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Maschinengemeinschaften und Co: Lückenbüßer oder Erfolgsfaktor?

von , am
22.10.2013

In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte die gemeinsame Anschaffung von Landtechnik einen regelrechten Boom. Wie stehen Maschinenringe und Lohnunternehmer heute da?


Insbesondere in den südlichen Bundesländern galt die einfache Formel: mehrere kleine Betriebe können sich größere Maschinen gemeinsam eher leisten, als ein einzelner. Aus diesem Grundgedanken entwickelte sich eine rasante Erfolgsgeschichte, denn die gemeinsamen Maschinen waren nicht nur groß sondern auch effizient und professionell. Doch zum Erfolg half nicht nur guter Wille und gute Technik, die eigentliche Triebkraft dahinter war die Vision der "Maschinen- und Betriebshilfsringe". Eine Organisation, die den Bedarf an einer Stelle registrierte und diesen mit den Kapazitäten an anderer Stelle ausglich. Profitiert haben bäuerliche Familienbetriebe landauf- landab: Geld für eigene Technik gespart, Arbeitsspitzen gekappt und trotz kleiner Strukturen und Potenziale die aktuellen Technologiesprünge mitgenommen.

Lohnunternehmer mehr als Lückenbüßer

Ein anderer Trend entstand zeitgleich im Norden Deutschlands: Der Service der Lohnunternehmer. Hier zählte weniger das Solidaritätsprinzip der Bauern untereinander, als die rein betriebswirtschaftliche Kalkulation. Die Gretchenfrage dabei war rein betriebswirtschaftlich: "Wo fahre ich in welchem Arbeitsverfahren billiger - mit Eigenmechanisierung und dem Einsatz der eigenen Arbeitskraft oder mit kompletter Fremdvergabe - Mann und Maschine".
 
Doch heute sieht die Situation komplett anders aus. Die Strukturen der Betriebe haben sich in Größenordnungen entwickelt, bei denen es nicht mehr um die Frage geht, kann ich eine einzelne Maschine selbst auslasten oder nicht, oft stellt sich die Frage reicht mir ein Mähdrescher, oder benötige ich doch zwei. Lohnunternehmer haben sich in dieser Entwicklung vom Notretter im Ernstfall zum festen Bestandteil der Betriebsorganisation entwickelt. Schließlich sind es zunehmend die erfolgreichen Betriebe, die ihr Geld mit Managementaufgaben verdienen und die Tagesarbeit Spezialisten überlassen.

Maschinenringe auf Abwegen

Bei den Maschinenringen zählt die Vermittlung von Technik zwar nach wie vor zum Kerngeschäft, doch auch hier bauen die Verantwortlichen vor und konzentrieren sich auf den Verkauf von Strom, Handys und Autos im "Zehnerpack" als rabattierte Sammelbestellungen.
 
Abseits von dieser Entwicklung hat sich dennoch eine relevante Sparte entwickelt, die dem Ursprung der überbetrieblichen Maschinennutzung sehr nahe kommt: die gemeinsame Anschaffung und Organisation schlagkräftiger Erntetechnik für Zuckerrüben oder Kartoffeln mitsamt entsprechender Transportlogistik. Investments von mehreren Millionen Euro werden hier als Verein oder GbR getragen, die Organisation liegt in bäuerlicher Hand, Maschinenringe bilden hier Dienstleister, um die Logistik in Schwung zu halten. Diese Größenordnung ist aber kaum vergleichbar mit dem gemeinsamen Kauf eines großen Traktors, dessen Organisation spätestens in Spitzenzeiten bei Regenwetter zu heftigen Diskussionen führt, wer seine Pflugfurchen als erster ziehen darf.

Verträge und Vertrauen

Um Konflikten vorzubeugen, muss eine Neuanschaffung in einer Maschinengemeinschaft gut überlegt sein. Die Regionale Zusammenarbeit mit einer überschaubaren Anzahl von Betrieben ist besonders wichtig. Flexibilität ist immer gefragt, wenn das Wetter nicht mitspielt oder sonstige Pannen vorkommen. Im Vorfeld sollte genau geregelt werden, wie die Anschaffungs- und laufenden Kosten sowie die Leistungen verteilt werden. Auch die Ein- und Austritte von Mitgliedern und die eventuelle Auflösung der Gemeinschaft sollten vorab geregelt werden. Zwar schreiben nicht alle Rechtsformen, die als Grundlage für eine Maschinengemeinschaft gewählt werden können, den Abschluss eines schriftlichen Vertrages vor, dennoch sind in den meisten Fällen schriftliche Vereinbarungen sinnvoll. Ebenso sinnvoll kann es sein, Lohnunternehmer bereits vor Beginn einer Saison zu buchen, die Preise zu verhandeln und über den Handschlag hinaus auf Abrufbereitschaft und Pünktlichkeit festzulegen.  
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