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Ackern wie von Geisterhand?

von , am
01.11.2012

Frankfurt - Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Landwirte an neuen Technologien interessiert sind, aber gegenüber dem Einsatz von teilautonomen oder autonomen Traktoren skeptisch bleiben.

Ein fahrerloser Traktor folgt vollautomatisch einem vorausfahrenden Traktor. © Werkbild
Eine Umfrage der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) gemeinsam mit der Universität Hohenheim zeigt, dass Landwirte sich offen gegenüber neuen Technologien zeigen. Fragt man aber nach denkbaren Einsatzszenarien für teilautonome bzw. autonome Traktoren, ist so mancher Landwirt dann doch etwas zurückhaltender. Wenn, dann würde man den Maschinen zunächst einfachere Arbeiten bzw. Arbeitsgänge mit hohem Routineanteil überlassen.
 
Sind die Zukunfstechnologien praxistauglich?
 
Wie interessant sind diese Zukunftstechnologien wirklich für die Praxis? Wie die Umfrage zeigt, sind 42 % der Befragten der Meinung, dass autonome Systeme für sie bzw. ihre betriebliche Konstellation ungeeignet sind. Als interessiert, aber wahrscheinlich nicht kaufend, äußern sich weitere rund 19 %. Unschlüssig erweist sich ein gutes Fünftel der Befragten - sie halten diese Entwicklungen für interessant, sind sich aber nicht sicher, sie auch zu kaufen. Weitere 15 % haben Interesse, erachten die Technik aber zumindest innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht für einsatzfähig.
 
Lediglich 3,7  % geben sich sehr zuversichtlich und würden sie jetzt schon kaufen. Für die teilautonome Technik gilt grundlegend die gleiche Tendenz.

Zwei Gespanne koppeln

Aus rein betriebswirtschaftlichem Blickwinkel sind technische Entwicklungen erfahrungsgemäß immer dann von gehobenem Interesse, wenn sie eine Produktivitätssteigerung oder ein Einsparpotenzial versprechen. Sollte es z. B. möglich sein, ein System zu nutzen, bei dem ein fahrerloser Traktor auf dem Feld vollautomatisch einem vorausfahrenden Traktor folgt, kann man damit zumindest zeitweise einen Fahrer einsparen. Gleichzeitig wäre es auch denkbar, zwei kleinere und leichtere Gespanne flexibler und bodenschonender über das Feld zu bewegen.
 
Die elektronische Koppelung mehrerer Traktoren bzw. Gespanne setzt voraus, dass es möglichst viele Arbeitsgänge gibt, bei denen gleichzeitig mehrere Gespanne auf einem Feldarbeiten können. Annähernd zwei Drittel der Befragten würden diese Technik nutzen, um mehrere aufeinander folgende Arbeitsgänge, wie z. B. die Saatbettbereitung und Einsaat, parallel durchzuführen. Damit lediglich die Flächenleistung weiter zu steigern, scheint nur für ein Drittel spannend.

Technik flexibel einsetzen

Denkt man den Ansatz teilautonomer Traktoren oder Gespanne weiter, wird man schnell bei einem Szenario mit völlig autonomer Technik landen. Auch für diese autonomen Gespanne sehen die Umfrageteilnehmer einige Einsatzbereiche. Für etwas über 42  % ist die Bodenbearbeitung ein Einsatzfeld, für zusätzliche knappe 23  % die Saatbettbereitung und für gut sechs % die Pflanzbeetbearbeitung. Rund 19  % könnten sich auch vorstellen, die Saat autonom erledigen zu lassen.
Lediglich einzelne Betriebe könnten sich auch Mäh- und Mulcharbeiten ohne Fahrer denken oder würden bei der Gülleausbringung selbst nicht am Feld sein wollen.
 
Auch von den autonom arbeitenden Traktoren erwartet man in erster Linie eine Einsparung von Arbeitskraft und/oder Zeit sowie eine gleichmäßigere Arbeitsqualität. Der Einsatz kleinerer und leichterer Gespanne wird auch hier deutlich seltener gesehen. Dabei wünschen sich fast 60  % der Umfrageteilnehmer die zum autonomen Fahren nötige Ausstattung als flexibel installierbare Technik. Sie möchten die Technik also bei Bedarf auch auf andere Traktoren umbauen bzw. manuell bedienen können. Nur ca. 14  % sehen diese Ausstattung als festen Bestandteil nur eines Traktors.


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