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Ackern mit Strom

von , am
14.11.2011

Hannover - Elektrische Antriebssysteme stoßen vermehrt auf das Interesse der Landmaschinenhersteller. Sie bieten Vorteile wie eine gute Steuer- und Regelbarkeit sowie einen hohen Wirkungsgrad.

Präsentierten die Ergebnisse der VDI-Tagung LAND.TECHNIK AgEng 2011: v.r. Harald Dietel, Peter-Michael Synek, Prof. Thomas Herlitzius, Prof. Stefan Böttinger.
Der Entwicklungsstand elektrischer Antriebskonzepte war Thema der Internationalen VDI-Tagung LAND.TECHNIK AgEng 2011, die im Vorfeld der Agritechnica stattfand. Auf einer Pressekonferenz wurden die Tagungsergebnisse präsentiert. Die Anwendung elektrischer Antriebssysteme nimmt in der Praxis langsam, aber sicher zu. Einsatzmöglichkeiten gibt es bei Ackerschleppern, Anbaugeräten und selbstfahrenden Landmaschinen. Das größte Potenzial wird in den Bereichen Sä-, Pflanz- und Düngetechnik sowie im Pflanzenschutz und der Futterernte vermutet. Geringere Chancen bieten sich in der Bodenbearbeitung und Transporttechnik.
 
Prof. Stefan Böttinger, Vorsitzender des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik, betonte, dass die Möglichkeit, elektrische Antriebe in Landmaschinen einzusetzen, bestehende Denkmuster aufbreche. So werde die Struktur bisheriger Antriebe und Maschinenkonzepte hinterfragt und Alternativen entworfen. "Elektrische Maschinen ersetzen die mechanischen oder hydrostatischen Antriebe nicht nur, vielmehr wird in diesem Zuge auch die bisherige Anordnung von Arbeitselementen überdacht. Der Einsatz elektrischer Antriebe ist sinnvoll, wenn durch ihn eine bessere Energieeffizienz oder Prozessexzellenz entsteht." Produktexzellenz bedeutet, dass sich die Steuer- und Regelbarkeit der in den Landmaschinen ablaufenden Prozesse durch elektrische Antriebe verbessert. Prof. Böttinger fügte hinzu, dass die Integration elektrischer Maschinen nicht nur ein Addieren von Bestehendem sei. Möglich ist auch ein In-die-Maschine-hineinentwickeln dieser Technik.

Maximale Drehmomente bei geringen Drehzahlen

Prof. Thomas Herlitzius von der TU Dresden zählte die Vorteile elektrischer Antriebe auf. Die Systeme haben einen guten Wirkungsgrad, der sich auch im Teillastbereich nur wenig verringert. Sie können das maximale Drehmoment schon bei geringen Drehzahlen liefern. Die sehr guten Steuerungs- und Regelungsmöglichkeiten sind systemimmanent und bieten eine große Anzahl von Möglichkeiten zu verbesserter und intelligenterer Funktionalität. Weitere Pluspunkte sind die einfache Energieübertragung aufgrund der flexiblen und platzsparenden Leitungsverlegung sowie die verschleißarme Drehmomenterzeugung.
 
Elektrische Antriebe stoßen vermehrt auf das Interesse der Landmaschinenhersteller. Peter Michael Synek, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Fluidtechnik im VDMA, räumte allerdings ein, dass sich die Hydraulik aufgrund vieler Vorteile in der Landtechnik bewährt habe. Daher werde es kurzfristig wohl keinen technologischen Paradigmenwechsel in der Antriebstechnik geben. "Die Bedeutung der Hybridtechnologie wird jedoch deutlich zunehmen, da sie die Stärken der einzelnen Technikdisziplinen verbindet und somit einen erheblichen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung leistet", unterstrich Synek.

Standardisierung ist wichtig

Eine wichtige Voraussetzung für einen Technologiewandel hin zu elektrischen Antrieben ist die Standardisierung. An einem in der Agrartechnik international anerkannten Industriestandard für eine leistungsfähige Traktorenschnittstelle zur Stromversorgung von Anbaugeräten arbeitet eine Projektgruppe der AEF (Agricultural Industry Electronics Foundation). Bei der AEF handelt es sich um eine unabhängige, internationale Branchenorganisation, die sich für die verstärkte Nutzung der Elektronik in der Landwirtschaft einsetzt. "Dahinter steht der Gedanke, dass die Ausrüstung mit Elektromotoren auf marktgängigen Anbaugeräten mit jedem Traktormodell kompatibel und die Leistungsdaten des Verbrennungsmotors die einzige Begrenzung sein sollten," beschrieb Harald Dietel, Leiter der AEF-Projektgruppe "Elektrische Antriebe". Die Projektgruppe wurde im April gegründet. 40 Firmen kommen dort an einen Tisch. Noch etwa zwei bis drei Jahre müssen eingeplant werden, bis die Standardisierung im Bereich elektrische Antriebe entscheidend vorangekommen ist.
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