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Agrartechnikbranche

Lieferprobleme in der Landtechnik: Aufträge da, Teile fehlen

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am Sonntag, 17.07.2022 - 06:02 (Jetzt kommentieren)

Derzeit müssen Landwirte häufig auf ihre Neumaschinen länger warten. Wir haben mit dem Geschäftsführer des VDMA Landtechnik, Dr. Tobias Ehrhard darüber gesprochen, wie hoch die Lieferzeiten für Landmaschinen gerade sind, ob sich die Situation der Lieferschwierigkeiten in naher Zukunft ändern wird.

Wie lange betragen aktuell die Lieferzeiten für Landmaschinen?

Tobias Ehrhard: Angesichts der weltweit angespannten Liefer- und Logistiksituation ist auch die Landmaschinen- und Traktorenindustrie von zum Teil spürbaren Friktionen betroffen. Elektronikbauteile, Platinen und Mikrochips sind auf dem Weltmarkt derzeit nur schwer zu beschaffen. Aber auch bei Stahl und Metall, bei Kunststoff- und Gummierzeugnissen sind wir mit veritablen Engpässen konfrontiert. Etwas entspannter stellt sich dagegen neuerdings die Lage bei Erzeugnissen der chemischen Industrie dar.

Wie werden sich die Lieferzeiten in den nächsten Monaten entwickeln?

Aufgrund der Heterogenität der Produkte und Ausstattungsvarianten lässt sich mit Blick auf die jeweils konkreten Lieferzeiten kein universell gültiger Richtwert benennen. Vielmehr erleben wir einen breiten Korridor an Lieferzeiten. Manches ist direkt ab Werk verfügbar, anderes erfordert auf Kundenseite momentan leider etwas Geduld. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten in ähnlicher Form fortsetzen.

Tobias Ehrhard ist Geschäftsführer des VDMA Landtechnik.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vertritt mit dem Fachverband Landtechnik die Interessen der europäischen Hersteller von Landmaschinen und Traktoren.

Was sind die Gründe für lange Lieferzeiten?

Tobias Ehrhard: Ursächlich ist ein ganzes Bündel an Bestimmungsgründen: Zum einen sind die pandemiebedingten Verwerfungen in der Lieferkette, aber auch bei Transportcontainern ein anhaltendes Problem von globaler Relevanz. So lassen sich Maschinen vielfach erst verspätet ausliefern, da bestimmte Schalter, Sensoren oder Gummiteile buchstäblich nirgendwo verfügbar sind. Eine weitere Verschärfung der Situation zieht der Krieg in der Ukraine nach sich: Der Fluss von Stahlteilen, Kabelbäumen und anderen Komponenten aus den Industrieregionen des Landes ist seit dem 24. Februar recht schlagartig versiegt. In der Folge hat unsere Industrie, produktionstechnisch gesehen, eine große Herausforderung zu meistern, denn der Produktions- und Prozessaufwand zur Fertigung von Maschinen und Geräten ist erheblich gestiegen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Landtechnik in den Bereichen Grünlandtechnik, Traktoren, Bodenbearbeitung, Erntetechnik, Bestandsführung und Logistik?

Tobias Ehrhard: Die Nachfrage nach innovativer Landtechnik bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau. Dies gilt segmentspezifisch zwar mit gewissen Abstufungen; spürbare Unterschiede zwischen Grünlandtechnik, Traktoren, Bodenbearbeitung, Erntetechnik oder anderen Maschinengattungen bestehen allerdings nicht. Quantitativ gesehen, sind die Fabriken der Hersteller in Deutschland und Europa aktuell im Durchschnitt für ein halbes Jahr im Voraus voll ausgelastet. Auf den Punkt gebracht heißt das: Wir haben kein Marktproblem, wir haben ein Lieferproblem! Die Unternehmen sondieren mittlerweile sämtliche Optionen, um die Liefer- und Logistiksicherheit zu erhöhen: Insourcing, Second Sourcing, die Beteiligung an Zulieferern oder ganz generell die ‚Re-Europäisierung‘ von Bezugsquellen gehören zu den Strategien, die momentan vielerorts diskutiert und verfolgt werden. Mittelpunkt aller Bemühungen ist und bleibt die Kundenzufriedenheit. Insofern setzen wir alles daran, dass sich die momentan sehr herausfordernde Lage möglichst bald wieder normalisiert. Mit Blick auf die Erntekampagne hat derzeit die Versorgung von Bestandsmaschinen mit Reparatur- und Verschleißteilen oberste Priorität.

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