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Landmaschinenkauf: Das zählt bei der Bonitätsprüfung

von , am
07.10.2014

Wer eine Landmaschine finanzieren möchte, muss sich in der Regel einer Bonitätsprüfung unterziehen. Was gilt es zu beachten, um gute Kreditkonditionen zu erhalten?

Die für die Vergabe eines Kredits wichtige Bonität wird im Einzelfall oder regelmäßig überprüft. © sb/landpixel.de
Die Bonitätsprüfung entscheidet neben der Bewilligung eines Kredits auch über die Höhe des Zinssatzes. Grundsätzlich geht jeder Finanzierung von Landmaschinen das gleiche bankinterne Prozedere voraus:
  • persönliche Kreditwürdigkeit ("Ist der Kunde finanziell zuverlässig?")
  • materielle Kreditwürdigkeit ("Kann der Kunde die Zins- und Tilgungsraten vertragsgerecht leisten?")
Dabei gehören verschiedene Punkte zum "Basispaket" der Bonitätsprüfung.
Wesentlicher Bestandteil dieser Prüfung ist das so genannte Scoring, das in hohem Maße die Kreditbewilligung insgesamt sowie letztlich auch die Höhe des jeweiligen Kreditzinssatzes beeinflusst. Einen Schwerpunkt solcher Kreditbeurteilungen bildet die "Vertragstreue" des Kreditkunden. Diese Vertragstreue geht je nach Bankinstitut über die pünktlichen Zahlungen der Zins- und Tilgungsraten weit hinaus.
 
So wird bankseitig beispielsweise darauf geachtet, dass Vereinbarungen über die Umsatz- oder Einnahmenverteilung des landwirtschaftlichen Betriebs strikt eingehalten werden. Wird im Kreditvertrag also festgelegt, dass "90 Prozent der Umsätze beziehungsweise Einnahmen über das Geschäftskonto" der Hausbank geleitet werden müssen, handelt es sich dabei keineswegs um eine unverbindliche Empfehlung. Der Kunde übernimmt damit vielmehr eine klar definierte Verpflichtung, der er auch nachkommen sollte.

Umsatzvolumen hängt mit Höhe des Kreditzinses zusammen

Da die Bank durch die betriebswirtschaftlichen Unterlagen ihres Kunden in der Lage ist, die Umsatzverteilung nachzuvollziehen, gibt es hier in der Regel keine Geheimnisse. Da das Umsatzvolumen häufig unmittelbar mit der Höhe des Kreditzinses verbunden ist, ist es nachvollziehbar, dass der Kreditgeber auf einer entsprechenden Umsatzvereinbarung besteht und diese auch kontrolliert. Rudolf Loibl, Unternehmensberater aus Straubing, sieht hier vor allem kundenseitig noch Nachholpotenzial. Nach seinen Erfahrungen werden diesbezügliche kreditvertragliche Verpflichtungen "nicht immer vollständig eingehalten". 

Bei der Beantragung eines Kredites sollte folgendes beachtet werden:
  • Landwirte sollten ihre Bank um eine Aussage darüber bitten, wie diese ihre Bonität innerhalb des Scoring-Verfahrens en détail ermittelt.
  • Die sich daraus ergebenden Rückschlüsse sollten beide Geschäftspartner nutzen, um die Kunde-Bank-Beziehung zu optimieren (etwa durch eine verbesserte Kontoführung oder durch einen intensiveren Informationsfluss).
  • Da das Scoring meist regelmäßig durchgeführt wird, sollte mit der Bank ebenso regelmäßig über die Entwicklung und anzustrebende Verbesserung des "Scores" geredet werden.
  • Durch eine solche schrittweise Verbesserung des Scores können Landwirte die Kreditkonditionen zum Teil erheblich verbessern.

Kreditlinie beachten

Ein weiterer Punkt, der beim Scoring auffällt, betrifft die "Überziehungsqualität": Landwirte, die sich nahezu ohne Unterbrechung am Kreditlimit des Geschäftskontos (oder darüber) bewegen, müssen mit Abstufungen ebenso rechnen wie Landwirte, die regelmäßig Probleme haben, bei der Vorlage von Lastschriften für entsprechende Kontodeckung zu sorgen. Vor allem dieser Punkt wird von Banken zunehmend automatisiert: Fehlt es bei vorgelegten Lastschriften über die erforderliche Kontodeckung oder bietet der Überziehungskredit keinen weiteren Spielraum, erfolgt keine Einlösung. Die Argumentation der Banken erscheint schlüssig: Im Rahmen der Kontodisposition muss der Kunde für entsprechende Deckung sorgen.
Hier kann übrigens auch der jeweilige Kundenberater und unmittelbare Ansprechpartner des Landwirts kaum helfen, da auch er meist nicht erfährt, ob die Einlösung einer Lastschrift mangels Kontodeckung verweigert wurde. Dieser Vorgang wird bei vielen Banken nämlich längst zentral gesteuert und ist daher weitgehend unabhängig von der jeweiligen Filiale, bei der das Geschäftskonto geführt wird. "Hier wünschte ich mir mehr Kundennähe, da durch dieses Verhalten die Kunde-Bank-Beziehung häufig Schaden nimmt," sagt dazu Unternehmensberater Loibl.

Verhaltensscoring bei der Kreditvergabe

Das Scoringverfahren wird regelmäßig auf der Basis kontenbezogener Kundenmerkmale durchgeführt. Dazu gehören unter anderem
  • die Anzahl der Monate mit negativem Kontostand
  • die Anzahl von Rücklastschriften beziehungsweise von Rückschecks sowie
  • die Entwicklung der aktuellen Habenumsätze zu den durchschnittlichen Habenumsätzen beispielsweise des vergangenen halben Jahres.
Durch die regelmäßige Ermittlung des daraus resultierenden Scorewerts erhält die Bank ein insgesamt aussagefähiges Bild über das jeweilige Kundenverhalten über den jeweils bestimmenden Zeitverlauf.
 
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