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Hannover 'am Puls der globalen Landtechnikindustrie'

von , am
12.11.2013

Nachhaltigkeit, Kommunikation, freie Handelsströme - Erfolgsfaktoren für die Landwirtschaft. Faktoren, die auch beim gestrigen Max-Eyth-Abend zum offiziellen Startschuss der Agritechnica Thema waren.

"Hannover ist in dieser Woche die Hand am Puls der globalen Landtechnikindustrie, ein Leistungsfenster Agritechnica in noch die dagewesener Größe und Internationalität." Mit diesen Worten hat Carl-Albrecht-Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), gestern die Agritechnica auf dem Max-Eyth-Abend offiziell eröffnet.
 
Mit 420.000 Quadratmetern Fläche, die die Agritechnica mittlerweile einnimmt, stoße inzwischen selbst das größte Messegeländer der Welt an seine Grenzen. Mittlerweile sind mehr internationale als nationale Aussteller auf der Messe präsent. Darunter auch Firmen aus weit entfernten Kontinenten wie Asien, Australien, Nord- und Südamerika.

Freie Handelsströme, damit alle profitieren können

Ein Schwerpunkt liegt dieses Jahr im Bereich Smart Farming. "Moderne Technologien, wie sie die Branche in faszinierender Vielfalt in ihren Maschinen einbaut, werden in aller Welt entwickelt", so Bartmer. Dafür nötig seien gesicherte Schnittstellen von Maschinen untereinander, egal von welchem Hersteller und an welchem Ort der Welt gebaut. 
 
Bartmer sieht als Voraussetzung für den Erfolg allerdings freie Handelsströme. Nachdem bereits gestern Kritik an russischen Einfuhrquoten aufgekommen war, wies auch Bartmer noch einmal auf die Bedeutung des freien Handels hin: "Intelligenter Austausch ist nur möglich bei freiem Handel mit Gütern und Dienstleistungen. Das gilt für Agrarprodukte nicht anders als für Landmaschinen. Wer den Zugang zu innovativen Technologien beschränkt, schädigt sich selbst, seine Landwirtschaft, seine Hersteller und letztlich den Verbraucher am meisten." 

Entwicklungsländer: Technischer Fortschritt mit Augenmaß

Bei allem technischen Fortschritt sei es aber wichtig, die strukturellen Unterschiede jedes Landes im Blick zu behalten. "Jeder Standort, jede Region, jeder Naturraum, jedes Land und letztlich jeder Kontinent hat dabei seine eigene Entwicklungslogik", so Bartmer. Länder wie Indien, China und Afrika befinden sich "mitten in grundlegenden Strukturveränderungen zwischen ländlicher und urbaner Bevölkerung".
 
Dementsprechend behutsam müsse technischer Fortschritt hier implementiert werden. "Es sind also mittel- und langfristig nicht allein flächendeckend PS-Giganten mit entsprechenden Arbeitsbreiten angesagt, sondern vielmehr eine differenzierte Mechanisierung." Gerade in Entwicklungsländern müsse zunächst die Flächenproduktivität erhöht werden, ohne zugleich "zahllose Arbeitskräfte freizusetzen, die dann die Slums der urbanen Zentren bevölkern".

Deutungshoheit zur Landwirtschaft anderen überlassen

Auch wenn die Agrarbranche mittlerweile versucht, in den Dialog mit dem Verbraucher zu kommen - Defizite herrschen dort nach wie vor, so Bartmer. "Nach historischem Vorbild idealisierte Kulturlandschaften lassen das gesellschaftliche Herz höher schlagen als der Anblick von modernen Agrarlandschaften."
 
Diesen Wunsch müsse der Agrarsektor zunächst akzeptieren. Zu kommunizieren, dass umso mehr von diesen Zielen verwirklicht werden können, je mehr eine moderne, technologieoffene Landwirtschaft dafür Freiheitsgrade schafft, gelinge jedoch nicht. Man habe die Deutungshoheit zum Thema moderne Landwirtschaft zu lange anderen überlassen. "Wir haben eine kommunikative Bringschuld, die moderne Landwirtschaft den 98 Prozent unserer Bevölkerung zu erklären, die nicht tagtäglich mit Agrarproduktion zu tun haben."

Existenzberechtigung durch Nachhaltigkeit

Ein zweiter wichtiger Punkt sei der Umgang mit natürlichen Ressourcen. Bartmer weist darauf hin, dass es "wenig hellseherischer Fähigkeit" braucht, um vorherzusehen, "dass die Gesellschaft in wenigen Jahren die Existenzberechtigung jener Unternehmen massiv in Frage stellen wird, die den nachhaltigen Umgang mit knappen Ressourcen nicht belegen können."
 
Deswegen will die DLG im Dezember einen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, mit dem sich die Landwirtschaft den Fragen der Gesellschaft stellt.
 

Agritechnica: Blickpunkt Smart Farming

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