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Digitalisierung

Digitalisierung: agricon fordert Besinnung auf Nutzwert

Finger bedient Fendt Terminal
am Donnerstag, 21.02.2019 - 15:40

Beim Thema Digitalisierung macht sich Ernüchterung breit. Peer Leithold, Geschäftsführer von agricon, fordert daher ein Umdenken.

Peer Leithold, Geschäftsführer von agricon

Beim Thema Digitalisierung im Ackerbau ist im Moment eine gewisse Ernüchterung zu beobachten. Prominente Beispiele sind Michael Horsch, Geschäftsführer und Eigentümer der Horsch Maschinen GmbH, und der DLG-Präsident Hubertus Paetow - beide auch praktizierende Landwirte. Tenor: Digitalisierung schafft mehr Arbeit als Nutzen.

Auch nach Ansicht von Peer Leithold, Geschäftsführer von agricon, herrscht eine erhebliche Kluft zwischen den Versprechungen der Industrie und der Realität auf den Betrieben. Dies macht er in einem Beitrag auf dem firmeneigenen Blog deutlich und fordert gleichzeitig, die Digitalisierung nicht zu verteufeln, sondern an ihr zu arbeiten.

Digitalisierung muss Nutzen schaffen

Im Kern soll die Digitalisierung drei Aufgaben erfüllen:

  • Fachlich richtige Reaktionen auf die wechselnden Bedingungen im Pflanzenbau hervorbringen,
  • positive Effekte auf die Umwelt haben und
  • das Management vereinfachen, um den Betriebsleiter von unnötiger Büroarbeit zu entlasten.

Dabei ist Leithold zufolge nicht nimmer alles, was technisch möglich ist, aus Sicht des Landwirts auch sinnvoll. Für den Anwender zählen  Aufwand, Kosten, Nutzen und Erlöse. "Bisher war der Markt allein getrieben von der verfügbaren Technik, Technologie oder Software, weniger von der agronomischen Fragestellung oder dem wirtschaftlichen Nutzen. Dies bedeutet, dass wir die Sichtweise auf Precision Farming (Digitalisierung im Ackerbau) vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Wir müssen vom richtigen Ende her denken. Die Fragen die wir uns stellen müssen lauten: Was können wir besser machen? Was benötige ich dazu? Was bringt es meinem Betrieb? Was kostet das?", schreibt er.

Drei Grundsätze für digitale Lösungen

Leithold betont, dass jede digitale Lösung - egal ob im persönlichen Bereich, in der Industrie, dem Handwerk oder der Verwaltung - den gleichen Grundsätzen folgt:

  • Informationsgewinnung
  • Entscheidungsfindung
  • Anwendung im Prozess

An die Information stellt er sechs anforderungen:

  1. Es muss die richtige Information im Sinne der Entscheidungsfrage sein, also eng korrelieren und kausal zusammenhängend mit der beabsichtigten Entscheidung sein. Es wäre beispielsweise sinnlos für die bevorstehende Kalkung am Vorabend Läuse zu zählen.
  2. Die Information muss digital und in einem absoluten Maßstab vorliegen (mehr oder weniger von etwas reicht hier nicht aus),
  3. sie muss ausreichend präzise im Sinne der Entscheidung und hochauflösend sein,
  4. sie muss objektiv und reproduzierbar sein,
  5. sie muss preiswert sein,
  6. sie muss sich leicht handhaben lassen.

Wird eine Anforderung nicht erfüllt, sei die Technologie für Praxis nicht geeignet.

Liegt die richtige Information vor, muss ein wissensbasierter, in Software eingebundener Algorithmus diese Information (nahezu) vollautomatisch in eine aktuelle Entscheidung umrechnen. Dieser Algorithmus bündelt das derzeit beste verfügbare landwirtschaftliche Wissen. Er stellt nach Auffassung von Leithold die Agronomie dar und  sei der Wesenskern der Digitalisierung, es ist nicht die Technik! Ein Algorithmus sei dann gut, wenn er nachweislich zu einem besseren wirtschaftlichen Ergebnis führt. Der Nachweis dazu wird in wissenschaftlich fundierten On-Farm-Research-Versuchen (OFR) erbracht.

Diese Entscheidung wird angezeigt und dann automatisch vom Ausbringgerät an der richtigen Stelle umgesetzt.

Das gesamte Datenmanagement müss hochautomatisiert und „geräuschlos“ ablaufen. 

Fachberatung als Grundvoraussetzung

"Jeder Betriebsleiter muss sich am Anfang seiner Bemühungen um einen digitalen Pflanzenbau fragen, ob er sich selbst als Entwicklungsingenieur bei Soft- und Hardware, Wissenschaftler und Versuchstechniker im Feld betätigen möchte oder ob er sich dazu professionelle Hilfe auf den Hof holt. Wählt er den ersten Weg, dann passiert es schnell, dass viel seiner wertvollen Zeit für diese Dinge aufgewendet werden muss. Allzu oft sehen wir, dass dann bei hoher Konzentration auf diese Entwicklungs-, Erprobungs- und Integrationsarbeit der eigentliche Job als Unternehmer zu kurz kommt."

Den vollständigen Blogbeitrag können Sie hier nachlsen.

Mit Material von Agricon GmbH

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