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Aufreger

Getreide abliefern: Traktor laufen lassen oder nicht?

Traktorschlange bei Getreideanlieferung an Annahmestelle
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Julia Eder, agrarheute
am
27.07.2017

Zur Erntezeit stauen sich die Gespanne mit Getreide vor den Annahmestellen. Sollte mal Sprit sparen und den Traktor ausschalten oder schadet das dem Motor? Auf Facebook läuft die Diskussion.

"Der Gurkenhobel" ist selbst kein Landwirt,  arbeitet aber in der Filiale einer Genossenschaft. Vor seinem Fenster werden derzeit Getreide und Raps angeliefert. In Bauer Willis Blog schreibt "Der Gurkenhobel":

"Sehr viele Landwirte jammern, dass das Saatgut zu teuer wäre, dass Pflanzenschutz zu teuer wäre, dass die Erzeugerpreise zu niedrig sind, und so weiter. Eines aber, und das erlebe ich gerade wieder, scheint noch nicht teuer genug zu sein: Diesel! Da stehen riesige Trecker 10 Minuten in der Schlange vor der Waage und dröhnen im Leerlauf vor sich hin." Seine grobe Kalkulation: 2 bis 2,5 Liter pro Stunde im Leerlauf, 3 bis 4 wartende Traktoren, am Feldrand bestimmt auch… und das ist ja nicht die einzige Getreideannahme. "Insbesondere macht mich das wütend, weil der Steuerzahler mit der Agrardieselbeihilfe dafür sorgt, dass der Stoff etwas günstiger ist. Anscheinend zu günstig. Oder verstehe ich irgendwas falsch?"

Diese Frage stellten wir auch unseren Lesern auf Facebook, die rege diskutierten. Wir haben die Meinungen zusammengefasst.

"Bei längeren Wartezeiten sollte schon mal abgestellt werden"

Einigen Facebook-User stimmen dem "Gurkenhobel" zu. Darunter auch die Betreiber des Hofladens Hartmann Brandau. Sie schreiben: "Der Kollege hat wohl nicht ganz unrecht... Rechnet man die ganzen Schlepper im Standgas hoch, kommt sicher ein bisschen was zusammen. Kleinvieh macht auch Mist!"

Jusuf Bailey macht ebenfalls häufig den Traktor bei längerem Wartezeiten aus. "Wenn du schon eine Viertelstunde am gleichen Ort stehst und wartest und siehst, dass es in den nächsten 5 Minuten nicht weitergeht, kann man schon ausmachen. Den ganzen Tag unnütz laufen lassen, muss man auch nicht." Aber: Zwischendurch startet er den Traktor doch mal kurz wegen der Klimaanlage.

"Abschalten für kurze Wartezeiten schadet dem Motor"

Viele User sehen keinen Mehrwert darin, den Motor während des Wartens abzustellen. So berechnet Lukas Klostermeier: "Ein Traktor mit ca. 200 PS braucht im Leerlauf ca. 2,5 liter pro Stunde, was also für die besagten 10 Minuten ca. 0,4 Liter bedeuten würde, also circa 0,50 Euro. Für das müde 50gerl schone ich lieber die Maschine, als dass ich es mir spare.

Rein aus der technischen Perspektive bekommt Lukas Beistand von Heini von Flüe: "Gerade bei luftgekühlten Motoren ist es wichtig, sie mindestens 10 Minuten laufen zu lassen." Auch Michael Lichti pflichtet dem bei: "Vor allem bei den neuen Traktoren mit Abgasnachbehandlung (SCR) ist das ständige Hoch- und Runterfahren der Anlage (Katalysator) nicht gesund."

Justin Schröder stimmt zu: "Bei uns bleibt alles immer an. Das hat gar nichts mit Diesel zu tun, sondern mit Turbo- und Motorschonung."

Motor an oder aus? "Mittelweg finden"

Die Wahrheit liegt für viele irgendwo dazwischen. Marcus Burmeister hält die Taktik, nur mal kurz für die Klimanalage den Motor anzuschalten, für falsch: "Das Problem ist, wenn ich an der Waage stehe und warte, habe ich sicherlich keine Lust, alle 2 Minuten den Motor zu starten und wieder abzuschalten. Das verbraucht am Ende mehr Diesel und bringt mehr Verschleiß, als ihn einfach laufen zu lassen."

Stefan Lauber beschreibt seine Situation bei der Ernte: "Wenn der Traktor gerade 40 t durch die Gegend zieht und im Hochsommer Berg auf Berg alles gibt, dann komme ich nicht an und mache als erstes den Motor aus. Hier warte ich auch 5 Minuten bis sich Motor und Turbolader abgekühlt haben. Ich bin kein Motorspezialist, aber ich bin der Meinung das sofort "aus" teurer ist. Sinnlos laufen lassen soll er natürlich dann auch nicht. Ich glaube, dass der gesunde Mittelweg hier richtig ist."

Carsten Becker ist ebenfalls zwiegespalten: "Ständiges Ab- und Anstellen schadet dem Motor mehr, als wenn man ihn laufen lässt. Gerade bei hohen Temperaturen, bzw. wenn er kurz zuvor noch richtig "arbeiten" musste. Zusätzlich werden die elektronischen Bauteile auch höher beansprucht. Ich gebe aber Recht: Bei längeren Wartezeiten sollte schon mal abgestellt werden."

Ganz neue Wege gegen unnötigen Dieselverbrauch

Nicht nur das bewusste Aus- oder Anschalten des Motors wird diskutiert, sondern auch alternative Lösungen, um das Problem von vornherein zu vermeiden.

Stefan Lauber findet, dass sich gegebenenfalls die Annahmestellen etwas mehr Gedanken machen könnten, um die vier Wochen im Jahr etwas besser zu organisieren, zum Beispiel mit Parkverboten oder Umleitungen, sodass für die hohe Anzahl an großen Maschinen Platz ist.

Carsten Becker nennt Lkws als Beispiel für Klimaanlagen-Liebhaber: "Lkws haben nicht umsonst die Zusatzausrüstung der Stand-Klimaanlage, um Kosten zu sparen. Wobei, ob dies beim Schlepper lohnenswert ist?" Auch Johannes Lässig findet in anderen Branchen gute Ideen: "Die Technik ist nicht weit genug: Mein Bagger schaltet sich automatisch aus, wenn er eine gewisse Zeit nicht benutzt wird. Das sollte bei Traktoren genauso sein!"

Christian Böhling würde ganz neue Wege gehen: "Dann bringe ich mal eine Idee auf den Plan: Elektro-Traktor. Tesla baut einen E-LKW mit einer 2.000 km Reichweite. Warum nicht ein E-Traktor mit Batterie oder Wasserstoff als Speicher."

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