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Ernte und Transport

Volldampf voraus: Trends bei Feldhäckslern

von , am
13.04.2012

Fast 700 Häcksler wurden 2011 in Deutschland verkauft, weltweit waren es 2.730 Einheiten. Mit welchen Entwicklungen die Hersteller den Wünschen der Kunden entgegenkommen, erfahren Sie hier.

Worauf setzen Sie beim Feldhäcksler-Kauf? Und welche Zukunftstrends sehen Sie? Drei Lohnunternehmer antworten. © Rath-Kampe
Mit einem deutlichen Wachstum um 14 Prozent konnten die Agrartechnikhersteller im abgelaufenen Saisonjahr von November 2010 bis Oktober 2011 genau 695 selbstfahrende Feldhäcksler in Deutschland absetzen. "Dieses neue Allzeithoch bricht alle bisherigen Rekorde", betont VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer in einer Presseinformation des Verbandes. Steigende Biomassevolumina, aber auch der Trend zum Häckseln von Stroh hätten den Verkauf von Feldhäckslern massiv forciert. "Schließlich sind leistungsfähige Feldhäcksler entscheidend für die Rohstoffbereitstellung in der Biogasproduktion und somit auch Treiber des Biogasbooms", so Dr. Bernd Scherer weiter. Deutschland nehme diesbezüglich weltweit eine Vorreiterrolle ein. "Mehr als 7.000 Biogasanlagen mit einer Leistungsausbeute, die derjenigen von zwei Atomkraftwerken entspricht, müssen hierzulande kontinuierlich mit entsprechenden Silagequalitäten bestückt werden", erklärt Dr. Bernd Scherer. Dafür seien schlagkräftige und zuverlässige Maschinen unabdingbar.
 
Feldhäcksler mit Motorleistungen zwischen 600 und 800 PS bilden das Hauptsegment, aber auch Maschinen mit mehr als 1.000 PS werden in Deutschland zunehmend verkauft. Alle Hersteller berichten durch die Bank von guten Verkäufen bei den Feldhäckslern in 2011. "Claas konnte die Marktanteile auch in 2011 weiter ausbauen", stellt Georg Döring fest. "Auch in 2012 werden gerade in Deutschland nochmals rund 500 Biogasanlagen gebaut. Der Trend ist hier aber sicherlich rückläufig. Dennoch stehen aufgrund der anstehenden neuen Abgasnorm einige Kunden vor der Frage der Investition in 2012 mit bekannter Stufe IIIa (TIER 3 Motoren) oder erst in 2013 mit der nächsten Stufe IIIb (TIER 4i) mit SCRTechnologie und Harnstoffeinsatz."

Zwei Rekordjahre auf deutschem Feldhäckslermarkt

"Das Jahr 2011 war für Krone ein sehr gutes Jahr", berichtet Daniel Büter. "Die Rekordverkäufe bei Feldhäckslern haben dazu geführt, dass Krone die Produktion des BiG X ausgebaut hat. Somit war Krone in der Lage bei einer steigenden Nachfrage nach Feldhäckslern den Markt zu bedienen. Der Weltmarkt (ohne GUS-Hersteller) zeigt eine ähnlich starke Steigerung. Im Jahr 2010 wurden rund 2.130 Einheiten an den Weltmarkt geliefert. Das Jahr 2011 zeigte eine Steigerung auf etwa 2.730 Einheiten. Schauen wir nach Westeuropa, so ist Deutschland der mit Abstand stärkste Markt. Im Jahr 2010 wurden zirka 600 Einheiten geliefert. Das Jahr 2011 zeigte eine Steigerung auf rund 700 Einheiten. Auf Platz zwei folgt Frankreich. Im Jahr 2010 wurden rund 220 Einheiten ausgeliefert. Das Jahr 2011 zeigte eine Steigerung auf etwa 310 Einheiten. Auch bei New Holland zeigt man sich mit dem Ergebnis von 2011 sehr zufrieden und konnte den Marktanteil bei den Feldhäckslern der FR9000 Baureihe ebenfalls steigern. "Wir gehen in diesem Jahr wieder von einem stabilen bis leicht wachsenden Weltmarkt aus, wobei die Nachfrage in Deutschland leicht zurückgehen dürfte", stellt Klaus Kellner, John Deere, fest. Als Neueinsteiger ist AGCO Fendt im Markt der selbstfahrenden Feldhäcksler aktiv. "Das Jahr 2011 war für Fendt und den Katana im Hinblick auf die diesjährige Markteinführung in Deutschland ein voller Erfolg", resümiert Markus Schäfer. "Die Vorserienmaschinen liefen schon sehr zuverlässig und haben einen sehr guten Eindruck bei den Testkunden hinterlassen. So war auch die Resonanz auf der Agritechnica sehr positiv für den Katana.
 
Der deutsche Feldhäckslermarkt hat zwei Rekordjahre hinter sich. Für das Jahr 2012 rechnen wir mit einem leichten Rückgang der Stückzahlen. Als ersten Schritt in den deutschen Markt starten wir mit rund 30 Maschinen und sind bestrebt, in gewohnter Fendt Premium Qualität neue Kunden zu gewinnen." Die leistungsstarken Motoren sind bei den Häckslern nicht in jeder Betriebssituation gefordert. Intelligente Motorsteuerungen bieten die Möglichkeit einer betriebsbedingten Leistungsanpassung, zum Vorteil der Umwelt und der Wirtschaftlichkeit. Bisher gingen die Entwicklungen in der schlagkräftigen Futterernte bei den Herstellern in Richtung mehr Leistung und Durchsatz. Aktuell stehen die Effizienzsteigerung und Bedienungsfreundlichkeit im Vordergrund. Intelligente Steuerungen vom Motor bis zum Einzug bieten exakte Schnitte bei hohem Durchsatz und günstigem Energieverbrauch. Letzteres besonders dann, wenn keine Schnittleistung gefragt ist. Die Steuerung der Motorkennlinien in Abhängigkeit von der Belastung haben sich mehrere Hersteller vorgenommen.

Intelligente Motorensteuerungen liegen im Trend

Von der Zwei-Motorentechnologie haben sich die Hersteller verabschiedet. Die Abgasnachbehandlung entsprechend der gesetzlichen Richtlinien ist zu aufwändig. Dem aktuellen Leistungsbedarf angepasste automatische und intelligente Motorensteuerungen liegen im Trend. Das kann man als "Downsizing" während der Erntearbeit bezeichnen. Mit 850 PS oder sogar 1.035 PS losfahren und in Abhängigkeit vom Leistungsbedarf automatisch auf die notwendige Leistung nach unten oder auch nach oben angepasst fahren, ist eine technische Meisterleitung und mit den modernen Motoren und unterschiedlichen Kennlinien realisierbar. Je nach Bedingung wird Motorleistung zu- oder weggeschaltet. Ein Eingreifen des Fahrers oder eine Vorauswahl sind nicht mehr erforderlich. Mit bis zu zehn gesteuerten Leistungskennlinien erfolgt die Leistungsbereitstellung deutlich exakter, feinfühliger und kraftstoffsparender als dies bisher möglich war. Die Ansprüche an die Schnittlänge und Aufbereitung von Mais unterscheiden sich zwischen den Betreibern von Biogasanlagen und Rindviehhaltern immer mehr.
 
Einerseits sehr kurzer Schnitt mit gutem Kornaufschluss, andererseits lange Schnittlängen mit einem Fasereffekt, aber auch dem guten Kornaufschluss. Kontrovers diskutiert wird aber auch der sehr kurze Schnitt, einmal aus der Sicht des Kraftstoffverbrauchs beim Häckseln, andererseits bei den Gärverlusten am angeschnittenen Silo. Moderne Häckseltrommeln bieten ein breit gefächertes Schnittlängenspektrum. Wo Forschungsarbeit investiert wird, ist im Bereich Corncracker. Die Leistungsparameter der bekannten Profilwalzen sind bekannt und damit auch begrenzt. Der Keilscheibenprozessor verspricht einen guten Aufschluss ohne Verminderung des Durchsatzes. Alle Hersteller experimentieren bei den Profilwalzen mit Durchmesser und Geschwindigkeitsdifferenzen, um die geforderte Effizienz zu erzielen.

Schlagkraft gefragt

Die Kunden verlangen nach Schlagkraft. Die Zahl der Maschinen mit Motorleistungen über 500 PS steigt. "Auch wenn die Antriebsleistung in den letzten Jahren stark gestiegen ist und sicher auch noch weiter steigen wird, liegt der Fokus im Bereich von 450 bis 500 PS mit achtund überwiegend zehnreihigen Vorsatzgeräten (7,50 Meter Arbeitsbreite)", fasst Georg Döring, Claas, die aktuelle Situation zusammen. "Diese Maschinen sind in der Lage, soviel Erntegut pro Stunde zu liefern, dass der Engpass längst nicht mehr der Häcksler ist, sondern die Siloverdichtung. Richtiges Silomanagement heißt hohe Verdichtung der Erntemengen in dünnen Schichten, geliefert von großvolumigen Fahrzeugen. Qualitätssilage wird im Silo produziert. Praktiker bestätigen: Der beste Fahrer gehört auf das Walzfahrzeug."
 
"In Deutschland hat das letzte Jahr gezeigt, dass Motorleistungen von 600 PS und mehr zunehmend nachgefragt werden. Wir sehen derzeit keine signifikante Steigerung der Nachfrage nach Motorleistungen im Bereich von über 800 PS", meint Klaus Kellner. "Bei den Maschinenleistungen lässt sich erkennen, dass sich der größte Markt im Bereich 500 bis 700 PS bewegt. Nach unserer Einschätzung wird auch in Zukunft dieses Segment den größten Markt haben", stimmt Daniel Büter diesen Einschätzungen zu.“ Und auch bei New Holland sieht man diesen Trend. "Bei den Häckslern wird es in Richtung der 700 PS-Klasse in Verbindung mit einem zehnreihigen Vorsatz gehen", ist Gerd Gerdes überzeugt. "Der Trend zu höheren Motorleistungen wurde von der Entwicklung bei AGCO sehr bewusst aufgegriffen", erläutert Markus Schäfer. "Deshalb bieten wir unsere Maschine zunächst in dem Leistungssegment von über 500 PS an. Dieser Trend kommt jedoch nicht nur von den Kundenanforderungen, sondern wird auch vom Emissionsgesetz getrieben. Wir haben uns explizit für den Mercedes Motor in Kombination mit der SCR Technologie entschieden. Dieser Motor ist im Erntemaschinenbereich 1.000 fach bewährt und kann durch eine Abgasnachbehandlung optimal auf die Bedürfnisse im Ernteeinsatz abgestimmt werden, ohne aktiv in den Verbrennungsprozess einzugreifen. Der Trend wird somit eher im oberen Leistungssegment weiter gehen."
 
Automatische Leistungsregelungen bei den Motoren findet man mittlerweile bei allen Herstellern. "Diese Systeme bieten durchaus Vorteile in wechselnden Erntebedingungen wie Sie unsere Kunden überall vorfinden", beschreibt Markus Schäfer die Situation. "An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass wir durch ein innovatives Getriebekonzept für jede Bedingung den Motor optimal regeln können. Unsere Häckselaggregate werden dadurch stets auf entsprechender Drehzahl gehalten, ohne Verluste in Schnitt- oder Wurfqualität zu haben. Auch verfügt unsere Maschine über eine intelligente Grenzlastregelung, die durch eine einfache Joystickbewegung die Maschine in wechselnden Erntebedingungen stets im optimalen Bereich hält."

Leistung nach Bedarf

"Der Vorteil von automatischen Leistungsregelungen wie John Deere sie bereits seit drei Jahren anbietet, liegen in einer deutlichen Reduktion des Kraftstoffverbrauches und des wirtschaftlichen Einsatzes von leistungsstarken Maschinen im Teillastbereich", berichtet Klaus Kellner. "Die größte Einsparung erreichen die Maschinen jedoch, wenn Sie in Leerlaufphasen automatisch in der Drehzahl reduziert werden. Hier bietet John Deere mit dem Motor und Getriebemanagement ein exklusives System an, welches die DLG mit bis zu 18,9 Prozent Kraftstoffeinsparung gemessen hat." Auch Krone setzt auf leistungsstarke Motoren mit unterschiedlichen Kennlinien. "Krone hat mit PowerSplit ein System in den Feldhäcksler integriert, mit dem es möglich ist, die Motorleistung an den Bedarf anzupassen", erläutert Daniel Büter. "Als Vorteile sehen wir eine angepasste Leistungsabnahme, einen verringerten Dieselverbrauch und einen effizienten Einsatz unter allen Bedingungen. Diese Funktion kann der Fahrer auf zwei verschiedene Arten nutzen: Manuelle Einstellung: Mit einen separaten Knopf neben dem Joystick kann der Fahrer zwischen zwei Maschinenleistungen wählen (Eco- und XPower). Oder die automatische Einstellung: Der Fahrer kann im Display die Grundeinstellungen (ab wann eine Umschaltung erfolgen soll) festlegen. Das System passt die Motorleistung dann automatisch an die Bedingungen an. Es erfolgt eine stufenlose Anpassung der Motorleistung anhand der Motordrehzahl und Motorauslastung."
 
"Ständig wird versucht, bei den technischen Entwicklungen einer Maschine an den kleinen "Stellschrauben" zu drehen. Dennoch gelingt es immer wieder, auch die großen Schrauben zu bewegen", merkt Georg Döring an, "wie über das neue intelligente Motormanagement Dynamic Power als Option für Jaguar 980 und 970 und 960 bis 940 Stufe IIIb (TIER 4i). Der Motor regelt elektronisch, leistungsabhängig in zehn Stufen automatisch seinen Kraftbedarf. Der Regelbereich reicht von mindestens 270 PS bis zur Maximalleistung des Motors. Dadurch kann laut DLG Messung eine deutliche Kraftstoffersparnis stündlich um 12,3 Prozent beziehungsweise 10,6 Prozent pro Tonne Erntegut erreicht werde. Bei einer entsprechenden Auslastung von beispielsweise 150 bis 200 Graseinsatzstunden und durchschnittlich 600 bis 800 Hektar Maisfläche hat sich Dynamic Power bereits nach ein bis zwei Jahren amortisiert."
 
Der komplette Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
 
 

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