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Bio-Brennstoffe

Hackschnitzel-Qualität: Diese 3 Faktoren sind entscheidend

Hackschnitzel
Hackschnitzel © Fotolia/Josef Binsteiner
von am
07.03.2017

Ob es sich um gute oder schlechte Hackschnitzel handelt, hängt vor allem vom Heizwert ab. Dieser wird vom Wassergehalt, der Verarbeitung und der Holzart beeinflusst. Auf diese drei Faktoren sollten Sie achten.

1. Wassergehalt: Je feuchter, desto geringer der Hackschnitzel-Heizwert

Der entscheidendste Faktor für die Qualität von Hackschnitzeln ist die Feuchte bzw. der Wassergehalt, wie Carsten Brüggemann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erläutert. Achtung, Wassergehalt ist nicht gleich Feuchte: Ein Wassergehalt von 20 Prozent (%) entspricht etwa 25 % Feuchte.

Generell gilt: Je feuchter das Material, desto geringer ist der Heizwert. In der Regel wird Holz im Winter geschlagen, anschließend liegen gelassen und im Sommer gehackt. Sind die so produzierten Hackschnitzel noch zu feucht, setzt ein Rotteprozess ein, was einen Energieverlust von 10 bis 20 Prozent bedeuten kann. Folgende Grenzwerte sind zu beachten:

  • bis 18 % Wassergehalt: unbedenkliche Lagerung, da trockener als Umgebungsfeuchte
  • 18 bis 20 % Wassergehalt: Umgebungsfeuchte, noch immer eher unbedenklich
  • ab 20 % Wassergehalt: Rotteprozess wahrscheinlich

Um dem Rotteprozess vorzubeugen kann man die Hackschnitzel

  • zum Trocknen zum Beispiel in eine Biogasanlage bringen
  • besser in mehreren kleineren als einem großen Haufen lagern
  • für Luftzirkulation bei der Lagerung sorgen (Drainageschläuche in den Lagerhaufen, seitlicher Holzverschlag mit Lücken und Hühnerdraht, Lagerung auf Paletten mit Hühnerdraht)

2. Holzart: Einheit ist entscheidend für Beurteilung

Unterschiedliche Holzarten haben einen unterschiedlichen Heizwert. Innerhalb einer Holzart gibt es wiederum Unterschiede zwischen Stammholz, Schlagholz und Strauchholz, also dem Rinden-Holz-Verhältnis. Irrtümer gibt es auch immer wieder bei der Umrechnung, so Brüggemann. Hackschnitzel werden in der Regel in Kubikmeter gehandelt, der Heizwert wird hingegen häufig pro Kilogramm angegeben.

Bei 25 % Feuchtegehalt haben Buche, Eiche und Pappel einen Heizwert von 3,9 kWh pro Kilogramm. Fichte und Kiefer haben einen Heizwert von 4,2 kWh pro Kilogramm. Bei der Umrechnung in den Heizwert spielt die Dichte eine wichtige Rolle. Eiche und Buche bringen es so auf ein deutlich höheres Gewicht pro Festmeter als beispielsweise Pappel oder Fichte. Kiefer liegt dazwischen.

Dichte: Kilogramm Trockenmasse je Festmeter

  • Eiche: 571 kg TM/fm
  • Buche: 558 kg TM/fm
  • Kiefer: 431 kg TM/fm
  • Fichte: 379 kg TM/fm
  • Pappel: 353 kg TM/fm

3. Produktion: Scharfe Messer, gute Hackschnitzel

Hackschnitzel werden überwiegend von Lohnunternehmern bereitgestellt, indem das Holz mit Trommel-, Scheibenrad- oder Schneckenhackern zerkleinert wird. Hier gilt grob: Je schärfer die Messer, desto exakter werden die Partikel, desto besser ist das Material. Zu große Partikel können zu Problemen beim Transport vom Lager in die Heizung über die Schnecke führen. Außerdem wirkt sich die Form der Partikel zu einem bestimmten Grad auf die Abrechnung aus: Je mehr Luft in einem Raummeter Hackschnitzel ist, zum Beispiel durch große oder durch zerfaserte Partikel, desto geringer das Gewicht und der Heizwert pro Volumeneinheit.

Neben scharfen Messern sind diese Empfehlungen wichtig für die Bereitstellung von Hackschnitzeln:

  • entkoppelte Arbeitsverfahren
  • eventuell Vortrocknen des Hackholzes
  • Zwischenlagerung der Hackschnitzel vermeiden
  • Hacken auf der Waldstraße bzw. am Lagerplatz
  • Nadelreisig im Bestand oder auf der Rückegasse belassen

Kontrolle der Hackschnitzel-Qualität

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Qualität von Hackschnitzeln zu kontrollieren. Um den Wassergehalt zu beurteilen, kann man eine Materialprobe wiegen, dann im Backofen erhitzen und anschließend erneut wiegen; die Gewichtsdifferenz entspricht dem Wasserverlust und lässt auf den Wassergehalt schließen. Die Partikel an sich lassen sich optisch beurteilen:

  • geringer Anteil an Nadeln, Blättern, feinen Ästen und Rinde, Verschmutzung mit Mineralboden oder sonstigen Fremdstoffen
  • aussieben: gleichförmige Partikelgröße, geringer Feinanteil (kaum Partikel unter 3 mm)
  • glatt geschnittene Kanten, nicht ausgefranste Partikelform

Gilt es die Güte für eine Dienstleistung festzustellen, kann man auch offizielle Ergebnisse erhalten, indem man eine Probe beispielsweise an die FH Göttingen schickt und auswerten lässt. Dort wird die Probe unter einer gültigen Norm für die Qualität von Hackschnitzeln beurteilt.

Mit Material von Carsten Brüggemann/LWK Niedersachsen, TFZ Straubing

Praxisbeispiele: Qualitätsklassen bei Hackschnitzeln unterscheiden

Kiefer-Hackschnitzel
Diese Kieferhackschnitzel fallen in die Größenklasse P45S. Das heißt, sie sind mehrheitlich (60 Prozent der Masse) zwischen 3,15 und 45 mm groß, wobei maximal 10 Prozent der Partikel kleiner als 3,15 mm oder größer als 63 mm sein dürfen.Der Rindenanteil ist gering, der Aschegehalt liegt bei 0,4 Prozent der Masse. Das ergibt die beste Qualitätsklasse: A1. © TFZ Straubing
Kiefer-Hackschnitzel
Diese Kiefer-Hackschnitzel fallen in die Größenklasse P31S. Das heißt, sie sind mehrheitlich zwischen 3,15 und 31,5 mm groß. Kein Partikel ist länger als 150 mm.Mit mäßig viel Rinde und einem Aschegehalt von 1,5 Prozent der Masse erzielen diese Hackschnitzel Qualitätsklasse A2. © TFZ Straubing
Hackschnitzel aus Waldrestholz
Diese Hackschnitzel stammen aus Waldrestholz mit Nadeln, Rinde und feinen Ästen. Da der Aschegehalt mehr als 3 Prozent der Masse beträgt, erreichen die Hackschnitzel nur Qualitätsklasse B und sind damit für Kleinfeuerungen nicht mehr geeignet, sondern nur für gewerbliche und kommunale Wärmenetze bis 1 MW thermischer Leistung. © TFZ Straubing
Verunreinigte Hackschnitzel
Hier sieht man deutliche Verunreinigungen mit Mineralboden in den Hackschnitzeln, die zudem Nadeln, Rinde und feine Ästen beeinhalten.Der Aschegehalt von mehr als 10 Masse-Prozent ergibt, dass sie für den emissionsarmen Betrieb von Kleinfeuerungen nicht geeignet sind. Die Verwendung ist jedoch freiwillig und keine gesetzliche Verpflichtung. © TFZ Straubing
Hackschnitzel mit hohen Rindenanteilen
Generell gilt, dass Hackschnitzel mit hohen Rindenanteilen und Anzeichen von Verrottung und Schimmelbildung nicht für Kleinfeuerungen geeignet sind, wie das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) erläutert. © TFZ Straubing
Feuchte Hackschnitzel
Das gilt auch, wenn Feuchtenester deutlich sichtbar sind wie hier. Wer sich bei der Beurteilung der Hackschnitzelqualität nicht sicher ist, kann auch eine Rückstellprobe nehmen und an ein externes Labor einsenden. © TFZ Straubing
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