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Wildrettung

Rechtsfragen zur Kitzrettung: Das sollten Jäger und Landwirte beachten

Rehkitz wird gerettet
am Donnerstag, 22.04.2021 - 05:58 (1 Kommentar)

Rehwild gehört zu den häufigsten Wildarten in unseren Wäldern. Im Mai und Juni wird der Nachwuchs geboren und oftmals in Wiesen abgelegt. Zur selben Zeit steht dort der 1. Schnitt der Grünfutterernte an. Damit die Kitze nicht dem Mähwerk zum Opfer fallen, empfiehlt es sich, die Flächen vorab abzusuchen. Wer ist dafür verantwortlich und was gibt es zu beachten?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Rehkitze vor dem Tod durch ein Mähwerk zu retten. Eine Option bietet beispielsweise die Internetplattform Rehkitzretter.eu. Hier wird die Kommunikation zwischen Landwirt, Rehkitzretter, Helfer und Jäger stark vereinfacht. Die gesamte Plattform ist für jeden Teilnehmer kostenlos und auch nicht werbefinanziert.

Alternativ kann sich natürlich auch jeder Landwirt selbst mit seinem Jäger vor Ort direkt absprechen. Was es dabei zu beachten gibt, haben wir für Sie zusammengefasst.

Rehkitzsuche: Wer ist in der Verantwortung?

Der Landwirt hat den zuständigen Jäger informiert, dass er mähen will. Muss er sich vergewissern, dass der Jäger die Wiese wirklich abgesucht hat oder ist er damit völlig aus der Verantwortung?

Die Verpflichtung geeignete Maßnahmen zu ergreifen, entfällt grundsätzlich nicht. Der Jagdausübungsberechtigte hat zwar grundsätzlich eine Mitwirkungspflicht, keinesfalls aber die Alleinverantwortung. Der Landwirt sollte sich die Suche jedenfalls rückbestätigen lassen. Ist diese nicht erfolgt, hat er selbst geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Rehkitzsuche: Vertrauen oder absichern?

Sollte sich der Landwirt die Suche schriftlich bestätigen lassen?

Die Information an den Jagdausübungsberechtigten über die beabsichtigte Mahd, dessen Rückmeldung (zeitlich möglich oder nicht), sowie die Folgemaßnahmen sollten jedenfalls – ggfs. auch fotografisch - dokumentiert werden.

An diese Abläufe und Fristen sollten Sie sich halten

Wie lange muss der Landwirt dem Jäger Zeit für die Suche geben? Wie lange im Voraus muss er den Jäger informieren?

Der Landwirt sollte den Jagdausübungsberechtigten rechtzeitig informieren. Eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht, die angemessene „Frist“ hängt maßgeblich vom Einzelfall ab (wie weit ist der Fahrtweg zwischen Wohnsitz und Revier, ist der Jagdausübungsberechtigte beruflich flexibel oder nicht, gibt es weitere Jagdausübungsberechtigte, die unterstützen können etc.). Literatur und Rechtsprechung gehen von idealerweise mindestens zwei Tagen vor der Mahd, spätestens aber 24 h vorher aus. Auch die Frage, wie lange der Jäger zur Suche Zeit haben muss, kann nicht allgemein beantwortet werden, hängt der Zeitaufwand noch maßgeblich von der Flächengröße, der notwendigen Wegstrecke etc. ab.

Wer ist in der Pflicht?

Darf der Jäger einfach sagen: „Ich habe keine Zeit“? Muss er dann für Ersatz sorgen oder geht die Hegeplicht dann zurück an den Landwirt?

Hier gibt es keine festen Vorgaben. Allerdings gilt auch hier, dass der Landwirt als Verursacher der Gefahr alles Zumutbare für deren Abwendung zu veranlassen hat. Hat der Jäger, z.B. aus beruflichen Gründen, keine Zeit, hat der Landwirt selbst entsprechende Maßnahmen zu ergreifen (vgl. AG Hadamar Az 1 Ds 3 Js 12550/03).

So funktioniert die Onlineplattform zur Rehkitzsuche

So funktioniert die Internetplattform Rehkitzretter.eu:

Der Jäger kann seine Felder auf der digitalen Landkarte einzeichnen, oder direkt aus anderen Programmen importieren. Steht dann ein Mähtermin an, trägt er den beim Feld ein.

Jetzt werden alle eingetragenen Rehkitzretter in der Nähe darüber informiert, wann und wo ein Feld zur Mahd ansteht. Passt es noch in den eigenen Terminkalender, kann man das Feld anfragen und gibt somit für den Landwirt seine Kontaktdaten frei. Der Landwirt kann sich jetzt mit dem Rehkitzretter in Verbindung setzen und "handelseinig" werden. Ist dies der Fall, überträgt er den Termin und das Feld an  den Rehkitzretter. Erst jetzt bekommt auch der Retter die Kontaktdaten des Landwirts.

Der Retter kann sich nun überlegen, ob er noch Helfer braucht. Wenn ja, reicht ein einfacher Klick und es werden alle Helfer in der Nähe informiert, die dann Ihre Hilfe bestätigen können.

Währenddessen wurde auch schon, wenn er bereits registriert ist, der zuständige Jagdbevollmächtigte informiert, denn auch er kann sein Revier in die digitale Landkarte eintragen. So ist er immer über alles informiert und kann auch sein Veto gegen einen Drohneneinsatz einlegen.

Mit Material von Bayerischer Jagdverband e.V. (BJV), rehkitzretter.eu

Wildtierrettung: So mäht man richtig

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