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eHoftrac mit Elektroantrieb: Prototyp ist praxisreif

© Hädicke
von , am
30.08.2014

Auf der Agritechnica 2013 war er noch als Prototyp zu sehen. Auf der EuroTier 2014 startet die Markteinführung. Die AGRARTECHNIK hat sich den eHoftrac von Weidemann angesehen.

© Hädicke
Seiner Zeit voraus zu sein, ist nicht immer ein Vorteil. Dies musste schon so mancher Hersteller erfahren, der als erster neue Technologien eingeführt hat. So manches entpuppte sich am Markt dann als Flop. Beim eHoftrac besteht diese Gefahr nicht.
 
Elektromobilität ist nicht nur gerade chic, es gibt für den elektrisch angetriebenen Kompaktlader zahlreiche neue Anwendungsgebiete, die sein Bruder mit Dieselmotor nicht abdecken kann. Man denke da nur an Aufgaben im Lebensmittelbereich. Das bestechende an dem Konzept der Konstrukteure aus Diemelsee ist jedoch die Kombination des  Hoftrac-Konzepts mit bewährten Komponenten aus der Flurfördertechnik.

Basismaschine

Eine beliebte Anwendung für Fahrzeuge mit Elektroantrieb ist die Arbeit innerhalb von Gebäuden. © Hädicke
Als Basis für den eHoftrac dient ein echter Klassiker aus dem Weidemann-Sortiment, das Modell 1160. Er ist ein Einstiegsmodell bei den Ladern mit hydrostatischem Fahrantrieb. Äußerlich unterscheidet den eHoftrac kaum etwas von seinem Bruder. Allerdings stecken unter der Haube Blei-Säure-Akkus und zwei Elektromotoren und weitere elektronische Komponenten. Lithium-Ionen-Technik kommt nicht zum Einsatz, da aktuell einfach noch zu teuer. Beim Preis hat sich Weidemann am Stapler orientiert. Dort wird in der Regel der Preis für eine Maschine mit Dieselmotor hergenommen, dazu kommen die Mehrkosten für den Akkupack. Dies sind in der Regel zehn bis 15 Prozent inklusive Ladegerät. Dies wird beim eHoftrac ähnlich sein.

Das Konzept

Der Fahrantrieb ist im geschlossenen Kreis durch eine Verstellpumpe und zwei Konstantmotoren realisiert. Die Arbeitshydraulik ist eine Open-Center-Drosselsteuerung mit Konstantpumpe. Daher sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zum dieselbetriebenen Hoftrac 1160:
  • Zwei Elektromotoren: einer für den Fahrantrieb und einer für die Arbeitshydraulik
  • Ein gemeinsamer Antrieb für Vorder- und Hinterachse über ein Verteilergetriebe
Ausgehend vom Akku wird der Strom über eine zentrale Verteilungs- und Absicherungseinheit an den Frequenzumrichter verteilt. Der Frequenzumrichter wird von der zentralen Maschinensteuerung gesteuert. Aufgrund der eingestellten Frequenz und Stromstärke stellen sich an den beiden Elektromotoren jeweils eine Drehzahl und ein Drehmoment ein. Diese werden auf den Fahrantrieb beziehungsweise die Arbeitshydraulik übertragen.
 
Der Fahrer bedient die  Maschine analog zum konventionellen Hoftrac über ein Fahrpedal und einen Joystick. Somit hat sich an der Bedienphilosophie der Maschine nichts geändert, lediglich die interne Signalverarbeitung unterscheidet sich.

Kosten

Die Akkus, Motoren und Ladetechnik sind bewährte Komponenten aus der Flurfördertechnik. © Hädicke
Trotz Mehrkosten bei der Anschaffung, weist das e-Konzept Vorteile bei den Betriebskosten auf. Das Konstant-Stromsys­tem der konventionellen Maschine hat prinzipbedingt, aufgrund der Konstantpumpe und der direkten Kopplung an die Drehzahl des Dieselmotors, Leis­tungsverluste im Standby-Betrieb sowie im Teillastbereich. Der nicht für die Arbeitsbewegung genutzte Volumenstrom wird druckbehaftet zum Tank geführt.
 
Die Arbeitshydraulik des eHoftracs hingegen wird durch einen separaten Elektromotor angetrieben. Durch die Entkopplung des Fahrantriebs und des Antriebs für die Arbeitshydraulik ist es möglich, die hydraulische Leistung sehr genau an die vom Fahrer angeforderte Leistung anzupassen. Sowohl das Steuerventil als auch die hydraulisch betriebene Lenkung sind mit Sensoren ausgestattet. Mit diesen Informationen steuert die zentrale Steuereinheit der Maschine mittels eines elektronisch geregelten Frequenz-Umrichters den Pumpenmotor zeit- und bedarfsgerecht.

In der Praxis

Keine Probleme mit der Zugkraft: Der eHoftrac überzeugte auch vor dem Reitbahnplaner. © Hädicke
Durch das kurzzeitige Abgreifen hoher Ströme sind Elektromotoren in der Lage, hohe Leistungen und Momente kurzzeitig, auch weit über der ausgelegten Nennleistung, abzugeben. Diesen Vorteil spürten die Tester der AGRARTECHNIK sofort beim Anfahren mit den eHoftrac. Zudem ist die Arbeitshydraulik immer auf voller Leistung. Es muss nicht, wie beim konventinellen Lader mit dem Gas- und Inch-Pedal gearbeitet werden. Einsatzmöglichkeiten für den eHoftrac seien vor allem in der Innenwirtschaft, aber auch im Lebensmittelbereich. Vorteil gegenüber einem Gas- oder Elektrostapler: Er ist geländegängig. Übrigens arbeitet Weidemann schon an einem weiteren Produkt mit Elektroantrieb. Welches wird zwar noch nicht verraten. Es ist aber naheliegend...

Weitere Informationen zum neuen eHoftrac von Weidemann finden Sie als Abonnent der AGRARTECHNIK hier ...
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