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Cornelia Horsch: 'Deutschland ist unser wichtigster Markt'

von , am
22.11.2013

Horsch gehört unstrittig zu den Landtechnikunternehmen, die in den letzten Jahren am stärksten gewachsen sind. Wie sich der Familienbetrieb für die Zukunft aufstellt, berichtet Cornelia Horsch.

Im Bereich Bestandsführung gewann Horsch Leeb BoomControl auf der Agritechnica den Titel Maschine des Jahres 2014. © Horsch
Ein neues Rekordjahr verkündete Horsch Ende September auf seiner Pressekonferenz - 250 Millionen Euro Umsatz. Gesellschafterin Cornelia Horsch, die Marketing, Vertrieb und Service koordiniert, ist davon selbst überrascht. Denn seit der ersten großen Inves­tition in das Schulungszentrum sind gerade einmal 15 Jahre vergangen.

Und im Vergleich zu 2003 ist der Umsatz um das Zehnfache gestiegen. Um dieses Wachstum zu erhalten, sind ständig neue Innovationen gefragt. Auf der Agritechnica stellte Horsch wieder einige vor, die dlv-Fachzeitschrift Agrartechnik hat sich mit Cornelia Horsch über die Zukunft des Unternehmens unterhalten.

Frau Horsch, was ist Ihr persönlicher Favorit unter den Neuheiten?

Cornelia Horsch ist besonders vom neuen Pflanzenschutzselbstfahrer und der Getreidevereinzelung begeistert. © cr
So einfach kann ich das gar nicht sagen. Sowohl unsere neue Selbstfahrspritze mit der einzigartigen, neuen Gestängeaufhängung "BoomControl Pro" als auch die Getreide-Vereinzelung begeistern mich. Für beide haben wir eine Silbermedaille von der DLG bekommen.
 
Emotionaler ist natürlich das Pflanzenschutzfahrzeug. Mit diesem Selbstfahrer setzen wir vor allem auf Großbetriebe in Ostdeutschland, Russland, Rumänien, Tschechien oder der Ukraine. In Frankreich wird der Markt für 36 Meter Arbeitsbreite wohl eher begrenzt sein. Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch vom Vereinzelungssystem begeistert. Es war ein langer Entwicklungsweg und wir sind froh, dass wir jetzt endlich den Durchbruch geschafft haben.
 
Seit 2011 arbeitet Horsch ja mit Leeb zusammen. Jetzt kommt der neue Selbstfahrer. Wie wichtig ist das Thema Pflanzenschutz im Vertrieb?

Von den Umsatzzahlen her ist die Pronto-Sätechnik mit 36 Prozent die wichtigste Maschine. Ihr folgen in der Bodenbearbeitung Terrano mit 18  Prozent und Joker mit 16 Prozent. Danach kommen EKT und Tiger mit zehn beziehungsweise sieben Prozent. Der Umsatz im Bereich Pflanzenschutz liegt bei fünf Prozent.
 
Vom Verhältnis her sind also unsere klassischen Maschinen die wichtigeren. Allerdings hat das Thema Pflanzenschutz für uns eine hohe strategische Bedeutung. Hier wird in Zukunft sicher ein deutlich höherer Umsatzanteil erreicht.

Mit Südafrika haben sie kürzlich einen neuen Markt erschlossen. Für welche Maschinen ist er interessant?

In Südafrika laufen seit dem letzten Jahr bereits etliche Maestro. Dort sind große Arbeitsbreiten von 18 und 24 Reihen gefragt. Ein Kunde alleine hat beispielsweise schon sieben dieser Einzelkorndrillmaschinen gekauft. Besonders mit unserem guten Service und der Maschinenbetreuung sowie dem Ersteinsatz mit unseren Monteuren können wir dort zusätzlich punkten. Eine solche Kundenbetreuung kennt man in Südafrika nicht. Außerdem haben wir dort einen sehr aktiven Importeur gefunden. Auf jeden Fall ist es ein interessanter Markt für uns.
 
Ist Deutschland immer noch der wichtigstes Markt für Horsch?

Ja. Hier erzielen wir 23 Prozent des Umsatzes. Dann folgen Frank­reich mit 19 Prozent und Polen mit neun Prozent. Diese drei Länder zusammen nehmen also wertmäßig schon die Hälfte unserer Maschinen auf. Dann kommen Russland (acht Prozent), die Ukraine (sechs Prozent) und Großbritannien (vier Prozent).

2013 wird für Horsch ja wieder ein Rekordjahr. Gehen Sie davon aus, dass sich dieses Wachstum 2014 fortsetzt?

2013 war ein hervorragendes Jahr. Vor allem in Deutschland und Frankreich konnten wir mehr Maschinen verkaufen. Großbritannien hat sich erholt und auch in Polen konnten wir zahlreiche Geräte verkaufen. Erfreulicherweise sind auch die Ostmärk­te wieder gut angelaufen.

Dennoch gehen wir für 2014 von verhaltenen bis normalen Märkten aus. Es kann nicht immer nur Rekordjahre geben. Entscheidend ist vor allem auch, wie sich die Preise entwickeln. In Frankreich zum Beispiel war die Ernte durchschnittlich und es kommen steuerliche Änderungen auf die Landwirte zu. Außerdem stellen wir dort fest, dass sich die Märkte nach den Investitionen der letzten Jahre eher beruhigen. Ähnlich ist es in Deutschland. Ein weiteres Wachstum können wir hier nur erzielen, indem wir neue Produkte platzieren.

Gibt es auch für Deutschland wieder Baupläne?

Ja, im nächsten Jahr steht ein Neubau des FITZentrums an. Unser bisheriges Schulungszentrum ist für die gestiegenen Anforderungen einfach zu klein geworden. Zum Beispiel können wir dort keine großen Maschinen ausklappen und zeigen. Ein anderes Manko ist die fehlende Kantine für größere Besuchergruppen. Das neue Schulungszentrum soll eine Größe von 1.100 Quadratmetern haben und speziell für den Endkundenkontakt genutzt werden. Das bisherige FITZentrum möchten wir dann verstärkt für Serviceschulungen nutzen.
Suchen Sie hierfür auch neue Mitarbeiter?
 
Genau, besonders im Vertrieb und Service wollen wir noch weiter wachsen. In personeller Hinsicht stehen zusätzlich Änderungen in der Unternehmensstruktur an. So werden wir die Zuständigkeitsbereiche der Geschäftsführung neu verteilen und Bereichsleiterfunktionen einführen. Horst Keller betreut dann Finanzen, Personal und die administrativen Aufgaben. Philipp Horsch und Theo Leeb sind  weiterhin für die Produktentwicklung zuständig. In diesem Bereich wird sich auch mein Mann Michael einbringen.  Für den Export verantwortlich ist Traugott Horsch und bei mir laufen Marketing, Vertrieb und Service zusammen.

Frau Horsch, wie oft wurden Sie in den vergangenen Wochen gefragt, wann der "Horsch-Pflug" kommt?

Sehr oft! Er wird aber definitiv nicht kommen. Horsch und der Pflug passen einfach nicht zusammen. Wir haben eine andere Philosophie und sind damit sehr erfolgreich. Ein Konzept, bei dem wir nicht vollständig selbst dahinter stehen, kann einfach nicht den gewünschten Erfolg bringen.
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