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Landtechnikstruktur

Ersetzen freie Werkstätten bald Vertragshändler?

Dieser Artikel ist zuerst in der Agrartechnik erschienen.

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Dieter Dänzer/AGRARTECHNIK
am
22.12.2015

Platzt die Landtechnik-Struktur? Vor allem der RMI-Passus der neuen EU-Verordnung hat das Potential, die komplette Service-Struktur in der Land- und Baumaschinentechnik zu revolutionieren.

Mitte des letzten Jahres wurde der Norm-Entwurf DIN 16944:2015-12 vorgestellt. Darin werden die einschlägigen Anforderungen an die Landtechnikhersteller konkretisiert, um „unabhängigen Wirtschaftsakteuren“ einen diskriminierungsfreien Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen (RMI) sowie Informationen über On-Bord-Diagnose(OBD)-Systeme zu ermöglichen.

Wird dies, wie in der Kfz-Branche geschehen zu vielen "Freien Werkstätten" führen? Oder werden die Hersteller ihre Vertriebspartner dadurch schützen, dass sie die Zugangs-RMI-Richtlinien so formulieren, dass sie nur die wirklich professionellen Fachbetriebe erfüllen können? Antworten könnte es auf den Landtechnischen Unternehmertagen in Würzburg geben.

Händler nennen Verordnung eine "Bombe"

Wie Dieter Dänzer, der Chefredakteur der AGRARTECHNIK schreibt, interpretiert die Händlerseite die EU-Verordnung 167/2013 jedenfalls als eine „Bombe“, da sie analog zur Kfz-Branche den exklusiven Fabrikats-Service revolutionieren werde. Davon ist zumindest Neofitos Arathymos überzeugt, u. a. RMI-Beauftragter von CLIMMAR, dem europäischen Landtechnikhändler-Dachverband. Arathymos ist einer der Hauptredner der LTU-Tage 2016.

Das vollständige Editorial zu diesem Thema finden Sie hier.

Hersteller monieren unberücksichtigte Rahmenbedingungen

Im Kraftfahrzeugsektor müssen die Hersteller bereits seit etlichen Jahren auch freien Werkstätten – also den „unabhängigen Wirtschaftsakteuren“ – die gleichen Informationen wie Vertragshändlern hinsichtlich der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen zur Verfügung stellen, um Wettbewerbsbehinderungen im Servicebereich zu verhindern. Diese Anforderungen wurden inhaltsgleich in die Vorschriften für landwirtschaftliche Fahrzeuge übernommen.

Dabei sei unberücksichtigt geblieben, dass die Rahmenbedingungen im Servicebereich für Kraftfahrzeuge völlig andere sind, als in der Landtechnik, moniert die Herstellerseite vehement. Wobei sie sich von der Verordnung nur marginale Verbesserungen erwarte, und es sich ansons­ten überwiegend um Bürokratie handle. So ist es jedenfalls in einem Referat des VDMA Verkehr zu lesen.

Ersatzteilgeschäft kann ausgeweitet werden

Einzelne, direkt auf den RMI-Norm-Entwurf angesprochene Hersteller merken an, dass die Umsetzung der Verordnung für sie Chancen berge. So könne beispielsweise das eigene Ersatzteilgeschäft ausgeweitet werden, weil dann die bis dato markengebundenen Händler die Ersatzteile für Fremdfabrikate nicht mehr gezwungenermaßen bei den Grossisten bestellen müssten.

 

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