Login
Forst- und Kommunaltechnik

Welche Erfahrung haben Sie im Winterdienst?

von , am
07.01.2011

Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen - Zumindest für Nordwestdeutschland aber auch für den Osten Deutschlands waren 2009 und 2010 extreme Winterjahre. Wir fragen drei Landwirte und Lohnunternehmer, die im Winterdienst tätig sind, nach ihren Erfahrungen hiermit.

© google

Zuerst fegen, dann Schnee schippen, dann Räumdienst
Heinrich Struckmeier, Röhrkasten 27283 Obernkirchen Niedersachsen

"Ich bin vor etwa acht Jahren zum Winterdienst gekommen. Der Maschinenring suchte damals eine Person, die Posthöfe fegte. Ich habe diesen Auftrag übernommen, dazu gehörte auch der Winterdienst. Heute machen wir Winterdienst auf zwei Bahnhöfen, bei der Polizei, der Volksbank und bei einer großen Glasfabrik. Ich habe inzwischen drei Männer als Handräumer beschäftigt und fahre selbst mit dem Schlepper zur Glasfabrik. Für die Handräumung haben wir breite Schneeschieber und einen Handstreuer, der Schlepper hat ein hydraulisch verstellbares Schild und einen Streuer." mehr ...

Moderne Streutechnik von der Gemeinde zur Verfügung gestellt 
Walter Buhr, Huxahl, 29303 Bergen Niedersachsen

"Wir sind seit 15 Jahren im Winterdienst für die Stadt Bergen tätig. Wir räumen die Gemeindestraßen der Stadt Bergen und die Hauptverkehrsstraßen (z.B. Busstrecken) in den Ortsteilen Eversen, Sülze, Huxahl und Wohlde. Die allgemeinen Sparmaßnahmen in den Kommunen machen auch vor dem Winterdienst nicht halt. Er wurde ziemlich zusammengestrichen. Reine Wohngebiete werden nur noch im Extremfall geräumt. Wenn, dann wird nur geschoben und kein Salz gestreut. Für den Winterdienst haben wir uns ein Räumschild angeschafft, ein neuer Salzstreuer wird uns von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Das ist ganz moderne Technik, bei der die Streubreite, die Streurichtung bis hin zur Grammzahl eingestellt werden können. Das Streusalz müssen wir im Bauhof der Stadt Bergen holen. 2009 gab es zum Schluss nur noch das Abraummaterial aus dem Bergbau, kein reines Streusalz mehr." mehr ...

Schlepper und Fahrer im Winter auslasten
Albert Feldmann, Lohnunternehmen Albert Feldmann GmbH & Co. KG, 48163 Münster - Amelsbüren Nordrhein-Westfalen

"Wir fahren auf Abruf im Winterdienst, in der Spitze sind es bis zu 25 Fahrzeuge, die räumen, streuen oder Schnee abfahren. Die Auftraggeber rufen an oder schicken uns ein Fax, beim Straßenbetrieb NRW haben wir feste Touren. Bei der Stadt Münster gibt es einen normalen Plan und einen Notfall-Plan. Wir konzentrieren uns auf große Projekte, bei denen wir mit den Schleppern fahren können und führen keine Handräumung oder Gehwegreinigung durch. Dafür haben die Landschaftsgärtner Spezialgeräte. Ich möchte meine Maschinen auslasten und habe mit dem Winterdienst die Möglichkeit, meine Angestellten über den Winter zu beschäftigen. Bei den Straßen NRW werden beispielsweise die Räumschilder und die Streuer gestellt, bei der Stadt Münster auch, wir stellen dann den Schlepper und den Fahrer. Wir rechnen nach Aufwand, also ausschließlich nach Zeit ab." mehr ...

{BILD:131400:jpg}Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin

 

 

 

 

Welche Erfahrungen haben Sie im Winterdienst?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - Zumindest für Nordwestdeutschland aber auch für den Osten Deutschlands waren 2009 und 2010 extreme Winterjahre. Wir fragen Heinrich Struckmeier nach seinen Erfahrungen hiermit.


Im Sommer Grünland, im Winter Schnee räumen

"Mein Name ist Heinrich Struckmeier. Ich habe einen landwirtschaftlichen Betrieb von etwa 140 Hektar Acker und 22 Hektar Grünland. Den Ackerbau hat unser Sohn übernommen, ich bewirtschafte mit meiner Frau zusammen das Grünland als Pferdepension. Diesen Part erledigt zum größten Teil meine Frau. Ich widme mich im Sommer der Grünpflege und im Winter führen wir Winterdienst durch. Wir setzen beim Winterdienst einen Ackerschlepper mit einem 2,7 Meter breiten Schneeschild ein. Das Schild ist hydraulisch schwenkbar, was ein großer Vorteil ist. Außerdem haben wir für das Salz streuen einen Vicon Pendelstreuer angebaut. Als Reserve habe ich ein älteres Schild und einen zweiten Streuer, denn wenn morgens etwas kaputt geht, sollte man Ersatz zur Hand haben.

Zuerst fegen, dann Schnee schippen

Ich bin vor etwa acht Jahren zum Winterdienst gekommen. Der Maschinenring suchte damals eine Person, die Posthöfe fegte. Ich habe diesen Auftrag übernommen, dazu gehörte auch der Winterdienst. Heute machen wir Winterdienst auf zwei Bahnhöfen, bei der Polizei, der Volksbank und bei einer großen Glasfabrik. Ich habe inzwischen drei Männer als Handräumer beschäftigt und fahre selbst mit dem Schlepper zur Glasfabrik. Für die Handräumung haben wir breite Schneeschieber und einen Handstreuer, der Schlepper hat ein hydraulisch verstellbares Schild und einen Streuer.

Früh aufstehen, auf die Kundenwünsche eingehen

Der Winterdienst eignet sich in erster Linie für Ackerbaubetriebe, denn wenn man viel Vieh zu versorgen hat, wird die Zeit eng. Außerdem sollte man kein Problem damit haben, früh aufzustehen. Hier gilt ganz besonders "Morgenstund hat Gold im Mund", denn wenn der Schnee erst festgefahren ist, bereitet das Schieben große Probleme. Wenn man einsteigen möchte, sollte man sich am besten mit dem Maschinenring in Verbindung setzen. Viele große Lebensmittelketten schreiben die Aufträge im Paket aus, so dass man als Einzelner kaum Chancen hat, an lukrative Aufträge heranzukommen. Ich rechne nach Festpreis oder nach Quadratmetern ab, der Großauftrag bei der Glasfabrik wird auf Stundenbasis abgerechnet. Bei den Aufträgen muss man sich den Kundenwünschen anpassen, denn der Kunde ist König. Eine frühe und saubere Arbeit ist in diesem Bereich die beste Werbung. Die ganzen Tätigkeiten laufen als gewerblicher Zuerwerb. Für den Schlepper wird für drei oder vier Monate Kfz-Steuer bezahlt, weil er in dieser Zeit keine landwirtschaftlichen Tätigkeiten macht. Über den Maschinenring sind wir mit unseren arbeiten Haftpflichtversichert, dies ist ganz besonders wichtig."

Heinrich Struckmeier
Röhrkasten 27283 Obernkirchen Niedersachsen

Welche Erfahrungen haben Sie im Winterdienst?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - Zumindest für Nordwestdeutschland aber auch für den Osten Deutschlands waren 2009 und 2010 extreme Winterjahre. Wir fragen Walter Buhr nach seinen Erfahrungen hiermit.


Winterdienst im landwirtschaftlichen Betrieb

"Wir haben sowohl einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 300 Hektar als auch ein Lohnunternehmen mit Transport und Logistik sowie Entsorgung. Der Winterdienst wird durch den landwirtschaftlichen Betrieb gemacht. Wir wechseln uns zu dritt ab, ich, mein Sohn und ein Mitarbeiter. Da es nur ein geringer Prozentsatz am Umsatz ist, müssen wir hierfür kein Gewerbe anmelden. Die Grenze für lohnunternehmerische Tätigkeiten außerhalb der Landwirtschaft liegt bei 50.000 Euro Umsatz.

Moderne Streutechnik von der Gemeinde zur Verfügung gestellt

Wir sind seit 15 Jahren im Winterdienst für die Stadt Bergen tätig. Wir räumen die Gemeindestraßen der Stadt Bergen und die Hauptverkehrsstraßen (z.B. Busstrecken) in den Ortsteilen Eversen, Sülze, Huxahl und Wohlde. Die allgemeinen Sparmaßnahmen in den Kommunen machen auch vor dem Winterdienst nicht halt. Er wurde ziemlich zusammengestrichen. Reine Wohngebiete werden nur noch im Extremfall geräumt. Wenn, dann wird nur geschoben und kein Salz gestreut. Für den Winterdienst haben wir uns ein Räumschild angeschafft, ein neuer Salzstreuer wird uns von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Das ist ganz moderne Technik, bei der die Streubreite, die Streurichtung bis hin zur Grammzahl eingestellt werden können. Das Streusalz müssen wir im Bauhof der Stadt Bergen holen. 2009 gab es zum Schluss nur noch das Abraummaterial aus dem Bergbau, kein reines Streusalz mehr.

Handeln im Auftrag, Haftung ausgeschlossen

Wir handeln im Auftrag der Gemeinde und haben unsere feste Strecke. Der Vertrag wird jedes Jahr erneuert. Abgerechnet wird nach Stunden über den Maschinenring Hermannsburg-Bergen. Unsere Tour dauert ungefähr zweieinhalb Stunden. Wir fahren nur auf Anforderung der Gemeinde los. Diese hat auch einen eigenen Räumdienst mit großem und kleinem Gerät. Der Vorarbeiter arbeitet einen kompletten Plan am Anfang des Winters aus und fordert uns bei Bedarf an. So müssen wir nicht selber entscheiden, fahren wir los, Haftungsansprüche sind damit ausgeschlossen. Zu diesem kommunalen Winterdienst haben wir auch noch private Räumaufträge, zum Beispiel Gastwirtschaften und Parkplätze oder in den nächsten Tagen 90 Kilometer Forstwege in der Klosterforst, die für die Holzabfuhr freigemacht werden müssen. Die Förster kennen uns von den Sommerarbeiten, wo wir die Äsungsflächen mulchen und wieder einsäen, sie wissen daher, dass wir eine Winterausrüstung haben."

Walter Buhr
Huxahl, 29303 Bergen Niedersachsen

Welche Erfahrungen haben Sie im Winterdienst?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Nordrhein-Westfalen - Zumindest für Nordwestdeutschland aber auch für den Osten Deutschlands waren 2009 und 2010 extreme Winterjahre. Wir fragen Albert Feldmann nach seinen Erfahrungen hiermit.


Bis zu 25 Fahrzeuge im Einsatz

"Wir haben ein Lohnunternehmen mit einem breiten Spektrum an landwirtschaftlichen und kommunalen Arbeiten sowie Erdtransporte für Tiefbauunternehmen und den Winterdienst. Wir beschäftigen 20 feste Mitarbeiter und bis zu 25 Aushilfskräfte. Seit 1976 sind wir für die Stadt Münster im Winterdienst tätig. Dort sind ständig zwei unserer Fahrzeuge im Einsatz, zwei weitere werden an die Stadt vermietet und fahren mit städtischen Fahrern. Seit 1999 fahren wir auch für die Autobahnmeistereien Münster und Lengerich. Hier fahren unsere Fahrer im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung Lkw oder Radlader. Seit zwei Jahren fahren wir außerdem für den Landesbetrieb Straßen NRW und räumen Kreisstraßen und Landesstraßen. Dort sind ebenfalls zwei Fahrzeuge ständig im Einsatz. Drei weitere Schlepper räumen die Parkplätze von Unternehmen wie Coca-Cola, Ratio oder Speditionen und Pkw-Werkstätten.

Schlepper und Fahrer im Winter auslasten

Wir fahren auf Abruf im Winterdienst, in der Spitze sind es bis zu 25 Fahrzeuge, die räumen, streuen oder Schnee abfahren. Die Auftraggeber rufen an oder schicken uns ein Fax, beim Straßenbetrieb NRW haben wir feste Touren. Bei der Stadt Münster gibt es einen normalen Plan und einen Notfall-Plan. Wir konzentrieren uns auf große Projekte, bei denen wir mit den Schleppern fahren können und führen keine Handräumung oder Gehwegreinigung durch. Dafür haben die Landschaftsgärtner Spezialgeräte. Ich möchte meine Maschinen auslasten und habe mit dem Winterdienst die Möglichkeit, meine Angestellten über den Winter zu beschäftigen. Bei den Straßen NRW werden beispielsweise die Räumschilder und die Streuer gestellt, bei der Stadt Münster auch, wir stellen dann den Schlepper und den Fahrer. Wir rechnen nach Aufwand, also ausschließlich nach Zeit ab.

Saisongeschäft hat immer Risiken

2010/2011 war sicher ein Sonderwinter, doch für den Winterdienst braucht es Kämpfer auf ganzer Linie. Man arbeitet bei Bedarf rund um die Uhr, auch an Weihnachten, Silvester und Neujahr. Die Investitionen für den Winterdienst betrugen rund 35.000 Euro. Wer sich überlegt in dieses Saisongeschäft einzusteigen, muss bedenken, dass nicht alle Winter gleich sind, man muss also genügend Luft haben, die Investition auf zehn Jahre zu verteilen. Selbstverständlich muss man seiner Versicherung melden, dass die Schlepper im Winterdienst laufen und dass sie für die Einsätze in der privaten Wirtschaft versteuert sind. Bedenken sollte man auch, dass man wesentlich höhere Wartungs- und Instandhaltungskosten durch die tiefen Temperaturen und das Salz hat. Die elektrischen Anlagen leiden, die Rücklichter sind beispielsweise sofort oxidiert. Man muss feste Aufträge haben, sonst geht das nicht. Das Wetterrisiko kann zu einem gewissen Teil durch Bereitstellungspauschalen, wie sie manchmal mit Supermärkten vereinbart werden, verringert werden. Die Stundensätze im Einsatz sind dann geringer. Nichtsdestotrotz muss ein "guter" Winter die Rücklagen für einen schlechten bringen."

Albert Feldmann
Lohnunternehmen Albert Feldmann GmbH & Co. KG
48163 Münster - Amelsbüren Nordrhein-Westfalen

Auch interessant