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Agravis steigert Umsatz und Gewinn

von , am
14.03.2011

Münster - Agravis hat die Gewinn- und Umsatzzahlen für 2010 bekanntgegeben. Dabei kann das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen auf eine positive Bilanz blicken.

Bessere Bremsen für leistungsstarke Traktoren fordert die EU. © Mühlhausen/landpixel
Die Agravis Raiffeisen AG hat im Geschäftsjahr 2010 erfolgreich gewirtschaftet und ihren Umsatz gegenüber 2009 um 10 Prozent (%) auf insgesamt 5,4 Mrd Euro erhöht. Wie der Konzern mitteilte, kletterte das Ergebnis vor Steuern um ein Viertel auf 29,2 Mio Euro. "Das Agrargeschäft hatte ein lebhaftes zweites Halbjahr 2010 und hat die Finanz- und Wirtschaftskrise hinter sich gelassen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Clemens Große Frie. Ihr Eigenkapital konnte die Agravis 2010 auf mehr als 270 Mio Euro ausbauen. Laut Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff hat sie damit beim Eigenkapital seit 2004 um rund 100 Mio Euro zugelegt.
Allerdings sank die Eigenkapitalquote wegen einer Bilanzverlängerung um 165 Mio Euro auf 1,23 Mrd Euro von 23,5 % auf jetzt weniger als 20 %. Für die kommenden Monate dämpfte Große Frie allzu optimistische Erwartungen und betonte: "Die aktuellen Themen, die die gesamte Branche belasten, sind unerwartete Begleiter zum Jahresbeginn 2011." Dabei gehe es vor allem um Dioxin und die Preisturbulenzen an den Börsen. Das alles könne die Perspektive für 2011 beeinflussen, hob der Agravis-Chef hervor. Dennoch sei für das laufende Geschäftsjahr weiteres Wachstum geplant. Große Fries Angaben zufolge sollen die Aktionäre 2011 eine Dividende erhalten, die den "Vergleich zu Unternehmen am Kapitalmarkt nicht scheuen muss". Vor dem Hintergrund der 2010 erreichten Umsatz- und Ergebniszahlen werde auf der Hauptversammlung im Mai ein Dividendenvorschlag von insgesamt 5,7 % unterbreitet.

Chancen genutzt

Das abgelaufene Geschäftjahr war Große Frie zufolge in der Agravis-Gruppe von unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Geschäftbereichen geprägt. Das Segment Pflanzen, bestehend aus dem Geschäft mit Düngemitteln, Saatgut und Pflanzenschutz sowie Agrarerzeugnissen, sei einem harten Wettbewerb ausgesetzt gewesen, insbesondere im Bereich Pflanzenschutz. Im Düngemittelgeschäft sei es nach den starken Preisschwankungen gelungen, die Marktanteile zu festigen und den Umsatz preisbedingt auszubauen. Das Saatgutgeschäft bewege sich nach wie vor auf einem guten Niveau. Im Handel mit Agrarerzeugnissen habe das Unternehmen die Chancen volatiler Märkte nutzen und im schwierigen Umfeld zusammen rund 7 Mio t Getreide und Ölsaaten handeln können. Alles in allem hat das Unternehmen im Segment Pflanzen laut Große Frie das Umsatzziel mit 2,11 Mrd Euro erreicht. Das waren 11 % mehr als 2009.

Große Frie: Erwartungen im Technik-Segment 'knapp erfüllt'

Umsatz, Eigenkapital, Anlagevermögen und Bilanzsumme sind im letzten Jahr gestiegen.
Im Bereich Tiere, der die Segmente Futtermittel und Futtermittel-Spezialprodukte umfasst, verlief das Geschäft Unternehmensangaben zufolge 2010 positiv. Die Übernahme der "Hamburger Leistungsfutter" (HL) und weitere Vertriebskooperationen wirkten sich laut Große Frie positiv aus. Für Mischfutter bestand eine große Nachfrage. Im gesamten Segment stieg der Umsatz 2010 um 12 % auf 1,12 Mrd Euro. Allerdings sei im Moment nur schwer abzuschätzen, wie sich der Dioxinskandal langfristig weiter auswirke, stellte der Vorstandsvorsitzende fest.
Das Technik-Geschäft war laut Agravis 2010 zunächst von starker Investitionszurückhaltung der Landwirtschaft geprägt. Für die Technik-Gruppe mit ihren 14 regionalen Gesellschaften verlief  das vergangene Geschäftsjahr nach einem starken zweiten Halbjahr umsatzmäßig trotzdem zufriedenstellend. "Das Ergebnis hat nach einem schwachen ersten Halbjahr die Erwartungen knapp erfüllt", erläuterte Große Frie.
Die Bereiche Bauservice und Märkte waren im vergangenen Jahr laut Agravis stark von der Konjunkturlage abhängig. Während das Segment Bauen mit einem Umsatz von 119 Mio Euro ein Minus von 8 % einfuhr, verlief das Geschäft für die Raiffeisen-Märkte mit positiver Tendenz. Sie konnten ihren Umsatz um 7 % auf 133 Mio Euro steigern.
Der Energie-Bereich, ein Schwergewicht bei Agravis, entwickelte sich 2010 gut und fuhr einen Umsatz von insgesamt 1,32 Mrd Euro ein. Das waren etwa 12 % mehr als im Vorjahr.

Neues Projekt 'TerraVis'

Im Bereich Energie hätten sich neben Preissteigerungen und einer erhöhten Nachfrage nach Brennstoffen insbesondere Absatzzuwächse im Schmierstoffbereich positiv ausgewirkt, betonte Große Frie und ergänzte: "Wir sehen hier auch weiteres Wachstum." Er setzt dabei auf das neu eingeführte Produkt- und Dienstleistungskonzept "TerraVis", mit dem die Agravis seit November 2010 das Geschäft rund um Biogas angeht. Gleichzeitig unterstrich der Vorstandsvorsitzende, Agravis werde im Bereich der Bioenergie ausschließlich als Service-Partner aktiv sein und niemals mit eigenem Kapital als Betreiber oder Investor, beispielsweise bei Biogasanlagen.


Mehr investiert als abgeschrieben

Zu den Unternehmenszahlen 2010 merkten die beiden Agravis-Vorstände an, dass die Umsatzrendite mit 0,54 % vom Umsatz insgesamt noch zu niedrig liege. Zwar seien hier in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt worden. Angepeilt werden müsse dauerhaft aber ein Wert von 1,0 %. Das würde bei gleichem Umsatz fast einer Verdopplung des Ergebnisses entsprechen. Nach Angaben von Schulte-Althoff hat die Agravis-Gruppe, zu der rund 80 Tochter- und 20 Beteiligungsunternehmen gehören, im vergangenen Jahr insgesamt rund 46 Mio Euro investiert. Das Investitionsvolumen lag damit wiederum deutlich über den Abschreibungen, die etwa 35 Mio Euro ausmachten. Finanziert wurde der Überhang aus dem Cash Flow des Unternehmens.
 
Hören Sie den Vorstandsvorsitzenden von Agravis, Dr. Clemens Große Frie, über den Geschäftsverlauf 2010 sprechen.
 
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