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AGCO will 'nochmal eines drauflegen'

von , am
10.09.2012

Paris - Martin Richenhagen, Konzernchef von AGCO erwartet kurz- und mittelfristig ertragreiche Zeiten. Für das laufende Jahr deute sich ein Rekordumsatz an.

Trotz der aktuellen Missernte in Nordamerika aufgrund anhaltender Trockenheit sowie der Finanzkrise in Europa laufe der Absatz von Mähdreschern und Traktoren der AGCO-Marken Massey Ferguson, Fendt und Valtra besser als angenommen, erklärte Martin Richenhagen, Präsident des US-amerikanischen Traktoren- und Landmaschinenkonzerns AGCO.
 
Die finnische AGCO-Konzerntochter Valtra hatte vergangene Woche auf der französischen Agrarmesse "Innov-Agri" in Outarville nahe Orleans neue Traktoren präsentiert.

Gesamtumsatz von 10,5 Milliarden Dollar erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr rechne AGCO mit einem Gesamtumsatz von 10,5 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro), und 2013 wolle man sogar "nochmal eines drauflegen", erklärte der Konzernchef.
 
Absolute Zukunftsmärkte mit Potential seien derzeit China und Afrika. Das düstere Bild dürregeschädigter und damit finanzschwacher US-Bauern habe sich bislang nicht bestätigt, sagte Richenhagen. Generell seien die Farmer in den USA sehr gut versichert. Hinzu komme, dass die Erzeugerpreise zuletzt stark gestiegen seien. Der Ernteausfall auf den US-Farmen wird dem AGCO-Chef zufolge auf rund 20 Prozent (%) geschätzt; gleichzeitig hätten jedoch die Preise für Ackerfrüchte um etwa 20 % angezogen. Somit habe die Missernte nur einen geringen Einfluss auf geplante Investitionen der US-Farmer in neue Landtechnik.

Auch mit der Maschinennachfrage in Europa ist Richenhagen zufrieden. Der Unternehmenschef geht davon aus, dass sich seine positive Prognose schon bald auf den Wert der AGCO-Aktie an der New Yorker Börse auswirken dürfte, wo der Kurs am vergangenen Freitag bei rund 43 Dollar (34 Euro) stand; Richenhagen rechnet mit einem Anstieg auf über 60 Dollar (47,6 Euro) im kommenden Jahr.

Bald Investitionen in Melktechnik und Grünland-Sparte?

Richenhagen ließ auf der Messe in Frankreich gleich mehrfach aufhorchen, so etwa mit der Feststellung, dass AGCO nach wie vor über ein Portefeuille von zwei Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd Euro) für weitere mögliche Firmenübernahmen und -beteiligungen verfüge. Erst Ende vergangenen Jahres hatte AGCO für geschätzte 940 Millionen Dollar (746 Mio Euro) die GSI Holding Corp gekauft, einen führenden Hersteller von Systemen für die Getreidelagerung und Eiweißproduktion.
 
Im Focus für weitere Übernahmen seien aber weder Reifenfirmen noch Dünger- oder Pflanzenschutzmittelhersteller, stellte der Spitzenmanager klar. Melktechnik bis hin zum Roboter oder Grünland-Erntemaschinen von Pressen bis Ladewagen würden dagegen noch gut ins AGCO-Programm passen. Gespräche über mögliche An- und Aufkäufe - auch einzelner Produktlinien - führe er laufend, so Richenhagen. Darunter seien auch namhafte deutsche und österreichische Hersteller.
 
Motoren: Fendt soll künftig AGCO-Motoren tragen
 
Der Unternehmenschef verglich die verschiedenen Marken und Produktionssparten von AGCO mit der Volkswagen-Gruppe und deren "intensiver Zusammenarbeit im Konzern". Dieses Ziel verfolge auch AGCO in Sachen Forschung und Entwicklung sowie beim Einbau möglichst vieler konzerneigener Komponenten. Dass etwa Fendt, "unser Technologieführer im AGCO-Konzern", nach wie vor Motoren von Deutz zukaufe und nicht - wie alle anderen Zugpferde von Massey Ferguson und Valtra - die eigenen Antriebe von AGCO-Power nutze, "nur weil diese um sieben Zentimeter kürzer sind", will Richenhagen längerfristig geändert wissen. "Besser, wir haben in allen AGCO-Traktoren auch AGCO-Motoren. Wir wollen 100 Prozent Kontrolle über alle Motoren in unseren Maschinen; das ist auch im Sinne unserer Kunden", so die klare Linie des Konzernpräsidenten.

Trennung von Senior-Vizepräsident Mühlhäuser

Ende August hatte sich AGCO völlig überraschend von seinem Senior-Vizepräsident Hubertus Mühlhäuser getrennt. Der 42-Jährige war 2005 in das Unternehmen eingetreten und neben Konzernchef Martin Richenhagen der zweite Deutsche in der obersten Führungsebene des Landtechnikunternehmens; zuletzt war er als hauptverantwortlicher Manager für Europa, Afrika und den Mittleren Osten tätig. Mühlhäuser sei überraschend von seinem Managerposten "zurückgetreten", so die offizielle Sprachregelung des Unternehmens.
 
Richenhagen wollte keinen Kommentar zu dem plötzlichen Ausscheiden seines engen Mitarbeiters abgeben. Hinter den Kulissen hieß es, Mühlhäuser sei einerseits wegen fehlendem Erfolg bei der Anbahnung und Umsetzung neuer Geschäfte geschasst worden, andererseits aber auch auf Druck großer Händler und Generalimporteure. Diese hatten dem Vernehmen nach immer öfter Kritik am Auftreten Mühlhäusers und der schroffen Behandlung von Geschäftspartnern geübt. Richenhagen selbst wird bis zur Bestellung eines Nachfolgers die Geschäfte von Mühlhäuser übernehmen.
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