Login
Spezielles

Die Nährstoffe nutzen

von , am
20.07.2012

Die Gülleverordnung mit der Vier-Stunden-Einarbeitungsregel treibt die Gülletechnikhersteller um. Die Diskussion um die beste Ausbringtechnik ist in vollem Gang.

Der Trend geht zur bodennahen Ausbringung © Werkbild
Die Emissionen sollen minimiert werden, Gülle und Festmist haben einen großen Wert. Mit ihren hohen Gehalten an gebundenem Stickstoff, Phosphor und Kalium stellt sie einen wichtigen Dünger dar, der gewinnbringend im Betrieb eingesetzt werden muss. Bei der lange üblichen Breitverteilung der Gülle gehen Nährstoffe verloren, zudem wird die Bodenverdichtung vorangetrieben und lästiger Jauche-Geruch verbreitet. Drei Probleme, die es zu lösen gilt.
 
Deshalb sind mittlerweile alle Hersteller dabei, die Kunden von den Vorteilen der bodennahen Gülleausbringung zu überzeugen. In Holland sind Gülleinjektoren und andere Einbringtechniken schon lange verbreitet und haben sich in der Praxis bewährt. Hier würde niemand mehr zurück zum Prallteller oder Schleppschlauch gehen, auch ohne Gülleverordnung. Von daher müssen Erfahrungen gesammelt werden.

Verluste minimieren

Aber die Vorteile sind schon seit vielen Jahren bekannt. Untersuchungen zeigen, dass beim Prallteller die N-Verluste rund 70 Prozent betragen. Darüber hinaus wird das Ernte- gut verschmutzt und es entsteht eine hohe Geruchsbelastung. Beim Schleppschlauch summieren sich die N-Verluste auf etwa 40 Prozent und beim Schleppschuh auf etwa 30 Prozent. Bei der Injektion entstehen N-Verluste von rund zehn Prozent, bei einer Injektionstiefe von fünf bis sieben Zentimeter.
 
Weiterer Vorteil: das Erntegut bleibt sauber. Beim Einsatz des Güllegrubbers ergeben sich ebenfalls rund zehn Prozent N-Verluste. Effizienter ist nur noch die Tiefeninjektion der Gülle unter den Wurzelhorizont.
 
Bei steigenden Preisen für Mineraldünger macht sich die teurere Ausbringtechnik schnell bezahlt. Die Diskussion Schlitzgerät oder Schleppschuh wird sehr kontrovers geführt. Großes Manko der Injektoren und Grubber ist
  • der hohe Zugkraftbedarf,
  • das hohe Eigengewicht,
  • die begrenzte Arbeitsbreite und damit eine
  • Verringerung der Schlagkraft.
Auf jeden Fall sollten die Fässer auf den Betrieben für die schweren Anbauteile geeignet sein. Um das hohe Gewicht nicht auf der Straße hin- und herzufahren, werden Ausbringketten mit reinen Transportfässern und dem High-Tech-Fass auf dem Acker an Bedeutung gewinnen.
 
Markt entwickelt sich gut
 
Mit der Marktentwicklung im Bereich der Ausbringtechnik für Gülle und Festmist im Jahr 2011 und im ersten Halbjahr 2012 sind alle Hersteller mehr als zufrieden. Vor allem die Vier-Stunden-Einarbeitungsfrist sorgt für Bewegung. "Das Jahr 2011 war im Bereich Gülletechnik ein Rekordjahr für die Firma Kotte", bestätigt Felix Hainzl. "Auch das aktuelle Jahr läuft bisher sehr gut. Der Auftragseingang konnte weiter gesteigert werden. Da die Nachfrage nach professioneller und qualitativ hochwertiger Gülletechnik nach wie vor hoch ist, sind wir sehr optimistisch für die kommenden zwölf Monate."
 
"Die Nachfrage nach großen Tankwagen ist nach wie vor sehr gut", bestätigt auch Sebastian Zunhammer. "Die großen Tandem-Tankwagen SK18PU werden von der Stückzahl her am häufigsten verkauft. Auffallend bei Zunhammer ist dieses Jahr eine stärkere Nachfrage auch nach mittleren Größen, insbesondere das neue Modell MK14. "Meiner Meinung nach investieren Milchviehbetriebe wieder etwas mehr in Gülletechnik."
 
Erfahrungen mit Gülle Strip-Till (13. Juli)
 

Landwirte fragen verstärkt Einarbeitungsgeräte nach
 
"Die Nachfragen gehen immer mehr in Richtung Einarbeitungsgeräte und die Nachfrage an sich ist konstant geblieben", berichtet Pierre Wuidar, Joskin. "Wir haben auch viele Anfragen für die Umrüstung älterer Maschinen mit einer bodennahen Ausbringtechnik." "Wir haben einen regelrechten Boom auf Schlitzgeräte erlebt", so Andreas Kaczmar- czyk, Kverneland-Veenhuis. "Aber auch Güllegrubber und Scheibeneggen waren sehr gefragt. Dadurch merkt man, dass das Bewusstsein auf eine effiziente Gülleausbringung gewachsen ist. Eine steigende Nachfrage war auch bei unseren Fässern zu spüren. Vor allem wurde hier auch Wert auf Effizienz gelegt, minimaler Bodendruck, minimierte Standzeiten, genaue Messung und vieles mehr war sehr gefragt. Wir erwarten eine weiter steigende Nachfrage in den nächsten zwölf Monaten, denn die Themen Vier-Stunden-Regelung und steigende Preise für Mineraldünger legen ganz klar weiter den Fokus auf eine effiziente Verarbeitung des natürlichen Düngers. Zudem kommt noch das Thema Gärsubstrat hinzu. Hier wird auch mit Adleraugen auf eine effiziente Ausbringung geachtet."
 
Hersteller rechnen mit großer Investitionsbereitschaft
 
Die Stimmung in der Landwirtschaft ist weiterhin positiv, da die Märkte im Bereich Milchviehhaltung und Schlachtvieh nach wie vor stabil sind. Aber auch in der Biogasbranche herrscht nach wie vor positive Stimmung, was den Absatz in der Gülletechnik ebenfalls positiv beeinflusst. Somit rechnen die Hersteller weiterhin mit einer hohen Investitionsbereitschaft der Landwirte. Pierre Wuidar, Joskin schränkt dies etwas ein und findet die Investitionsbereitschaftzurzeit etwas zurückhaltend. "Es wird länger überlegt bevor eine Entscheidung fällt. Der Trend geht auch eindeutig wieder zum Lohnunternehmer anstelle alles selber zu machen. Die Anfragen gehen auch immer mehr in Richtung voll ausgestatteter Fässer mit Einarbeitungstechnik und Dosierung über ISOBUS-Steuerung."
 
Trend geht zu größeren Modellen
 
"Wir sprechen insgesamt von einem stabilen Markt, bei dem die deutliche Verschiebung des Absatzes zu größeren Modellen nun keine Neuigkeit mehr ist", berichtet Martin Steinmeier, Strautmann. "So gehen wir auch im kommenden Jahr von einem konstant guten Absatz aus. Die größere Anzahl auszubringender Güter in großen Massen erklärt die guten Absatzzahlen. Für das kommende Jahr erwarten wir wieder einen guten Absatz mit leicht steigender Tendenz." "Wir konnten erfreulicherweise auch im ersten Halbjahr 2012 eine Steigerung der Streuer-Umsätze erzielen und sind zuversichtlich für eine weiterhin positive Tendenz im Laufe der nächsten zwölf Monate", resümiert Ralf Mosel, Bergmann.
 
Bodennahe Gülleausbringung
 
"Insbesondere bei den Güllewagen ist aufgrund der Ammoniak-Emissionsproblematik derzeit ein deutlich wachsender Trend zu verlustarmer Ausbringtechnik mit verbesserter Düngeeffizienz feststellbar", berichtet Eduard Leuermann, Briri. "Auch aus der Lohnunternehmer-Branche ist die Nachfrage nach bodennaher Ausbringungtechnik über Schleppschlauch,- oder Schleppschuhverteiler sowie nach direkter Gülleinjektion über Scheibenschlitzgeräte fürs Grünland und Injektoren für den unbestellten Acker stark angestiegen. Hier können solche Verfahren durch eine hohe Auslastung besonders wirtschaftlich eingesetzt werden. Eine Konzentration auf bestimmte Verfahren, Arbeitsbreiten, oder Fassvolumina ist schwer definierbar, da die Anforderungsprofile je nach Gebietsregion sehr unterschiedlich sind. Gerade bei den Landwirten ist der Aufklärungsbedarf recht hoch, da viele Kunden trotz der veränderten Rahmenbedingungen auch weiterhin die Gülledüngung gern selbst ausführen wollen, vorhandene Fässer aber für eine Nachrüstung von Direkt-Injektoren oft gar nicht geeignet sind."
 
"Der Trend zur bodennahen Ausbringung wird durch zwei wesentliche Faktoren ge- trieben", erläutert Felix Hainzl, Kotte. "Einerseits wird Gülle oder Gärrest als Mineraldüngeräquivalent eingesetzt. Um eine bestmögliche Nährstoffeffizienz zu erreichen, wird bei steigenden Mineraldüngerpreisen der Trend zur bodennahen Ausbringung steigen. Andererseits wird die bodennahe oder einarbeitende Gülleausbringung durch gesetzliche Vorgaben stärker fokussiert werden. Diskussionen über eine Einarbeitungspflicht im Rahmen der Düngeverordnung verstärken in jedem Fall den Trend zur bodennahen Ausbringung."
 
Vorteile stärker vermitteln
 
"Die Vorteile der bodennahen Gülleausbringung und der Injektion müssen noch stärker vermittelt werden", unterstreicht Andreas Kaczmarczyk. "Die Landwirtschaft muss es sehen und selbst erfahren, wie einfach und effizient es sein kann. Darum haben wir vor einem Jahr unser Gülle-Kompetenzzentrum eröffnet, um genau dieses Thema an den Mann zu bringen. Auch die Hochschulen haben sich dieses Thema auf die Agenda ge- schrieben. Mit Infotagen in ganz Deutschland wird hier versucht, den Landwirt zu sen- sibilisieren. Aber wenn ich mir den holländischen Markt anschaue und die Tatsache be- trachte, dass diese Zahlen und Fakten schon seit 20 Jahren bekannt sind, dann kommen wir meiner Meinung nach nicht um eine Verschärfung der Gülleverordnung herum."
 
"Durch die Forderung nach Einarbeitung innerhalb von vier Stunden werden verstärkt Tankwagen mit Dreipunkt-Aufnahme im Heck nachgefragt, um mit einem Gülle- Grubber direkt einzuarbeiten", stellt Sebastian Zunhammer fest. "Dies erfordert allerdings wegen der Straßenverschmutzung den Transport von der Ausbringung zu trennen. Unser bewährter 'Frontandock' kommt deshalb verstärkt zum Einsatz, falls der Kunde nicht auf einen Selbstfahrer umstellt."
 
Bodennahe Einbringtechnik fördern
 
Bernhard Berger, Fliegl fordert eine Aufrechterhaltung der Fördermittel beziehungsweise die Schaffung neuer Förderprogramme mit Bezuschussung für Anbaugeräte mit bodennaher Einbringtechnik. "Es muss kontrolliert werden, ob die Vorschriften eingehalten werden", meint Eric Driessens, Agco Challenger. "Die Investition müssen auch zum Einsatz kommen und das Geld zurück verdient werden können. Es sollte weiter deutlich in Richtung Einarbeiten gehen, denn bodennah ist immer noch ein breiter Begriff, der auch immer noch den Prallteller beinhaltet, wenn der nach unten sprüht."
 
Eric Driessens hält eine Verschärfung der Gülleverordnung in Deutschland für wahr- scheinlich, "denn der richtige Weg um wirklich Emission zu vermeiden, ist das Einarbeiten. Dass das nicht ohne weiteres am Markt umzusetzen ist, ist klar, denn es sind viele junge Fässer unterwegs, die noch einen großen wirtschaftlichen Wert darstellen. Wichtig ist also bei einer Neuanschaffung zu bedenken, dass die Einarbeitung kommen wird."
 
Hersteller: Gülleverordnung wird verschärft
 
Die meisten Hersteller gehen davon aus, dass die Gülleverordnung noch weiter ver- schärft wird. "Wir gehen stark davon aus, dass sich noch etwas ändern wird", meint Pierre Wuidar, Joskin. "Das Thema kommt regelmäßig auf den Tisch. Da es schon in Ländern wie zum Beispiel Holland Pflicht ist die Gülle einzuarbeiten, wird es meiner Meinung nach auch in den anderen EU Länder langsam kommen." "Die Düngeverordnung wird sicher noch weiter verschärft werden", ist sich Felix Hainzl sicher. "Die vierstündige Einarbeitungspflicht ist bereits ein erster Schritt in diese Richtung gewesen. Da es für den normalen Landwirt ohne größeren Aufwand nicht möglich ist, diese Zeit einzuhalten, investieren auch Landwirte in Einarbeitungstechniken direkt hinter dem Güllewagen. Au- ßerdem ist die verstärkte Abgabe der Gülleausbringung an Lohnunternehmen festzustel- len, da diese eher in Einarbeitungstechnik am Güllewagen investieren." 
 
Auch interessant