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Ernte und Transport

Wenig Innovationen zu erwarten

von , am
20.01.2010

Nach dem aufregenden Agritechnica-Jahr 2009 sind für 2010 wenige Innovationen bei Traktoren und Erntemaschinen zu erwarten. Durch neue Vorgaben des Gesetzgebers wird sich technisch trotzdem einiges ändern.

© agrarfoto.com

Und neue Modelle, die aus Zeit- oder strategischen Gründen nicht in 2009 vorgestellt wurden, werden auch dafür sorgen, dass das kommende Jahr nicht langweilig wird.

Tier IIIb ab 2011

Die Landmaschinenentwickler werden, soweit dies noch nicht geschehen ist, die Motorentechnik auf die 2011 anstehende Abgasnorm Tier IIIb umstellen. Zahlreiche Modelle sind bereits jetzt in der Lage, durch Abgasrückführung, SCR-Katalyse und Rußpartikelfilter die geforderte Reduktion von Stickstoffmonoxyd, Kohlenwasserstoffen und Feinstpartikeln zu erfüllen. Die Nachrüstung von Rußpartikelfiltern spielt derzeit noch eine untergeordnete Rolle, da es finanzielle Anreize von Seiten des Gesetzgebers bislang noch nicht gibt. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von über 12.000 Betriebsstunden bei Traktoren wäre eine solche Initiative aber sicherlich begrüßenswert.

Sicherheit im Vordergrund

Durch Inkrafttreten der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ab dem 29.12.2009 werden sich mittelfristig auch bei sicherheitsrelevanten Funktionen Änderungen und neue Lösungen auftun. Dies dürfte vor allem die Arbeitssicherheit betreffen - hier seien Funktionen wie die Zapfwelle oder die externe Bedienung von Steuergeräten und Krafthebern erwähnt. Einige Änderungen werden wahrscheinlich zu Lasten der Bedienerfreundlichkeit gehen. Getreu dem Motto "Safety first" müssen hier Kompromisse eingegangen werden. Diese dürfen jedoch nicht so weit gehen, dass die Funktionalität von Arbeitsmaschinen leidet.

Weitere Komfortverbesserungen

Auch gesundheitsschädliche Dauerbelastungen wie Lärm oder Vibrationen sollen durch die Vorgaben der neuen Maschinenrichtlinie reduziert werden. Ebenso steht die Ergonomie des Arbeitsplatzes im Fokus. So stehen ein ausreichender Bewegungsfreiraum sowie die Möglichkeit der Anpassung von Bedieninstrumenten an verschiedene Körpergrößen im Maßnahmenkatalog. Zusammengefasst sind also weitere Fortschritte bei Federungskomfort und Geräuschdämmung zu erwarten. Mit der Senkung des Lärmpegels auf unter 70 dbA (am Fahrerohr bei geschlossener Kabine) wurde im Jahr 2009 bei einigen Traktorenherstellern bereits ein großer Schritt vollbracht.

Isobus-Funktionen erweitert

Der 2009 wieder in Fahrt gekommene Isobus hält für 2010 auch wieder Neues bereit. So werden neue Funktionen für das Vorgewendemanagement, telemetrische Datenerfassung und Parallelfahrsysteme zur Verfügung stehen. Die Bearbeitung des Themas "Auxiliary Controls" (Funktionsbelegung von Joysticks; Tastenleisten für Teilbreitenschaltungen usw.) ist derzeit noch im Gange.

Noch ein Feldhäcksler, noch ein Großtraktor

Fendt arbeitet, wie bereits seit längerem bekannt ist, an einem eigenen Feldhäcksler. Details wurden bisher zwar noch nicht genannt, jedoch ist eine erste Präsentation auf dem Feldtag von Fendt und der Saatenunion am 2. September 2010 in Wadenbrunn wahrscheinlich. Auch wenn sich bereits zahlreiche Hersteller in diesem Marktsegment tummeln, so macht die Entwicklung eines eigenen Fahrzeugs für Agco/Fendt als Aktiengesellschaft durchaus Sinn. Unter der Marke Challenger wäre auch ein Vertrieb außerhalb Zentral- und Westeuropas denkbar. Deutz-Fahr hat seinen neuen Großtraktor X 730 mit 305 PS bereits angekündigt, zur Enttäuschung vieler Interessenten aber noch nicht zur Agritechnica präsentiert. Wie zu erfahren war, ist nun für Ende 2010 mit den ersten gefertigten Einheiten zu rechnen. Ein Feature wird der neue i-Monitor sein, der nach und nach für alle Modellreihen im Ober- und Mittelklassesegment verfügbar sein soll.

Kraftstoffverbrauch stets aktuell

Die Hersteller von Traktoren und Erntemaschinen werden auch weiterhin an der Optimierung des Kraftstoffeinsatzes arbeiten. Eine automatische Drehzahlreduzierung am Vorgewende, wie von John Deere am 7950i Feldhäcksler vorgestellt, ließe sich auch an Mähdreschern (gesteuert durch Schrägförderer) oder an Traktoren (gesteuert durch Kraftheber und GPS) anwenden. Ob bereits 2010 ähnliche Lösungen vorgestellt werden, bleibt abzuwarten. Nachahmer dürfte wohl die werksseitig integrierte Reifendruckregelanlage finden. Über den Nutzen solcher Anlagen wird heute kaum noch diskutiert. Im Fokus steht vielmehr die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit solcher Systeme.

{BILD:115228:jpg}Matthias Mumme
Redakteur
dlz agrarmagazin

 

 

 

 

 

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