Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Smart Farming

Landwirtschaft 4.0: Was nützt die Digitalisierung kleinen Betrieben?

Drohne auf einem Acker
am Montag, 18.05.2020 - 07:40 (Jetzt kommentieren)

Die Universität Hohenheim forscht im Projekt DiWenkLa , wie kleine landwirtschaftliche Betriebe von der Digitaliserung profitieren können und was sie hindert. Erste Ergebnisse sollen im nächsten Jahr vorliegen.

Hinter der Digitalisierung der Landwirtschaft stecken häufig Investitionen in Technik und Software. Aber wie können das kleine landwirtschaftliche Betrieb meistern und auch in das digitale wirtschaften einsteigen? An diesen Fragen forscht die Universität Hohenheim in den nächsten drei Jahren.

Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0

Big Data, Agrar-Sensoren an Drohnen und landwirtschaftlichen Maschinen, individualisierte Software-Anwendungen – die Landwirtschaft 4.0 hat das Potential Ressourcenschutz und Tierwohl stark nach vorne zu bringen und gleichzeitig Kosten zu senken. Doch gerade für klein- und mittelständische bäuerliche Familienbetriebe, wie sie in Baden-Württemberg vorkommen, sei die Umstellung eine besondere Herausforderung, schreibt die Universität Hohenheim in einer Pressemitteilung.

Wie rentiert sich die Digitalisierung und bringt sie mehr Naturschutz und Tierwohl?

Landwirte sehen sich mit einer steigenden Zahl von Anforderungen konfrontiert: Sie sollen umwelt- und naturschonend mit höheren Tierwohlstandards arbeiten, aber dennoch wirtschaftlich produzieren, um das Überleben des eigenen Hofs nicht zu gefährden. Insbesondere für kleinere Betriebe stellt dieser Spagat eine große Herausforderung dar.

Eine Chance könnten hier digitale Lösungen bieten. Ob und inwieweit sich vor allem für bäuerliche Klein- bzw. Familienbetriebe der verstärkte Einsatz von digitalen Technologien rentiert, untersucht jetzt das Projekt DiWenkLa (Digitale Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft).

Der Computer sagt, wann gemäht wird

10092019Smart-Bow-Landwirt-Ahrenshop-im-Stall10

„Die digitalen Technologien können nicht nur den Arbeitsaufwand reduzieren und Erträge des Landwirts stabilisieren. Sie haben auch das Potential das Tierwohl zu fördern und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren“, betont Prof. Dr. Enno Bahrs, Projektkoordinator und Agrarwissenschaftler an der Universität Hohenheim.

Ein Beispiel: „Indem wir Rinder mit Sensoren ausstatten, können wir registrieren, wann welches Tier wie viel frisst und wie viel es sich bewegt. Andere Sensoren können die Weidevegetation automatisch erfassen. Wenn wir beides kombinieren, erhalten die Landwirte einen aufschlussreichen Datensatz, der ihnen erlaubt das Beweidungs‐ und Fütterungsmanagement zu optimieren.“

Eine andere Vision ist dank Digitaler Technologien den optimalen Ernte- oder Mähzeitpunktes zu ermitteln, um besonders hochwertig zu produzieren, ergänzt der stellvertretende Koordinator, Prof. Dr. Markus Frank von der HfWU Nürtingen: „Möglich wird das durch die Kombination von Robotik mit Wetterdaten, die speziell auf den Standort des jeweiligen Betriebs zugeschnitten und mit flächenspezifischen Ertrags- und Qualitätsschätzungen des Ernteguts kombiniert werden.“

Pflanzenschutzmittel ließen sich einsparen, in dem die Landwirte auf mechanische Unkrautbekämpfung umstellten – und diese automatisierten: „Das lässt sich durch Maschinen mit sensorgesteuerten Kameras umsetzen: Ein Bilderkennungsprogramm identifiziert unerwünschte Pflanzen, so dass die Maschine die Anbauflächen selbstständig davon befreien kann.“

Von abgelegen im Schwarzwald bis zum Speckgürtel von Stuttgart

Traktor fährt mit Scheinwerfern im Dunkeln

Zwei Regionen in Baden-Württemberg dienen dabei als Experimentierfelder: der Südschwarzwald und die Metropolregion Stuttgart. Ausgewählt wurden sie, weil sie zwei Extreme der Landwirtschaft in Baden-Württemberg darstellen. Später sollen die Ergebnisse von dort auf andere, ähnlich strukturierte Regionen übertragen werden.

Der Vorteil von Metropolregionen wie Stuttgart dabei ist, dass sie bereits jetzt stark vernetzte digitale Strukturen besitzen. Zukünftig sei zu erwarten, dass sie von modernen und leistungsfähigen Datennetzstrukturen mit Glasfaser‐ und 5G‐Verbindungen noch stärker profitieren werden. Die Metropolregion Stuttgart steht für Gebiete, die künftig vor allem auf die Produktion von Acker- und Feldgemüse (Kohl und Salat), Getreide, Soja und andere Feldfrüchte setzen. Hinzu kommt eine verstärkte Pferdehaltung, die als Nutz- und Freizeittiere eingesetzt werden.

Demgegenüber bildet der Südschwarzwald die Situation von Mittelgebirgsregionen mit zum Teil steilen Hanglagen ab. Typisch für diese Regionen sind viel Grünland, Rinderhaltung und gering entwickelte digitale Strukturen.

Das Forschungsprojekt begann am 2.3.2020 mit einer Laufzeit von 3 Jahren. Mit ersten Ergebnissen wird im Verlauf des nächsten Jahres gerechnet.

Mit Material von Universität Hohenheim

Landwirtschaft-Drohnen: Drei Modelle im Vergleich

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...