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Interview

Lohnunternehmen im Wandel: erfolgreich in die Zukunft

Feldhäcksler eines Lohnunternehmers erntet Schnittroggen
am Donnerstag, 10.02.2022 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Lohnunternehmen spielen eine immer wichtigere Rolle im ländlichen Raum. Um die deutsche Landwirtschaft an den globalen Märkten konkurrenzfähig zu halten, braucht es eine verstärkte Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und Lohnunternehmern.
Dr. Hartmut Matthes ist Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnunternehmen e. V.
Im Interview spricht er über Aufgaben und Herausforderungen für Lohnunternehmen.

Wie definieren Sie Lohnunternehmer?

Lohnunternehmer sind innovationskräftige Dienstleistungsbetriebe im ländlichen Raum, deren Hauptaufgabenfelder in der Erledigung sämtlicher Arbeiten im Außenbereich liegen. Die Dienstleistungsbetriebe stehen Landwirten, Forstwirten und Weinbaubetrieben, aber auch vermehrt Gewerbebetrieben und Kommunen mit einer effizienten Kombination aus qualifiziertem Personal, modernen Maschinen und dem nötigen Know-how zur Seite.

Lohnunternehmer bringen damit die technischen Innovationen voran und stellen zugleich eine umweltgerechte und energiesparende Bewirtschaftung sicher. Für mich stellt sich die Frage, ob der Begriff Lohnunternehmer noch zeitgemäß ist oder ob wir nicht besser von Agrardienstleistern sprechen sollten.

Welchen Herausforderungen müssen sich Lohnunternehmen aktuell stellen?

Gerade unter dem Aspekt des politisch gewollten und sich tatsächlich seit Jahren immer schneller vollziehenden Strukturwandels in der Landwirtschaft kommt den Lohnunternehmern in Deutschland in stetig steigendem Maße eine Schlüsselrolle im ländlichen Raum zu. Nur durch die verstärkte Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlichem Betrieb und dem Dienstleister Lohnunternehmen ist auch mittel- bis langfristig die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft auf den globalen Märkten sichergestellt.

Merkmal der Lohnunternehmer ist dabei, dass sie ihre Maschinen in weit höherem Maße auslasten als die Landwirtschaft. Dies hat zur Folge, dass sie das vergleichsweise hohe Investitionsrisiko für die Landwirtschaft in erheblichem Maße übernehmen. Als Partner der Landwirte und Kommunen werden Dienstleister im ländlichen Raum auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Wie werden sich Landwirte und Lohnunternehmen die Aufgaben teilen?

Jeder gut kalkulierende Landwirt kennt die Vorteile einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Es wird daher darauf ankommen, dass Landwirt und Lohnunternehmen neue Modelle der Zusammenarbeit entwerfen.

Für Lohnunternehmen wird daher nicht nur das Spektrum maschinennaher Arbeitserledigung, sondern auch der Anteil managementnaher Dienstleistungen deutlich zunehmen. Beide Seiten verstehen, welchen Wert eine verbindliche mittel- und langfristige Zusammenarbeit hat, denn verlässliche Kunden- und Lieferantenbeziehungen zahlen sich immer aus.

Vereinbarungen dieser Art führen bereits heute zu Bewirtschaftungsverträgen mit unterschiedlichsten Inhalten. Eine engere Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten wird den Strukturwandel nicht außer Kraft setzen, aber er kann vielen Landwirten die notwendige Zeit verschaffen, um besser auf die Veränderungen zu reagieren und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Wie erkenne ich Lohnunternehmen, die sich besonders als professionell aufgestellter Dienstleister im Alltag zeigen?

Mit der Auszeichnung zum „Anerkannten Fachbetrieb“ bestätigen wir als Bundesverband Lohnunternehmen e. V. eine hohe Qualität und Kundenzufriedenheit von Lohnunternehmen und würdigen die langjährig erfolgreiche Arbeit des Unternehmens. Die Anforderungen des Qualitätsaudits sind praxisbezogen und greifen die wichtigsten Aspekte des agrarischen Dienstleistungsmarkts auf.

Was sind aktuell die drei größten Herausforderungen für Lohnunternehmer?

Diese Frage lässt sich mit drei Schlagworten beantworten: Preisrealisierung, Know-how und Technologie. Lohnunternehmer müssen ihre Dienstleistungen bei der Rechnungsstellung sichtbar machen, auch wenn sie diese anfangs (gegebenenfalls) noch nicht bepreisen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. Das Know-how liegt im Wissen, was gebraucht wird. Nur so lässt sich in die richtige neue Technik investieren.

Die Digitalisierung ist eine große Hausnummer im Bereich Technologie. Wichtig sind die Werkzeuge zur Datenauswertung und die gewonnenen Ergebnisse dann auch in der Praxis umzusetzen. Dazu braucht es Wissen, Können und Wollen.

Interview: katrin.fischer@agrarheute.com

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