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Schneeräumen

Landwirte im Winterdienst: Hier schützt die Versicherung

Traktor Winterdienst
am Montag, 06.12.2021 - 09:25 (Jetzt kommentieren)

Im Winter übernehmen Landwirte mit ihren Landmaschinen oft den Winterdienst für Kommunen und private Unternehmen. Dafür gibt es Versicherungen. Wir haben nachgefragt, welche Versicherungen in Frage kommen und was sie abdecken.

Viele Landwirte tauschen im Winter den Pflug gegen das Schneeschild, um für Kommunen oder private Unternehmen das Schneeräumen zu übernehmen. Damit der Nebenerwerb kein Verlustgeschäft wird, sollten sich Landwirte richtig versichern. Wir haben der Versicherungskammer Bayern Fragen gestellt.

Winterdienst für Kommunen: Was müssen Landwirte beachten?

Viele Landwirte nutzen zusätzliche Einkommensquellen. Beliebt ist unter anderem der kommunale Winterdienst. Damit Sie als Landwirt richtig abgesichert sind, sollten Sie vor dem ersten Einsatz ihren Haftpflichtschutz überprüfen.

Wer haftet bei Unfällen durch Schnee und Eis?

Verkehrssicherungspflicht bedeutet, dass jeder, der eine Gefahrenquelle schafft, Vorkehrungen treffen muss, um Schäden anderer zu verhindern. Darunter fällt die Räum- und Streupflicht der Kommune bei Schnee und Eis.

Vergibt die Kommune den Auftrag Winterdienst an einen Dienstleister, überträgt sie auch die Verkehrssicherungspflicht auf diesen. Das heißt, der Dienstleister haftet für alle Personen- und Sachschäden, die passieren, wenn Gehwege, Straßen oder Plätze nicht – oder mangelhaft – geräumt wurden. Die Kommune kann sich aber nicht komplett aus der Verantwortung ziehen, weil sie Überwachungs- und Kontrollpflicht hat. Das heißt, sie muss sich stichprobenartig davon überzeugen, dass der beauftragte Landwirt den Winterdienst auch ordnungsgemäß ausführt.

Sturz auf geräumten Flächen: Wie hoch ist das Risiko bei Personenschäden für Landwirte?

Vor allem ist das Risiko für Personenschäden groß. Denn die allermeisten Unfälle von Fußgängern geschehen in den Wintermonaten. Ein Sturz auf glattem Untergrund ist schnell passiert. Knochenbrüche können zu hohen Schadensersatzforderungen führen. Krankenversicherer fordern ihre Kosten für Krankenhausaufenthalt und Heilbehandlung zurück, oder der Geschädigte erhebt Anspruch auf Verdienstausfall und Schmerzensgeld.

Schadensersatz muss derjenige zahlen, der für die Sicherheit verantwortlich ist.

Landwirte, die eigenverantwortlich oder als Subunternehmer den Winterdienst ausüben, haften persönlich, in voller Höhe und mit ihrem ganzen Vermögen für diese Forderungen.

Deshalb sollten Landwirte unbedingt darauf achten, ausreichende Versicherungssummen in der landwirtschaftlichen Betriebshaftpflichtversicherung zu verhandeln. Als Richtwert gilt: Sie sollten mindestens fünf Millionen Euro für Personenschäden vereinbaren.

Muss ich als Landwirt den Winterdienst bei der KFZ-Versicherung melden?

Sofern Sie einen Schlepper einsetzen, sollten Sie die Kfz-Versicherer über das neue Risiko informieren, noch bevor Sie die mit der Arbeit beginnen. Bei einigen Kraftfahrtversicherern wird der kommunale Winterdienst sogar ohne Beitragszuschlag mitversichert. Auch Schäden durch Anbaugeräte wie Räumschild und Salzstreuer sind dabei eingeschlossen. Darüber hinaus müssen Landwirte den Winterdienst beim landwirtschaftlichen Betriebs-Haftpflichtversicherer anmelden.

Müssen Landwirte den Winterdienst bei der Betriebs-Haftpflichtversicherung anzeigen?

Egal, ob Sie nur einen Schlepper einsetzen, die Kraftfahrtversicherung kommt grundsätzlich nur für Schäden auf, die auf den Gebrauch des Kraftfahrzeugs zurückzuführen sind. Wenn Sie beispielsweise aus Versehen ein geparktes Auto mit dem Schneeräumschild anfahren oder einen Gartenzaun beschädigen, ist das nur über eine Haftpflichtversicherung gedeckt.

Viel Schadenpotenzial haben auch Schäden, die entstehen, wenn die Räumpflicht nicht erfüllt werden kann. Das ist der Fall, wenn Sie den Winterdienst verspätet, unzureichend oder gar nicht erledigen. Dabei gilt, dass Landwirte, die für die Räumpflicht verantwortlich sind, für alle Schäden haften, die durch ihr Fehlverhalten, wie das Unterlassen des Winterdienstes, entstanden sind. Unabhängig davon, dass der Landwirt über eine Betriebshaftpflichtversicherung geschützt wird, ist es sinnvoll, im Fall einer Verhinderung den Winterdienst sicherzustellen und die Vertretung einzuweisen.

Hier ein konkretes Beispiel: Der Landwirt ist in seinem eigenen Betrieb eingespannt und beginnt den Winterdienst deshalb erst um 7:15 Uhr statt um 7:00 Uhr, wie vertraglich vereinbart. In diesen 15 Minuten rutscht ein Fußgänger aus und stürzt auf dem glatten Gehweg. Er bricht sich den Oberschenkel und kann sechs Wochen nicht arbeiten. Weil er selbstständig ist, hat er erhebliche Umsatzeinbußen. Mit Schmerzensgeldforderungen und Krankenhauskosten summieren sich seine Forderungen auf über 30.000 Euro. Das kann für den Landwirt die Existenz des Betriebs bedeuten.

Eine ausreichend gedeckte Haftpflichtversicherung zahlt nicht nur Schadenersatzforderungen, sondern wehrt auch Ansprüche ab, die unberechtigt gegen den Versicherten gestellt werden. Das kann passieren, wenn jemand außerhalb der festgelegten Räumzeiten, z. B. in der Nacht ausrutscht und sich dabei verletzt.

Grundsätzlich gilt: Bevor Landwirte kommunale Arbeiten übernehmen, sollten sie einen Versicherungsexperten kontaktieren und sich beraten lassen.

„Autos mit dem Traktor aus dem Schnee ziehen“ oder „Schneeräumen“: Sind Landwirte versichert?

Spontane Hilfeleistungen für private Unternehmen sind zwar grundsätzlich versichert, allerdings gibt es Einschränkungen:  

  • Wenn die Zugmaschine und der PKW beim Abschlepp- oder Bergevorgang verbunden sind, deckt die Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung keine Schäden am Gespann.
  • Sobald ein unbeteiligter Dritter beim Abschleppen bzw. Bergen geschädigt wird, besteht im Rahmen der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung eine Deckung.
  • Entschädigungszahlungen sind nur mit einer Kaskoversicherung möglich. Das heißt: Wenn eine Kaskoversicherung besteht, sind in der Regel nur Schäden am eigenen, aber nicht am fremden Fahrzeug gedeckt.

Grundsätzlich sind landwirtschaftliche Zugmaschinen versichert, wenn sie in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Weil Winterdienst nicht als landwirtschaftlicher Verwendungszweck gilt, sollten Landwirte solche Tätigkeiten bei ihrem Versicherer zusätzlich anmelden, damit auch diese Arbeiten vom Versicherungsschutz gedeckt sind.

Bei der Kaskoversicherung sollten Sie unbedingt wissen, dass Räumschilder und Streuaufsätze als Sonderzubehör gelten. Diese sollten mitversichert werden, damit es erst gar nicht zu Leistungseinschränkungen kommt. Wenn Sie als Landwirt vertragliche Räumpflichten übernehmen, kann es, abhängig vom Vertrag, auch zu Haftungsausschlüssen kommen. Ein Beispiel hierfür wäre ein Gebäude, das bei der Räumung eines Supermarkt-Parkplatzes (Gewerbeeinrichtung) beschädigt wird.

Mit Material von Versicherungskammer Bayern

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