibendurchmessern. 2001 startete Lemken mit der Kurzscheibenegge Rubin 9, die bereits einen Scheibendurchmesser von 620 Millimeter hatte. Seit dem letzten Jahr bieten wir mit der Rubin 12, deren Scheiben einen Durchmesser von 735 Millimeter haben, die Kurzscheibenegge mit dem größten Durchmesser am Markt an. Die Rubin 12 ist somit in der Lage, mit Arbeitstiefen von bis zu 20 Zentimeter in Bereiche vorzudringen, die bisher nur Grubbern vorbehalten waren. Alle weiteren Hersteller erhöhen die Scheibendurchmesser zurzeit von zirka 450 Millimeter jetzt auch auf Durchmesser über 500 Millimeter."
 
Alois Kirchmayr (Pöttinger): "Pöttinger hat vor zwei Jahren auf eine größere Scheibe umgestellt. Für Pöttinger ist es wichtig, die Maschine nicht in eine Spezialanwendung zu bringen, sondern als Allrounder einzusetzen. Denn es ist zu sehen, wie unterschiedlich die Jahre und demzufolge die Verhältnisse für die Geräte sind."
 
Patrick Preußker (Väderstad): „Diesen Trend gibt es unserer Meinung nach nicht generell. Die kleine Scheibe hat weiterhin ihre Berechtigung und ist der großen Scheibe in einigen ackerbaulichen Belangen überlegen. Beispielsweise bei der Bekämpfung von Ausfallraps. Dieser wird mit großen Scheiben oft zu tief vergraben mit der Folge, dass auf vielen Flächen nach der Aussaat deutlich mehr Rapspflanzen ­stehen als eigentlich beabsichtigt. Gerade bei Hybriden ist dieser Umstand sehr kritisch zu sehen, da die Folgegenerationen keinen Ertrag mehr produzieren und nur noch um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Daher gewinnt die effiziente Bekämpfung von Ausfall- beziehungsweise Altraps immer mehr an Bedeutung. Bei Betrieben, die viel mit organischen Düngern arbeiten und dort, wo die Maschinen sowohl für die flache als auch für die mitteltiefe Bodenbearbeitung eingesetzt werden sollen, hat die große Scheibe ihre Berechtigung."
 

Kverneland Qualidisc Kurzscheibenegge im AGRARTECHNIK-Maschinentest

 
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