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Frauen in der Landtechnik: Familie prägt

von , am
02.09.2011

Kaltern - Frauen in Führungspositionen in der Landtechnik sind eher die Ausnahme. Wenn man dann in einem kleinen Unternehmen in der Leitungsebene gleich drei Frauen antrifft, ist das schon etwas Besonderes.

Dr. Susanne, Johanna und Barbara Seppi (v.li.) haben Führungspositionen beim Mulcherspezialisten Seppi M. inne und fühlen sich in der Landtechnik-Branche sehr wohl. © Rath-Kampe
Der Charakter des Unternehmens Seppi M. im italienischen Kaltern an der Weinstraße ist von der Familie geprägt. Der Mulcherspezialist wird heute von der dritten Generation geführt und legt viel Wert auf korrekte und verantwortungsvolle Geschäftsbeziehungen. Johanna Seppi, die Ehefrau von Luciano Seppi, dem Sohn des Firmengründers Max, stammt aus einem kleinen Weinbaubetrieb und hat sich an der Seite ihres Mannes in den landtechnischen Betrieb eingearbeitet.
 
Seit 40 Jahren baut Seppi M. Schlegelmulchgeräte. "Wir arbeiten stets an der Verbesserung unserer Geräte und können schnell auf Kundenanforderungen reagieren", so die Unternehmerin. Drei ihrer Kinder arbeiten bereits im Familienbetrieb. Tochter Susanne hat Betriebswirtschaft studiert. Sie ist beim Südtiroler Mulcherspezialist im Einkauf tätig. "Ich komme gut mit meinen Aufgaben zurecht und verhandle mit unseren Zulieferern auf Augenhöhe“, berichtet die junge Frau. "Die Spezifikationen unserer Teile ermittle ich in Zusammenarbeit mit der Entwicklung und der Produktion." Auch im Verkaufsinnendienst arbeiten bei Seppi M. mehrere Frauen und sind kompetente Ansprechpartner für die Kunden. Die andere Tochter Barbara ist für das Marketing des Unternehmens zuständig, sie spricht sechs Sprachen. Sohn Lorenz engagiert sich im Vertrieb.

Eine Frage des Charakters

Kaltern in Südtirol ist eine Region mit relativ geringer Arbeitslosigkeit. Deshalb ist es für die Firmen schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden. "Trotz des Fachkräftemangels arbeiten bei uns keine Frauen in der Produktion", erläutert Johanna Seppi. "Die Arbeit ist einfach zu schwer. Für den Außendienst kann ich mir aber durchaus weibliche Mitarbeiter vorstellen." Auf die Frage, ob Frauen einen anderen Führungsstil als Männer haben, schütteln alle drei den Kopf. "Führungsstil ist eine reine Charaktersache", bemerkt Johanna Seppi. "In einem Familienbetrieb kommt das auch nicht so zum Tragen. Der Vorteil der Familie ist auf jeden Fall, dass sie den Einstieg der Frauen in Führungspositionen begünstigt."

Mit der Arbeit groß geworden

Barbara Seppi, die älteste Tochter im Unternehmen, ist mit der Landtechnik groß geworden und war schon früh mit auf Messen dabei. "Wenn man mit der Technik aufgewachsen ist, spielt das Geschlecht keine so große Rolle mehr", sagt sie selbstbewusst. "Natürlich musste auch ich bei meinen ersten Messeauftritten feststellen, dass ich als Frau nicht ernst genommen wurde. Aber ich konnte mit Fachwissen punkten. Je mehr ich erzählen konnte, desto besser bin ich bei den Kunden angekommen. In unserem Job ist Wissen wichtiger als reine Durchsetzungskraft."
 
Bei der Tätigkeit in der Landtechnik stehe die Qualifikation im Vordergrund nicht das Geschlecht, betonen alle drei. Jeder müsse seine Aufgabe mit Freude erfüllen und jeder sollte gern zur Arbeit kommen. "Bei uns stand das Wohnhaus direkt neben der Werkstatt", berichtet Barbara Seppi. "Ich habe mit meinem Vater Kunden besucht, und mit 17 Jahren begann ich regelmäßig auf Messeständen mitzuarbeiten. Das kontinuierliche Hineinwachsen erleichtert den Einstieg sehr. Praktische Erfahrungen konnte ich bei Maschineneinsätzen bei Kunden und in anschließenden Gesprächen sammeln." Einig sind sich alle drei in einem Punkt: "Landwirtschaft ist etwas sehr schönes. Sie ist konkret und im täglichen Leben stets präsent."
 
Die Reportage über die Frauen von Seppi M. ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen. Sie sind noch kein Abonennt? Das können Sie hier ändern. zu den Abos ...
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